Der Bandscheibenvorfall Teil 3: Diagnose

Ein Bandscheibenvorfall kann sehr plötzlich quasi aus dem nichts heraus entstehen, sich aber auch über Monate hinaus entwickeln. In dieser 4-teiligen Orthinform-Serie erhalten Sie wichtige Informationen zu der Anatomie Ihrer Wirbelsäule sowie der Ursache, der Diagnose und der möglichen Therapien eines Bandscheibenvorfalls. Je mehr Sie wissen, desto souveräner können Sie mit Ihren Beschwerden umgehen und desto besser stehen Ihre Chancen auf Besserung.
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Anamnese

Was ist nun zu tun, wenn Sie einen Schmerz verspüren, der von der Wirbelsäule in den Arm oder das Bein ausstrahlt? Versuchen Sie, sich genau zu beobachten:

  • Wann, in welcher Haltung, bei welcher Bewegung nimmt der Schmerz zu?
  • Wodurch nimmt er ab?
  • Wohin strahlt er aus? Nach vorn, nach hinten?
  • Wie weit zieht der Schmerz in Arm oder Bein?
  • Bestehen Veränderungen im Empfinden? Kribbeln, Taubheit?
  • Merken Sie, dass bestimmte Muskeln weniger Kraft haben?

Präzise Informationen sind sehr hilfreich bei der Diagnosefindung. Ihre Ärztin, Ihr Arzt wird Sie bitten, Ihre Beschwerden genau zu beschreiben, das Ausmaß der Schmerzen und die Dauer. Haben Sie Antworten parat, dann kann Ihnen effizienter geholfen werden.

In Arm oder Bein ausstrahlende Schmerzen können einen Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall sein, sind es aber meistens nicht! Meist strahlen die Schmerzen nicht genau entlang den von den einzelnen Nerven vorgegebenen Bahnen aus, sondern ungenau ziehend. Bei einem Bandscheibenvorfall aber läuft der Schmerz wegen des eingeklemmten und dadurch beeinträchtigten Nervs ständig über exakt die gleiche Bahn.

Neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung beginnt mit Beobachtung. Wie bewegt sich der Patient, die Patientin? Geht er oder sie symmetrisch und flüssig oder schmerzgequält, oder bewegen sich bestimmte Muskeln nicht mit?

Nach dieser wichtigen Beobachtung wird zu gezielten Bewegungsabläufen aufgefordert, die teilweise unbelastet ausgeführt werden, um das Bewegungsausmaß zu bewerten, und teilweise mit Anspannung, um die Kraft zu messen. Anschließend werden die Reflexe geprüft (automatische Antworten des Nervensystems auf einen definierten Reiz) und insbesondere im Seitenvergleich bewertet. Die Berührung der Haut gibt weitere Hinweise auf die korrekte Funktion der Nerven. Eine umfassende neurologische Untersuchung beinhaltet viele weitere Schritte.

Zusätzliche Untersuchungen

EMG: Nerven übertragen ihre Nachrichten mithilfe von schwachen Stromimpulsen, auf die Muskeln mit Anspannung reagieren. Zur Überprüfung der Verbindung zwischen Nerven und Muskeln wird ein EMG (elektromyografische Untersuchung) durchgeführt, welches die elektrische Aktivität des Muskels aufzeichnet. Dazu wird eine kleine Nadel in den betreffenden Muskel eingestochen, der dem Nerv zugeordnet ist, und der Patient wird aufgefordert, sich zu bewegen. Dabei sendet der Nerv elektrische Impulse an den Muskel. Wenn die Verbindung in Ordnung ist, erfasst die Nadel ein korrektes Signal. Ist der Nerv jedoch geschädigt, kommt kein korrektes Signal an, und der Muskel wird teilweise ohne Anlass und unkontrolliert angespannt.

Röntgen: In vielen Fällen wird bei der Untersuchung der Wirbelsäule eine Röntgenaufnahme des Rückens gemacht. Diese Technik liefert ein zweidimensionales Bild einer dreidimensionalen Struktur. Die Röntgenstrahlen durchdringen den Körper und werden vom Gewebe mehr oder weniger absorbiert. Je dichter das Gewebe, desto weniger Strahlen kommen durch. Eine empfindliche Platte, ähnlich wie bei der analogen Fotografie, wird belichtet und entwickelt. Heutzutage erfolgt dies weitgehend digital. Das Bild zeigt unterschiedliche Grautöne, abhängig von der Menge an Strahlen, die durch das Gewebe dringen. Knochen hält die meisten Strahlen ab und wird somit am besten dargestellt. Eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule kann die Form und den Grad des Verschleißes zeigen, aber nicht die Nerven, Muskeln oder Bandscheiben.

CT (Computertomogramm): Eine weitere Möglichkeit, Informationen über die Wirbelsäule zu erhalten, bietet das CT, welches mithilfe einer sich schnell um den Körper drehenden Röntgenröhre erstellt wird. Es entstehen schichtweise Bilder im Querschnitt, mit denen unter anderem ein Bandscheibenvorfall festgestellt werden kann. Diese Bilder können im Computer zu einem 3D-Bild zusammengesetzt werden. Es ist jedoch schwierig, einen Bandscheibenvorfall von einem weichen Nerv zu unterscheiden, da er nicht aus Knochen besteht, sondern aus weichem Gewebe wie der Nerv. Auf einem CT-Bild sind die Knochen der Wirbelsäule und der Raum, den die Nerven in diesen Knochen haben, sehr gut erkennbar. Vor allem 3D-Rekonstruktionen ergeben aussagekräftige Bilder.

MRT (Magnetresonanztomografie): Eine MRT-Untersuchung liefert die meisten Informationen über die Wirbelsäule. MRT-Geräte verwenden starke Magnete, die den Wasserstoffatomen im Körper eine Ausrichtung geben. Kurze Radiowellen werden dann in den Körper gesendet, was die Atome auf eine höhere Energieebene versetzt. Wenn die Radiowellen stoppen, kehren die Atome in ihre ursprüngliche Ausrichtung zurück und geben dabei Energie ab, die von den MRT-Spulen aufgefangen wird.

Ein Computer wandelt diese Informationen in detaillierte, dreidimensionale Bilder um, die der Ärztin oder dem Arzt Informationen über die Beschaffenheit des Gewebes liefern. Soweit bisher bekannt ist, hat das Erstellen eines MRTScans keine schädlichen Nebenwirkungen. Die Bilder eines guten MRT sind von ausgezeichneter Qualität und könnten sogar in Anatomiebüchern genutzt werden. Sie zeigen jeden einzelnen Nerv, die Muskeln, die Knochen, die Gelenke und vor allem deren Verhältnis zueinander. Es ist sogar möglich, zu erkennen, wie viel Flüssigkeit eine Bandscheibe enthält, wobei Mediziner davon ausgehen, dass mehr Wasser auch mehr Elastizität bedeutet. Die Bilder zeigen auch deutlich, ob ein Nerv frei verläuft und daher wahrscheinlich nicht als Ursache des Schmerzes in Frage kommt, oder ob der Nerv in irgendeiner Form eingeklemmt ist.

Letztendlich ist ein MRT-Scan die beste Informationsquelle für medizinische Untersuchungen der Wirbelsäule. Mehr noch als beim Röntgen und CT hängt die Qualität der MRT-Bilder jedoch stark von Wartungszustand und Einstellungen des Geräts ab. Ein MRT kann sehr aufschlussreiche Bilder produzieren, aber auch sogenannte Artefakte erzeugen, Fake News sozusagen. Es ist zudem wesentlich, die Informationen aus den Bildern in den richtigen Kontext zu setzen, da nicht jede Information von medizinischer Bedeutung ist. Viele Aspekte sind Teil des normalen Körperalterungsprozesses und müssen nicht behandelt werden.

Darum ist es wichtig, dass die Person, die einen MRT-Scan beurteilt, genau weiß, welche Beschwerden die Patientin, der Patient hat. Die Kunst besteht darin, den Zusammenhang zwischen den Beschwerden und einer eventuellen Ursache zu entdecken und dann aufgrund jahrelanger medizinischer Erfahrung zu beurteilen, welche Behandlung die beste ist. Für die Planung einer mikroskopischen Bandscheiben-Operation ist ein perfektes MRT-Bild eine enorme Hilfe. Der Operateur kann die spezielle Anatomie des Patienten förmlich lesen, seinen Weg zum Vorfall genau planen und Risiken minimieren. Ähnlich wie ein Slalom-Skifahrer die Strecke vorher im Kopf fährt, kann der Operateur die beste Route wählen.

Weitere wichtige Informationen zum Thema Bandscheibenvorfall finden Sie in dem Trias Ratgeber „Der Rücken-Doc: Bandscheibenvorfall“ der Autoren Dr. Patrick Simons und Arndt Fengler. Hier erfahren Sie mehr über die richtige Diagnose, die besten Therapien zum Thema Bandscheibenvorfall. Des Weiteren finden Sie in dem Buch ein ausführliches Übungsprogramm zur Rückengesundheit.

Informationen zum Buch

„Der Rücken-Doc: Bandscheibenvorfall“, ISBN: 9783432117676, Autoren: Dr. Patrick Simons und Arndt Fengler, 100 Seiten, 54 Abbildungen, Preis: 15,99 €

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