Reizung der Knieseitenbänder

Als Seitenbandtendinose bezeichnet man eine Reizung der Knieseitenbänder, die in aller Regel nach stärkerer sportlicher Belastung auftritt. Das Krankheitsbild kann ein- oder beidseitig auftreten.

Häufigkeit

Die Seitenbandreizungen des Kniegelenkes gehören zu den seltenen Sportverletzungen bzw. -erkrankungen im Vergleich zu den wesentlich häufigeren Verletzungen dieser Strukturen. Betroffen sind sowohl Sportlerinnen und Sportler als auch Patientinnen und Patienten mit alltäglichen, oft eher monotonen Belastungen und auch Beinachsfehlstellungen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Seitenbandreizung sind vielfältig. Im Vordergrund steht häufig eine Überbeanspruchung durch erhöhte Belastungen bei monotonen Bewegungsabläufen. Im Vergleich zur Verletzung erfolgt jedoch zunächst keine übermäßige Verlängerung mit Riss der Strukturen.

Neben der auslösenden Belastung spielen zum Beispiel Beinachsabweichungen wie X-Bein oder O-Bein eine wichtige Rolle. Auch Erkrankungen der Muskulatur (Muskelschwäche oder aber erhöhte Muskelspannung) oder der Nerven können zu sekundären Beinachsfehlstellungen oder aber zu einer Fehlsteuerung der Bewegungsabläufe mit Überbelastung der Knieseitenbänder führen.

Bisweilen sind Seitenbandreizungen auch bei Kniegelenksarthrose und nach der Implantation von Kunstgelenken am Knie zu beobachten.

Symptome und Verlauf

Die betroffenen Patientinnen und Patienten klagen über Beschwerden an den Seitenbändern der Kniegelenke bei Belastung und auf Druck (Abb. 1 und 2). Anfänglich treten die Beschwerden nur bei längerer Belastung auf, später auch beim Einlaufen, um dann eventuell wieder zu verschwinden. Bei einer längeren Reizung kann es auch zu einer lokalen Schwellung, bei schwereren Achsfehlstellungen auch zu einer sekundären Bandlockerung kommen.

Abb. 1: Schematischer Verlauf des Innenbandes am Kniegelenk (Quelle: Dr. Michael Dickob)
Schematischer Verlauf des Außenbandes am Kniegelenk (Quelle: Dr. Michael Dickob)

Diagnose

Eine Diagnose kann der Arzt oder die Ärztin anhand der geschilderten typischen Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung stellen. Dabei werden auch vorangegangene Verletzungen der Knieseitenbänder erfasst. Weiterhin sollten als mögliche Differentialdiagnosen eine Sehnenreizung des Pes anserinus (Pes-anserinusTendinose) am Innenband und das sogenannte Läuferknie (Iliotibiales Bandsyndrom) am Außenband des Kniegelenkes in Betracht gezogen werden. Ein Röntgenbild des Kniegelenkes kann zur weiteren Abklärung nützlich sein, ebenso die Ultraschalluntersuchung. Ein MRT ist in aller Regel nicht erforderlich.

Therapie und Nachsorge

Die Therapie der Seitenbandreizung am Kniegelenk umfasst in erster Linie konservative Behandlungsmaßnahmen. Im Einzelnen sollte in der Akutphase die Aktivität eingeschränkt oder verändert werden. Nach Abklingen der Beschwerden sollte der Belastungsaufbau vorsichtig erfolgen. Gegen Schmerzen kann mit lokaler Kühlung, Verbänden oder entzündungshemmenden Salben und Tabletten vorgegangen werden. Im Einzelfall kann eine Bandage oder bei sekundärer Instabilität eine Orthese Abhilfe schaffen. Achsabweichungen der Beine können auch mit speziellen Einlagen korrigiert werden (Innenrand- oder Außenranderhöhungen). Physikalische Anwendungen und Krankengymnastik mit Quermassage oder einer gezielten Kräftigungstherapie können angewendet werden. Im Einzelfall kann eine lokale Injektion mit einem Kortisonpräparat erfolgen.

Operative Maßnahmen wie zum Beispiel eine Bandersatzplastik oder eine Beinachskorrektur sind nur bei schweren Fällen notwendig.

Literatur und weiterführende Links

Literatur auf Nachfrage beim Autor

Hinweise für Patienten

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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