Volkskrankheit Osteoporose

Knochen ist kein starres Gebilde. Er ist ein lebendes Gewächs, das unter bestimmten Bedingungen gedeiht, unter anderen nicht. Je ausgewogener und gesünder unsere Ernährung ist und je mehr wir uns bewegen, um so mehr ist unser Knochenkonto im Plus. Bei manchen Menschen ist es jedoch zu schnell aufgebraucht.
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Etwa die Hälfte der Frauen und immerhin ein Drittel aller Männer über 50 Jahren sind vom Knochenschwund betroffen. Früher wurde angenommen, Osteoporose sei eine ausschließliche Frauenkrankheit. Davon kündet noch heute die Bezeichnung „Witwenbuckel“ für den Rundrücken, der sich aufgrund der brechenden Wirbelkörper häufig herausbildet. Aber eben nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern. Und gerade Männer leiden nicht nur an der ohnehin schwerwiegenden Krankheit, auch ihre Psyche wird oft stark in Mitleidenschaft gezogen – wahrscheinlich, weil das hartnäckige Vorurteil von der Frauenkrankheit noch nicht ganz aus dem Weg geräumt ist. Gerade deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass der Welt-Osteoporosetag im Oktober dieses Jahres unter dem Motto stand „Osteoporose trifft auch Männer!“.

Krankheit mit gravierenden Folgen

Typisch bei einer Osteoporose sind Wirbelkörperbrüche, am häufigsten im Brustwirbel- und Lendenwirbelbereich. Bei älteren Osteoporose-Patienten bricht oft auch der Oberschenkelknochen. Ein Sturz auf die Seite kann fatale Folgen haben, weil die Betroffenen oft für lange Zeit pflegebedürftig oder gar zur Bettlägerigkeit verurteilt werden, die manchmal sogar im Tod des Patienten oder der Patientin endet.

Von ähnlich schwerwiegender Bedeutung wie für den Einzelnen ist die Osteoporose für die Solidargemeinschaft. So erwächst der Bundesrepublik Deutschland aus den Folgen osteoporotischer Frakturen, den Folgeerkrankungen der Osteoporose und Pflegebedürftigkeit eine finanzielle Bürde, die sich nach Schätzungen auf sechs Milliarden Euro pro Jahr beläuft. Im Zuge der demographischen Entwicklung hin zu einem immer größer werdenden Bevölkerungsanteil an älteren und alten Menschen ist anzunehmen, dass diese Summe sogar noch größer werden wird. So wird erwartet, dass sich die Anzahl der Schenkelhalsbrüche bis 2030 verdoppelt haben wird.

Wenn wir erst einmal anfangen darüber nachzudenken, wie die zukünftige Knochenstruktur der heutigen, sich nicht ausreichend bewegenden Kinder aussehen wird, kommen wir nicht umhin, uns ernsthafte Sorgen zu machen. Zwar ist die Osteoporose in erster Linie eine Erkrankung des Alters, die von einer Verminderung der Sexualhormone ausgelöst wird – deshalb sind ja Frauen in der Menopause hauptsächlich davon betroffen. Bei einer ausreichenden Ausgangsknochenmasse macht sich der Knochenabbau jedoch langsamer bemerkbar – der Vorrat reicht! Knochenmasse bildet sich allerdings nur dort heraus, wo der Knochen gut ernährt und durch Bewegung ausreichend belastet wird. Mechanische Reize werden durch Muskelzug auf Knochen übertragen – sprich: Bewegung ist eine absolute Voraussetzung dafür, dass Knochen aufgebaut wird. Wie kräftig wird das Skelett eines Kindes sein, das im Schnitt achteinhalb Stunden am Tag sitzt?

Viele Patienten sind nicht gut versorgt

Die Situation ist schon heute angespannt. Wir haben es mit einer gravierenden Unterversorgung der Osteoporose-Patienten zu tun. Diverse Untersuchungen zeigen, dass bis zu 95 Prozent der Patienten, die mit einem Knochenbruch ins Krankenhaus kommen, nicht dahingehend untersucht werden, ob sie eventuell an einer Osteoporose erkrankt sind. Die gleichen Untersuchungen belegen, dass von den wenigen Patienten, bei denen eine Osteoporose festgestellt wird, nur ein geringer Anteil ausreichend medikamentös behandelt wird. Weniger als zehn Prozent der weiblichen Osteoporosekranken erhalten eine optimale Pharmakotherapie. Und das, obgleich der Nutzen dieser Medikamente zweifelsfrei belegt ist: Mehr als 60 Prozent der Frakturen könnten mit Medikamenten bei bereits vorliegender Osteoporose verhindert werden.

Osteoporose-Patienten, die bereits einen Knochenbruch erlitten haben, neigen zu weiteren Frakturen. Diese könnten mit einer ausreichenden Medikamentierung und weiteren Schutzmaßnahmen – beispielsweise dem Tragen eines Hüftprotektors – vermieden werden. Auch der Sturzprävention kommt eine Bedeutung zu, die nicht ausreichend betont werden kann, sind doch Stürze die Hauptursache für Oberschenkelhalsbrüche. Am wirksamsten ist dabei eine Kombination aus medikamentöser Therapie, körperlicher und sportlicher Betätigung, einer Überprüfung des Sehvermögens und der Beseitigung von Stolperfallen im Wohnumfeld (Teppichkanten, Elektrokabel, nicht beleuchtete Treppenaufgänge etc.)

Behandlungstreue reicht oft nicht aus

Ein wesentliches Problem ist die Behandlungstreue des behandelten Patienten. Aktuelle Umfragen haben gezeigt, dass die Hälfte der Patienten bereits ein halbes Jahr nach begonnener medikamentöser Behandlung die Therapie selbsttätig einstellen. Das ist im eigenen Interesse wenig hilfreich. Gezielte Behandlungen müssen in der Regel über Jahre durchgeführt werden. Zur Verlaufskontrolle dient die Knochendichtemessung; in erster Linie das DXA-Verfahren, das in jährlichen Abständen durchgeführt werden sollte, um den Behandlungserfolg unter Beweis zu stellen.

Als Nachteil mag empfunden werden, dass die Krankenkassen die notwendige Knochendichtemessung nur dann übernehmen, wenn eine Osteoporose vorliegt und bereits einen Knochenbruch verursacht hat. Das ist angesichts der Schwere des Krankheitsbildes, dem damit verbundenen Leid und den Kosten unverständlich. Gleiches gilt für die unerlässliche Calcium/Vitamin-D-Basistherapie, die nur dann von den Kassen gezahlt wird, wenn bereits eine osteoporotische Fraktur vorliegt.

Leid und Kosten sparen

Wenn wir es schaffen, die Zahl Osteoporose bedingter Knochenbrüche zu vermindern, ersparen wir den Betroffenen nicht nur großes Leid, sondern dem Gesundheitssystem auch enorme Kosten. Voraussetzung ist, dass die Osteoporose rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt wird – was nicht immer der Fall ist, wie wir bereits gesehen haben. Bei der Früherkennung der Osteoporose kann die Knochendichtemessung wertvolle Hinweise geben. Risikogruppen – dazu gehören beispielsweise Frauen nach den Wechseljahren oder untergewichtige Männer – sollten routinemäßig untersucht werden können, ohne dass sie diese Untersuchung selbst bezahlen müssen. Das wäre immer noch billiger als die Behandlung osteoporotischer Frakturen und deren Folgen. Aus dem gleichen Grund sollten alle postmenopausalen Frauen eine Basisprophylaxe aus Calcium und Vitamin D erhalten.

Betroffene glauben oft, dass Osteoporose ein Schicksalsschlag ist, dem sie so oder so nicht ausweichen können. Das ist ein Irrglaube! Osteoporose ist behandelbar, Schmerzen müssen nicht hingenommen, Knochenbrüche können verhindert werden.



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