Polyarthrose

Abnutzungsbedingte, teils schmerzhaft-entzündliche Gelenkveränderungen – umgangssprachlich besser als „Gelenkverschleiß“ bekannt – werden dem Krankheitsbild der Arthrose zugeordnet. Sind gleichzeitig Finger-, Daumen- und Handwurzelgelenk betroffen, spricht man von einer Polyarthrose der Hand.

Abb. 1: Polyarthrose der Hand (Quelle: hriana/Fotolia)

Ursachen und Risikofaktoren

Wenn sich die Finger verkrümmen und sich an ihnen erbsengroße, knorpelige Knötchen bilden, handelt es sich oft um arthrotische Veränderungen der Fingergelenke.

Es gibt mehrere Erscheinungsformen: Sind die Fingerendgelenke verschlissen, redet der Orthopäde von Heberdenarthrose; die Arthrose der Mittelgelenke heißt Bouchardarthrose; sind Kahnbein und Vieleckbein betroffen, spricht man von Rhizarthrose; wie auch von Daumensattelgelenkarthrose zwischen Vieleckbein und erstem Mittelhandknochen. 

Die Ursachen dieser Gelenkveränderungen sind unklar. Nur die wenigsten sind auf einen Unfall zurückzuführen. Es ist anzunehmen, dass ein hoher Anteil der Polyarthrose-Erkrankungen erblich bedingt ist - ohne dass damit das "Warum?" oder "Woher?" geklärt ist. 

Die Entstehung einer Polyarthrose lässt sich auch nicht mit einer Überlastung der Gelenke erklären, denn oft ist auch die nicht-dominante - also bei Rechtshändern die linke - Hand betroffen. Die wulstförmigen oder knotigen Veränderungen der Finger und Daumen können sich über Jahrzehnte hinweg ausbilden, ohne dass der oder die Betroffene dabei Schmerzen verspürt. 

So liegt es häufig an den unschönen Gelenkveränderungen und/oder Fehlstellungen der Finger und nicht am Schmerz, dass die Patienten den Arzt aufsuchen. Kommen zu den Verkrümmungen klassische Entzündungssysmptome - Schmerz, Rötung, Schwellung, Überwärmung oder Bewegungseinschränkung - hinzu, handelt es sich um eine Polyarthritis. 

Der Schmerz kann dann so heftig sein, dass viele Tätigkeiten des täglichen Lebens nicht mehr ausgeführt werden können. Der Anteil der an Polyarthrose leidenden Frauen ist im 50-sten Lebensjahr etwa doppelt so hoch wie bei Männern. Dieses Verhältnis verschiebt sich mit zunehmenden Alter zu Ungunsten der männlichen Patienten. 

Therapie

Schmerztherapie

In dieser misslichen Situation ist es für die Betroffenen wenig hilfreich, wenn der Arzt sagt: "Da kann man nichts machen". Der Hausarzt könnte die Schmerzen lindern, indem er ein NSAR (nicht kortisonhaltiges Rheumamedikament) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Coxibe verordnet, ehe er die an der aktivierten Polyarthrose leidenden Patienten zum Spezialisten überweist. In leichteren Fällen kann auch eine NSAR-haltige Salbe aufgetragen werden, deren Wirkung in placebokontrollierten Studien nachgewiesen wurde. 

Physikalische Therapie

Der Orthopäde wird zunächst die Möglichkeiten der physikalischen Therapie ausreizen. Diese umfasst Kälte- oder Wärmebehandlungen oder so genannte Kontrakturbehandlungen, bei denen durch Zug am Daumen leichte Linderung erzielt und einer Fehlstellung des Daumens (Adduktionskontraktur) entgegengewirkt werden kann. 

Ergotherapie

Auch ergotherapeutische Maßnahmen - also handwerkliche oder kreative Arbeiten, bei denen Fingerfertigkeit gefragt ist - eignen sich dafür, die Finger wieder in Gang zu bringen. 

Schienung

Im Rahmen der physikalischen Therapie kann der Orthopäde auch Lagerungsschienen verordnen. An den Fingerendgelenken werden so genannte Stackschienen angelegt, an den Mittelgelenken so genannte dynamische Quengelschienen. Am Daumensattelgelenk helfen vorgefertigte Plastikschienen, die vom Orthopädiemechaniker angepasst werden. Individuelle thermoplastische Schienen, die vom Behandler oder Ergotherapeuten selbst angefertigt werden können, sollen die Versteifung in Anspreizstellung (Adduktionskontraktur) vermindern, da diese Fehlstellung die Funktion der ganzen Hand schwer beeinträchtigt.

Injektionsbehandlung

Manchmal sind die Schmerzen so stark, dass die physikalische Therapie versagt, weil der Patient seine Finger nicht mehr bewegen kann. In solchen Fällen ist eine gezielte Injektionsbehandlung die Therapie der Wahl. Dabei wird ein Kortison- und Lokalanästhetikum (ärtliches Betäubungsmittel) in ein oder mehrere Gelenke gespritzt. Der behandelnde Arzt muss bestimmte Injektionstechniken für diese sehr kleinen Gelenke, deren Gelenkspalt oft zerstört ist, beherrschen. Ansonsten kann der Injektionsschmerz so heftig sein, dass der Patient eine weitere Therapie ablehnt. 

Für die Langfinger (im Gegensatz zum Daumen) ist es jedenfalls immer ratsam, mit kleinen Dosen Kortison (ein bis vier Milligramm) + LA zu beginnen. Für das Daumensattelgelenk indes ließ sich nachweisen, dass auch eine Erstbehandlung mit 0,5 bis ein Milligramm einprozentiger Hyaluronsäure bereits nach der ersten Injektion Erleichterung und nach der dritten Injektion eine anhaltende Schmerzminderung nach sich zieht, die mit einer Wiederherstellung der Kraft und Beweglichkeit einhergeht. 

Körpereigener Reparatursaft der Zelle - Hyaluronsäure

Hyaluronsäure kommt auch in der Kosmetikindustrie zum Einsatz. Dort wird sie als eine Art "Reparaturflüssigkeit der Zelle" gehandelt, weil sie - unter die Hautoberfläche gespritzt - Falten glättet. Das liegt an ihrer Fähigkeit, Wasser einzulagern. Das Präparat kann aber weit mehr als das: Direkt ins Gelenk injiziert, lindert sie Arthrose-Schmerzen und aktiviert den Heilungsprozess. 

Hyaluronsäure ist ein Biopolymer - ein langkettiges Polysaccharid, also ein Großmolekül aus verschiedenen Zuckerverbindungen. Da Hyaluronsäure Wasser einlagern kann, ist sie viskoselastisch und damit unentbehrlich für die Stoßdämpferfunktion des Knorpels und die Schmierfähigkeit der Gelenkflüssigkeit. 

Ein Gramm HS in der Lage ist, fünf Liter Wasser zu binden. 1934 zum ersten Mal chemisch beschrieben und 1970 bei Rennpferden eingesetzt, wird Hyaluronsäure seit 1995 in der Humanmedizin verwendet. Ihr großer Vorteil ist, dass sie im menschlichen und tierischen Organismus physiologisch vorhanden ist. Für die Stützfunktion der Organe ist sie unentbehrlich. 

Hyaluronsäure kann aus Hahnenkämmen extrahiert werden - dieses Verfahren ist jedoch relativ aufwändig, und die so gewonnene Hyaluronsäure kann bei Patienten mit Hühnereiweißallergie nicht angewendet werden. Anders verhält es sich mit der fermentativen Herstellung. Dabei werden Bakterienstämme, die eine Hyaluronsäure-haltige Hülle tragen, in einem so genannten Fermenter vermehrt. Die fermentierte Hyaluronsäure ruft keine allergischen Reaktionen hervor.

Mit Hyaluronsäure ist es möglich, Arthrose am Ort ihrer Entstehung - im Gelenk - zu behandeln. Durch die degenerativen Prozesse im Gelenk kommt es zu entzündlichen Reaktionen, die den Knorpelabbau beschleunigen. Die eingespritzte Hyaluronsäure kann diese negativen Gelenkprozesse beeinflussen und verlangsamen. Hyaluronsäure wirkt also zum einen mechanisch als Gelenkschmiere und bringt schon allein dadurch eine Linderung der Schmerzen; zum anderen greift sie auch in die krankhaften Vorgänge im arthrotischen Gelenk ein. 

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass bei der Injektion in das Gelenk ein hypothetisches Infektionsrisiko von 1 : 20.000 bis 1 : 70.000 besteht. Auch der kurze Injektionsschmerz und die nur geringe antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung der Haluronsäure müssen erwähnt werden. 

Hinweise für Patienten

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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