Arthrosen der Hand

Die Arthrose von Handgelenk und Fingergelenken ist eine Gelenkknorpelzerstörung, die zu Schmerzen und Funktionseinschränkungen bis zur Gelenksteife führen kann. Abhängig vom Schweregrad kann die Erkrankung nicht-operativ oder operativ behandelt werden. Eine Heilung ist nicht möglich.

Häufigkeit

Die Häufigkeit der Arthrose im Bereich der Hand im Alter über 65 Jahren liegt bei Männern zwischen 60 und 80 Prozent sowie bei Frauen zwischen 70 und 99 Prozent. Am häufigsten ist dabei die Arthrose der Fingerendgelenke (Heberden-Arthrose), des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) und der Fingermittelgelenke (Bouchard-Arthrose). Insgesamt ist die Arthrose im Bereich von Hand- und Fingergelenken deutlich häufiger als die Arthrosen von Knie- und Hüftgelenken. Dies trifft für alle Altersgruppen zu. Mit zunehmendem Alter tritt die Arthrose häufiger auf.

Abb. 1: Fingergelenkarthrose (Quelle: Dr. Martin Lautenbach)
Abb. 2: Daumensattelgelenkarthrose (Quelle: Dr. Martin Lautenbach)
Abb. 3: Handgelenkarthrose (Quelle: Dr. Martin Lautenbach)

Ursachen

Die Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die jedes Gelenk des Körpers betreffen kann. Umgangssprachlich wird die Arthrose oft als Gelenkverschleiß bezeichnet. Die Arthroseentwicklung ist eine chronisch voranschreitende Schädigung des Gelenkknorpels. Hiervon sind im Verlauf auch die angrenzenden Knochen, Bänder und Gelenkkapseln beeinflusst. Dies kann an den gelenkbewegenden Sehnen und Muskeln zunehmende Funktionseinschränkungen auslösen. Als Ursachen kommen zum Beispiel erhöhte Belastungen wie Übergewicht, Fehlbelastungen oder Verletzungen und eine erbliche Veranlagung sowie weitere Auslöser in Betracht.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome der Arthrosen von Handgelenken, Daumensattelgelenken und Fingergelenken sind zunehmende Steifigkeiten der Gelenke und Kraftverluste. Vor allem das Beugen aber auch Strecken der Finger fällt dann schwer und bereitet oft Schmerzen. Ebenso können sich die Gelenke schubartig entzünden und anschwellen. Bei längerem Fortbestehen der Arthrosen ist die Funktionalität der Finger oft zunehmend beeinträchtigt, es bilden sich typische Verdickungen der Gelenke und Fehlstellungen treten ein. Als Spätfolge ist auch eine Einsteifung der Gelenke möglich.

Die Arthrose ist heute noch immer nicht heilbar. Die eingetretene Schädigung des Gelenkknorpels kann nicht rückgängig gemacht werden.

Diagnose

Bei der ersten Vorstellung beim handchirurgisch erfahrenen Arzt erfolgt die Befragung und die körperliche Untersuchung der oberen Extremität und speziell des Handgelenks und der Hand des Patienten.

Um festzustellen, welche Gelenke in welchem genauen Ausmaß von der Erkrankung betroffen sind, werden bildgebende Verfahren eingesetzt. Typischerweise werden Ultraschall und Röntgen veranlasst. Weitergehende Fragen können unter Umständen durch ein MRT oder CT geklärt werden.

Hiernach kann eine spezifische handchirurgische Diagnose gestellt werden und eine Beratung bezüglich der bestmöglichen Behandlung erfolgen.

Therapie und Nachsorge

Die wesentlichen Ziele der Behandlung sind, die Schmerzen des Patienten zu lindern, die Funktion zu erhalten und wenn möglich das Fortschreiten der Arthrose zu verzögern bzw. zu verhindern.

Dabei wird zwischen nicht-operativen (konservativen) und operativen Therapien abgewogen.

Konservative Behandlungsmaßnahmen umfassen unter anderem Finger- und Handgelenksschienen, die Gabe von Medikamenten, wie zum Beispiel Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac unter Magenschutz, Injektionen zum Beispiel mit Kortison, handtherapeutische Übungen und die Anwendung physikalischer Therapiemethoden (Physikalische Therapie zum Beispiel mit Wärme oder Strom). Alternative Naturheilverfahren sind meist nicht langfristig beschwerdeverbessernd.

Kann auf diesem Weg keine Beschwerdereduktion in ausreichendem Maß erreicht werden, ist eine Operation zu diskutieren.

Handgelenk

Am Handgelenk besteht die Möglichkeit der Denervation, das heißt die Unterbrechung der schmerzweiterleitenden Nervenfasern des Handgelenks. Hierdurch wird die Sensibilität oder Funktion der Hand nicht beeinträchtigt, sondern nur der Handgelenksschmerz reduziert. Die Arthrose und Funktion des Handgelenks wird dadurch aber nicht beeinflusst. Die Erkrankung schreitet also voran.

Durch sogenannte Teilfusionen (Teilversteifung zwischen einzelnen der Handwurzelknochen) oder die Entfernung zerstörter Handwurzelknochen (Proximal Row Carpectomy) kann in der Regel eine gute Handgelenksfunktion bei Schmerzreduktion bis sogar zur Schmerzfreiheit erreicht werden. Die Kraft der Hand ist nach der Operation meist sehr gut („Rettungsoperationen“). Dies ist aber nur möglich, solange noch nicht alle Gelenkflächen der Handwurzel von der Knorpelzerstörung betroffen sind.

Sind weitgehend alle Anteile des Handgelenks von der Arthrose betroffen, kommt die Vollversteifung des Handgelenks in Betracht. Dabei wird nur die Beugung und Streckung, sowie Seitwärtsbewegung des Handgelenks aufgehoben. Die Umwendbewegung der Hand und die Bewegung aller Fingergelenke und des Daumens bleiben erhalten. Schmerzfreiheit und Kraft der Hand sind so in der Regel wiederzuerlangen. Handgelenksendoprothesen sind nur unter eingeschränkten Voraussetzungen angeraten und in ihrem Verlauf oft problematisch.

Fingergelenke

Im Bereich der Fingergelenke ist es möglich, solange die Gelenkknorpel noch nicht fortgeschritten zerstört sind, durch die Entfernung der verdickten Gelenkschleimhaut und die Denervation (siehe oben) die betroffenen Fingermittel- und Endgelenke beweglich und schmerzarm zu erhalten.

Sind die Gelenkschäden fortgeschritten, kann am Fingermittelgelenk durch eine Endoprothese (künstliches Fingergelenk) Schmerzfreiheit und Beweglichkeit mit meist guter Kraft und langer Haltbarkeit erreicht werden. Wann immer möglich, sollte am Fingermittelgelenk eine Versteifung des Gelenks vermieden werden.

Am Fingerendgelenk kann hingegen durch eine Versteifung Schmerzfreiheit und Stabilität erreicht werden, ohne dass dadurch die Funktionalität des Fingers wesentlich beeinträchtigt wird. Der Faustschluss ist auch bei unbeweglichem Fingerendgelenk möglich.

Daumensattelgelenk

Bei der fortgeschrittenen Daumensattelgelenkarthrose besteht meist die Möglichkeit, Bewegung und Schmerzfreiheit zu erhalten, ohne dass eine Versteifung oder die Implantation eines künstlichen Gelenks notwendig sind. Durch die Entfernung des arthrotisch veränderten großen Vieleckbeins (Os trapezium, Handwurzelknochen, der mit dem ersten Mittelhandknochen das Daumensattelgelenk bildet) und die meist durchgeführte „Aufhängung“ des Mittelhandknochens an der Hälfte einer teilweise entnommenen Unterarmbeugesehne (eventuell auch unter Lagerung der Sehnenanteile in die Entfernungsstelle des Knochens) kann eine sehr gute Wiederherstellung der Daumensattelgelenkfunktion mit sehr guter Kraft erreicht werden.

Nach fast allen oben genannten Operationen sind kurzzeitige Ruhigstellungen in einer Schiene oder einem sogenannten Castverband nötig.

Sollte eine Operation notwendig sein, wird beraten, ob diese in einer lokalen/regionalen Anästhesie oder einer Vollnarkose erfolgt und ob die Behandlung stationär oder ambulant erfolgen sollte.

Nach vielen handchirurgischen Behandlungen – insbesondere nach fast allen Operationen aufgrund einer Arthrose der Hand- oder Fingergelenke – ist eine Therapie bei einem spezialisierten Handtherapeuten (speziell ausgebildete und zertifizierte Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten) notwendig.

Die Ergebnisse der operativen Behandlung sind in der Regel gut. Erfolgt die Therapie ausreichend frühzeitig, kann eine Beschwerdearmut bzw. Beschwerdefreiheit erreicht werden. Liegt aber eine langandauernde fortgeschrittene Arthrose vor, kann gegebenenfalls keine vollständige Wiederherstellung erreicht werden. In diesen Fällen kann auch durch die Operation nur eine Besserung der Situation erlangt werden.

Vorbeugung / Was können Patienten selbst tun?

Leider gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen, die Patienten selbst durchführen können, um die Entstehung der Arthrose im Bereich der Hand- und Fingergelenke zu vermeiden. Ausnahme sind Arthrosen, die sich als Folgen von Unfällen oder Verletzungen entwickeln können. Durch ein möglichst frühzeitiges Erkennen der Verletzung und die schnelle Einleitung einer handchirurgischen Behandlung, können Spätfolgen oft verhindert werden. Auch bei schon bestehenden Beschwerden bei Arthrosen gibt es keine selbst durchzuführenden Maßnahmen, die eine Heilung erreichen lassen. Die Beschwerden können aber oft durch Eigenübungen, die zum Beispiel im Rahmen von Gelenkschutzkursen erlernt werden können, reduziert werden. Die Heilung der Arthrose ist heute aber auch durch eine Operation nicht möglich.

Literatur und weiterführende Links

Sauerbier, M. / Eisenschenk, A. / Krimmer, H. / Partecke, B.-D. / Schaller, H.-E. (Hrsg.): Die Handchirurgie. Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH, München, 2015.

Martini, A. (Hrsg.): Ellenbogen, Unterarm, Hand. Reihe: Wirth, C. J. / Zichner, L. (Hrsg.): Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2003.

Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 54.

Handexperten (Kampagne der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie e.V.): www.handexperten.com

Hinweise für Patienten

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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