Tennis- und Golferellenbogen

Der sogenannte Tennisellenbogen (Epicondylitis radialis humeri) bzw. Golferellenbogen (Epicondylitis ulnaris humeri) ist eine muskuläre Überlastungsreaktion der Hand- und Fingerstrecker bzw. der Hand- und Fingerbeuger an ihrem Ursprung am Ellenbogen (Epicondylus lateralis humeri).

Zu den betroffenen Muskeln zählen beim Tennisellenbogen der Extensor carpi radialis brevis und der Extensor communis (Strecker) sowie beim Golferellenbogen der Musculus pronator teres, Musculus flexor carpi radialis, Musculus flexor carpi ulnaris, Musculus palmaris longus und Musculus flexor digitorum superficialis (Beuger).

Häufigkeit

Jährlich erkranken von 1000 Patienten etwa vier bis sieben an einem Tennisellenbogen [1]. Meistens sind Patienten im Alter von 35 bis 54 Jahren betroffen, die sowohl beruflich als auch in ihrer Freizeit körperlich aktiv sind. Freizeit- und Amateursportler erkranken häufiger als professionelle Sportler. Männer und Frauen sind im gleichen Ausmaß betroffen. Der Tennisellenbogen tritt etwa achtmal häufiger auf als der Golferellenbogen.

Ursachen

Die lokale Reizung am Ellenbogen ist auf eine muskuläre Dysbalance und ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit der Muskel- und Knochenübergänge zurückzuführen – also einer asymmetrischen Überbeanspruchung der Unterarmmuskulatur.

Als Auslöser kommen folgende Punkte in Frage:

  • Vermehrte Aktivität bei Schlägersportarten wie Tennis oder Golf mit falscher Technik
  • Einseitige Beanspruchung (zum Beispiel bei der Tastatur- oder Mausbenutzung)
  • Fehlhaltungen im Beruf oder bei der Haus- und Gartenarbeit in der Freizeit

Symptome und Verlauf

Beim Tennisellenbogen treten die Schmerzen außenseitig am Ellenbogen auf und werden durch die Auswärtsdrehung des Unterarmes (Supination), Faustschluss und kräftige Finger- und Handgelenkstreckung (Dorsalextension) verstärkt.

Beim Golferellenbogen treten die Schmerzen innenseitig am Ellenbogen auf und werden durch Faustschluss und Beugung im Handgelenk besonders gegen Widerstand verstärkt.

Insgesamt treten die Schmerzen vor allem bei Belastung, gelegentlich auch in Ruhe und nachts auf. Zudem beschreiben Patienten teils auch unangenehme oder schmerzhafte Missempfindungen (Dysästhesien).

Diagnose

Sollten die Beschwerden nicht von selbst rückläufig sein, empfiehlt sich eine Vorstellung beim Orthopäden und Unfallchirurgen. Hier erfolgt dann eine klinische Untersuchung mit entsprechenden Provokationstests und es werden außerdem mögliche andere Ursachen abgeklärt (zum Beispiel Arthrose, Nervenkompressionssyndrome).

Zur Diagnostik dienen die Ultraschalluntersuchung, das Röntgen und unter Umständen die MRT-Diagnostik.

Was kann der Patient selbst tun? / Therapie und Nachsorge

Zunächst sollten der Ellenbogen geschont und schmerzauslösende Bewegungen vermieden werden. Insgesamt sollte eine Überanstrengung und Fehlbelastung in Alltagsleben, Beruf und Sport vermieden werden (zum Beispiel durch Optimierung der Bewegungsabläufe).

Durch die Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR, zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac) können die Schmerzen erfolgreich bekämpft und die lokale Reizung reduziert werden. Hierfür kann zum Beispiel auch Diclofenac-Salbe verwendet werden. Im Akutstadium kann auch die Anwendung von Kälte (zum Beispiel durch Cool-Packs oder Eiswürfel), im chronischen Stadium eher die Anwendung von Wärme hilfreich sein.

Sollte durch die genannten Maßnahmen keine Linderung möglich sein, steht (entsprechend der Ursache eines Tennis- bzw. Golferellenbogens-) die Physiotherapie mit ihren vielfältigen Techniken im Mittelpunkt der Therapie. Ziel ist dabei, muskuläre Dysbalancen im Halswirbelsäulenbereich und Unterarmbereich zu beseitigen. Querfriktionen helfen an lokalen Schmerzpunkten. Verbände können helfen, spezifische Muskelabschnitte zu entlasten (zum Beispiel Kinesio-Taping).

Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen ist eine enge Kooperation zwischen Physiotherapie und Arzt hilfreich. Letzterer kann zum Beispiel durch gezielte Schmerzpunktinfiltration (Injektion von Corticoiden, Lokalanästhetika, Botulinumtoxin), durch extrakorporale Stoßwellentherapie, Lasertherapie oder Bandagen die akute Schmerzsituation lindern und den Patienten so bestmöglich auf die Maßnahmen des Physiotherapeuten vorbereiten.

Arbeiten Patient, Physiotherapeut und Arzt dabei gut zusammen und halten sich an das vom Arzt aufgestellte Therapiekonzept, kann die Erkrankung in der Regel erfolgreich behandelt werden, sodass operative Maßnahmen meist nicht notwendig sind.

Literatur und weiterführende Links

1. Smidt N, van der Windt DA. Tennis elbow in primary care. BMJ 2006;333:927-928.

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie: S1-Leitlinie: Epicondylopathia radialis humeri. AWMF Leitlinien-Register Nr. 033/019. Berlin: DGOOC, 2011, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-019l_S1_Epicondylopathia_radialis_humeri_2011-abgelaufen_01.pdf (Aufgerufen am 25.11.2017).

Moraes VY, Lenza M, Tamaoki MJ et al (2014) Platelet-rich therapies for musculoskeletal soft tissue injuries. Cochrane Database Syst Rev CD010071.

Buchbinder R, Green S, Youd JM, Assendelft WJJ, Barnsley L, Smidt N. Shock wave therapy for lateral elbow pain. Cochrane Database of Systematic Reviews 2005, Issue 4. Art. No.: CD003524.

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Hinweise für Patienten

Off-Label-Use
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