Achillessehnenriss

Ein Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur) ist eine Durchtrennung der Achillessehne, die meistens durch eine Überbeanspruchung der Sehne bei einer sportlichen Belastung entsteht. Das Auftreten eines Risses ist mit einem charakteristischen Knall verbunden und trifft typischerweise Menschen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

Abb. 1: Achillessehnenriss (Quelle: Henrie/Fotolia)

Ein plötzlicher Richtungswechsel beim Tennis – schon lag Klaus S. auf dem Boden. Er berichtet über einen kurzen, stechenden, nicht starken Schmerz, als ob ihm jemand in die betroffene Sehne getreten sei, aber da war niemand. Hierbei hörte er auch ein lautstarkes Knallen. Insgesamt hatte er keine anhaltenden Schmerzen, wie er rückblickend erzählt, sondern eher einen schwachen Kreislauf und ein Gefühl, als würde der betroffene Fuß nicht mehr richtig zu ihm gehören. Er hatte sich sogar anfangs warm gemacht und gedehnt, wie sich das vor sportlicher Betätigung gehört. In den Jahren zuvor allerdings hatte er nicht regelmäßig Sport getrieben.

Die Achillessehne war gerissen

Dabei ist die Achillessehne alles andere als schwach. Sie bildet das Endstück des dreiköpfigen Unterschenkelmuskels und verbindet diesen mit dem Fersenbein. Mit einer Länge von zehn bis zwölf Zentimetern ist sie besonders reißfest und 0,5 bis ein Zentimeter dick. So kann sie eine statische Zugbelastung von 500 kg/cm aushalten, bei dynamischer Belastung sogar bis zu 1.000 kg/cm. Umhüllt von einer Sehnenscheide kann sie fast reibungslos über den Knochen gleiten.

Die Achillessehne ermöglicht das kraftvolle Senken des Fußes im Sprunggelenk (etwa beim Drücken des Gaspedals im Auto oder beim Gang auf den Zehenspitzen) Für das Laufen ist sie unverzichtbar, bei Sprüngen wird sie Belastungen ausgesetzt, die bis zum Neunfachen des Körpergewichtes betragen.

Ursachen

Beim Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur) wird die Achillessehne durchtrennt, meistens aufgrund einer Überbeanspruchung der Sehne, die oft beim Sport auftritt.

Abb. 2: Achillessehnenriss aufgrund einer Überbeanspruchung beim Sport (Quelle: Africa Studio/Fotolia)

Beim Riss hört man einen charakteristischen Knall, vergleichbar mit einem Peitschenknall. In der Regel wird die Sehne vollständig durchtrennt, Teilrisse sind eher selten. Typischerweise reißt die Sehne an ihrer schmalsten Stelle im Muskel-Sehnen-Übergangsbereich, etwa fünf bis sechs Zentimeter oberhalb des Ansatzes an der Hinterkante des Fersenbeins.

Ursache für einen Achillessehnenriss ist meist eine unerwartet hohe Kraftbelastung, etwa beim plötzlichen Antreten beim Sport. Verletzungen aufgrund direkter Krafteinwirkung sind äußerst selten.

Achillessehnenrupturen zählen zu den häufigsten Sportverletzungen (insbesondere bei Ballsportarten) und treten oft zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr auf. Männer sind davon deutlich mehr betroffen als Frauen. Die Verletzungsmechanismen sind bei den älteren Patienten (über 50 Jahre) allerdings eher zufälliger Natur, etwa beim Verdrehen des Beines oder beim Aufstehen aus der Hocke.

Der wichtigste Grund für eine Ruptur ist gewissermaßen schicksalhaft: Das sind nämlich Verschleiß- und Abnutzungsprozesse innerhalb der Sehne, die bei jedem Menschen ab dem 20. oder 25. Lebensjahr einsetzen. Verstärkt wird das Ruptur-Risiko allerdings durch einen allgemein schlechten Trainingszustand. Ohne regelmäßige sportliche Betätigung ist das gesamte Muskel-Sehnen-System weniger elastisch; dadurch wird ein Achillessehnenriss begünstigt. 97 Prozent aller gerissenen Achillessehnen zeigen bereits Verschleißerscheinungen.

Diagnose

Ein erfahrener Sportarzt erkennt eine Achillessehnenruptur an der tastbaren Delle unter der Haut über der Sehne und daran, dass der Verletzte unfähig ist, die Ferse vom Boden abzuheben, während er einbeinig auf dem verletzten Bein steht.

Einen sicheren Hinweis auf einen Riss der Sehne liefert der Thompson-Test: Wenn sich in Bauchlage bei frei hängenden Füßen die Fußsohle nicht nach unten bewegt, während die Wadenmuskulatur zusammengekniffen wird, ist die Sehne sehr wahrscheinlich gerissen.

Abb. 3: Thompson-Test (Quelle: Hella M. Thun / DGU)

Mittels Ultraschall kann die Rissstelle genau lokalisiert werden.

Abb. 4: Achillessehnenriss im Ultraschall: Kontinuitätsunterbrechung über mehrere Zentimeter (rechts, rote Linie). Röntgenbild (links) zum Ausschluss knöcherner Verletzungen. (Quelle: Hellerhoff/Wikimedia Commons)

In Deutschland kommt es jährlich zu 16.000 bis 20.000 Rissen und Einrissen. Studien aus Skandinavien und den USA berichten über eine deutliche Zunahme der Achillessehnenrupturen in den letzten zehn Jahren. Die überwiegende Mehrheit der Rupturen – etwa 80 Prozent – ereignen sich bei sportlicher Betätigung von Männern zwischen 30 und 50 Jahren, wenn auch für die Zunahme vor allem die älteren Sporttreibenden verantwortlich sind. 20 Prozent der Risse bleiben unerkannt und werden deshalb nicht behandelt, das haben Untersuchungen der Uniklinik Freiburg ergeben. Der Verletzte spürt nämlich meist schon kurz nach dem Riss keinen starken Schmerz mehr, und häufig kommt es nur zu einer geringen Schwellung, da der sehr elastische Sehnenschlauch erhalten bleibt und so ein Einbluten in das umliegende Gewebe verhindert. Eine frühzeitige ärztliche Behandlung ist bei einem Achillessehnenriss sehr wichtig, damit die Verletzung gut ausheilen kann. Dadurch ist eine weitgehend uneingeschränkte Belastbarkeit wiederherstellbar; allerdings kann dies mit einer verminderten Kraft im Fuß verbunden sein.

Erste-Hilfe-Maßnahmen sind eine örtliche Eisbehandlung der Fersenregion; auch sollte der Verletzte beim Gehen abgestützt werden, damit die Ferse nicht zu sehr belastet wird. Wie bei allen Sportverletzungen sollte das PECH-Schema (Pause – Eis – Compression – Hochlagern) zur Anwendung kommen.

Therapie

Frühzeitig behandelt, heilt eine gerissene Achillessehne fast immer und kann dann auch wieder vollständig belastet werden.

Während noch vor zehn Jahren die besorgte Frage des Verletzten „Muss ich operiert werden?“, von fast allen Sportärzten mit „Ja“ beantwortet wurde, meinen die Experten mittlerweile, dass bei speziellen Konstellationen mit einer nicht-operativen Therapie eine verlässliche Sehnenheilung möglich ist.

Konservative Therapie (nicht operativ)

Unmittelbar nach der Verletzung sollte in einer Ultraschalluntersuchung sichergestellt werden, dass die Riss-Enden beim Absenken des Fußes um etwa 20 Grad (so genannte Spitzfußstellung) Kontakt miteinander haben. Wenn dem so ist, können die Sehnenenden nämlich zusammenheilen – genauso wie die Haut nach einer Schnittverletzung wieder zusammenwächst. Der Bluterguss im Bereich der Rissenden lockt verschiedene Zellen aus dem Körper an, die eine narbige Verbindung zwischen den Riss-Enden herstellen und den Bluterguss schließlich beseitigen. Die Sehne kann dabei bis auf das Doppelte ihres normalen Umfanges anwachsen.

In Spezialschuhen mit Fersenerhöhung und unbiegsamer Zunge kann der Verletzte kurze Zeit nach dem Unfall den Fuß bereits zunehmend belasten; Kontrollen beim Sportarzt sollten insbesondere mittels Ultraschall regelmäßig erfolgen. In der frühfunktionellen Behandlung wird der Fuß statt mit einem Gips mit einer Orthese bzw. einem Spezialschuh fixiert, der allerdings eine frühzeitige Vollbelastung sowie krankengymnastische Koordinations- und Stabilisierungsübungen ermöglicht. Diese frühfunktionelle Therapie ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Eine komplette Ruhigstellung im Gips ist nicht sinnvoll und führt zu hohen Rerupturraten, also häufig zu erneuten Rissen. Nach sechs bis acht Wochen ist der Heilungsprozess größtenteils abgeschlossen. Eine Sportfähigkeit besteht allerdings frühestens nach drei bis sechs Monaten.

Operative Therapie

Berühren sich die Rissenden beim Absenken des Fußes nicht mehr, müssen die Rissenden wieder aneinandergenäht werden. Dafür wird die Haut über der Achillessehne sechs bis acht Zentimeter lang aufgeschnitten und der Sehnenschlauch eröffnet. Gegebenenfalls wird die Sehne zusätzlich durchflochten, um die Festigkeit der Naht zu erhöhen; die Nahtmaterialen können vom Körper nach einiger Zeit abgebaut werden. Neuerdings gibt es auch die Möglichkeit, minimalinvasiv zu nähen, wobei die Naht der Sehne über mehrere kleine Hautschnitte gemacht wird.

Nach der Operation kann der Fuß einige Tage in Gips ruhiggestellt werden, bis die Hautwunde geheilt ist. Im Anschluss daran erfolgt ebenfalls eine frühfunktionelle Nachbehandlung mit Spezialschuhen mit Fersenerhöhung.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass bei einer Operation die Heilungsrate um einige Prozent höher ist als bei der konservativen Therapie. Bei einer Operation besteht wiederum das Risiko einer Wundinfektion; dieses kann mit den neuen minimalinvasiven Operationstechniken gesenkt werden. Gerade beim jungen und aktiven Patienten ist die operative Therapie zu bevorzugen.

Egal, ob konservativ oder operativ behandelt wird – eine funktionelle Nachbehandlung, sprich eine frühzeitige, eingeschränkte Bewegungstherapie sollte sich anschließen. In Spezialschuhen mit Fersenerhöhung und unbiegsamer Zunge kann das Bein bereits nach kurzer Zeit wieder voll belastet werden. Mitunter schon nach drei Wochen kann eine krankengymnastische Behandlung beginnen. Sechs bis acht Wochen nach dem Unfall sind Schuhe oder Schiene nicht mehr erforderlich.

Allerdings muss danach die Wadenmuskulatur in einem gezielten Training wieder gestärkt werden. Drei bis sechs Monate nach Abschluss der Behandlung kann der Verletzte wieder Sport treiben. Für Spitzensportler aus den Sprung- und Laufdisziplinen bedeutet ein Achillessehnenriss häufig das Ende ihrer Karriere.

Hinweise für Patienten

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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