Achsfehlstellungen

Während es im Kindesalter völlig normal ist, vorübergehend eine Achsfehlstellung an den Beinen zu haben, ist die Beinachse bei Erwachsenen normalerweise so ausgebildet, dass eine optimale Belastungsverteilung auf das Kniegelenk gewährleistet ist. Ein O-Bein (Genu varum) oder ein X-Bein (Genu valgum) kann, je nach Ausprägung, aufgrund der asymmetrischen Kniegelenksbelastung zu einem erhöhten Verschleiß (Kniearthrose) führen.

Häufigkeit

Bei Kindern liegt normalerweise direkt nach der Geburt eine O-Bein-Stellung vor. Im Laufe des Wachstums entwickeln dann die meisten Kinder vorübergehend eine X-Bein-Stellung, die sich bis zum Alter von etwa acht bis zehn Jahren zur normalen physiologischen Achse des Erwachsenen weiterentwickelt. Diese weist eine X-Stellung (Valgusstellung) von fünf bis sieben Grad auf.

Ursachen

Eine Achsfehlstellung an den Beinen kann aufgrund einer Vielzahl von Ursachen auftreten. Wachstumsstörungen, Unfälle, entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Tumoren, Lähmungen, Übergewicht, angeborene Systemerkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen sind hier als mögliche Gründe zu nennen.

Symptome und Verlauf

Während leichtgradige Fehlstellungen weitverbreitet und zumeist harmlos sind, führen höhergradige Veränderungen häufig zu einem verfrühten Gelenkverschleiß und damit zu einer Arthrose.

Die Achsfehlstellung verstärkt sich dann mit der Zeit, nicht selten sind auch die stabilisierenden Bänder des Kniegelenks mitbetroffen. Schmerzen sowie ein Instabilitätsgefühl beim Laufen sind häufige Symptome.

Diagnose

Ein einfacher Test besteht darin, die Beine im Stehen zu betrachten und zu prüfen, ob sich das Kniegelenk und die Innenknöchel berühren. Ist dies nicht der Fall, kann eine Achsfehlstellung vorliegen: Bei einer Lücke zwischen den Kniegelenken deutet dies auf eine varische Beinachse (O-Bein) hin, während eine Lücke zwischen den Innenknöcheln auf eine valgische Beinachse (X-Bein) hinweist. Diesen Test können Patienten zum Beispiel vor dem heimischen Spiegel selbst durchführen.

Eine exakte Diagnose kann durch ein Röntgenbild der Beinachse mithilfe einer sogenannten Ganzbeinaufnahme gestellt werden. Hierbei werden mit einer speziellen Technik die Beine in Ihrer gesamten Länge im Stehen erfasst und analysiert. Zur Beurteilung der Beinachse hat sich das Einzeichnen der sogenannten Mikulicz-Linie bewährt. Diese Linie verläuft vom Mittelpunkt des Hüftkopfes zum Mittelpunkt des oberen Sprunggelenks und kreuzt das Kniegelenk im Idealfall wenige Millimeter innenseitig bezogen auf das Kniegelenkszentrum. Verläuft die Mikulicz-Linie noch weiter innen, spricht man von einem O-Bein, verläuft sie weiter außen, liegt ein X-Bein vor.

Abb. 1: Ganzbeinaufnahme mit eingezeichneter Mikulicz-Linie, es liegt ein X-Bein vor. (Quelle: Prof. Markus Wünschel, Karlsruhe)

Therapie

Wie schon weiter oben erwähnt, sind leichtgradige Achsabweichungen harmlos und müssen nicht therapiert werden.

Sollte ein therapiebedürftiger Befund vorliegen, ist die Behandlung abhängig vom Entwicklungsstand des Skeletts.

Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit offenen Wachstumsfugen

Solange sich das Skelett im Wachstum befindet, kann mit einer Wachstumslenkung die gewünschte Korrektur der Achsfehlstellung erreicht werden. Hierbei werden gezielt Wachstumsfugen vorübergehend oder permanent verschlossen (mithilfe einer sogenannten Epiphysiodese), das Bein wächst dadurch „von alleine“ in die gewünschte Richtung und die Beinachse korrigiert sich selbst.

Abb. 2: Epipyhsiodese an der inneren Femurcondyle (einer der beiden Knochenfortsätze am unteren Ende des Oberschenkelknochens, der Teil des Kniegelenkes ist) zur Korrektur einer X-Bein-Stellung bei einem Kind (Quelle: Prof. Markus Wünschel, Karlsruhe)

Therapie bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen kann durch eine sogenannte Umstellungsosteotomie die Achsfehlstellung korrigiert werden. Hierbei wird, je nach verwendeter Technik und Art der Fehlstellung, der Unterschenkel- und/oder Oberschenkelknochen operiert und somit die Achse korrigiert. Häufig wird dieses Verfahren eingesetzt bei jüngeren Patienten mit Gelenk-Arthrosen, welche nur einen Teil des Gelenks betreffen.

Bei schon zu stark vorhandenem Gelenkverschleiß ist zumeist ein Ersatz des Kniegelenks mittels Endoprothese notwendig (Knieprothese). Hierbei kann die Beinachse durch entsprechende Techniken ebenfalls korrigiert werden.

Abb. 3: Ausgeprägtes O-Bein bei einer Patientin mit Rheumatoider Arthritis (Quelle: Prof. Markus Wünschel, Karlsruhe)
Abb. 4: Therapie der Arthrose und Achsfehlstellung mittels Prothese (Quelle: Prof. Markus Wünschel, Karlsruhe)

Vorbeugung / Was können Patienten selbst tun?

Um Spätfolgen wie eine frühzeitige Arthrosebildung zu verhindern, ist es wichtig, dass bei Kindern und Jugendlichen regelmäßig die Beinachsen während des Wachstums kontrolliert werden. Sollten hierbei Auffälligkeiten erkennbar sein, empfiehlt sich zunächst eine kinderorthopädische Untersuchung und im weiteren Verlauf gegebenenfalls eine operative Therapie.

Literatur und weiterführende Links

Pape, D. / Seil, R. / Adam, F. / Rupp, S. / Kohn, D. / Lobenhoffer, P.: Bildgebung und präoperative Planung der Tibiakopfosteotomie. Der Orthopäde, 2004;33(2):122-34.

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Vogt, B. / Schiedel, F. / Rödl, R.: Wachstumslenkung bei Kindern und Jugendlichen. Der Orthopäde, 2014;43(3):267-84.

Westhoff, B. / Wild, A. / Krauspe, R.: Entwicklung der Beinachse im Kindesalter und Therapieoptionen bei kniegelenknahen Fehlstellungen. Der Orthopäde, 2002;31(12):1198-208.

Schmitt, E. / Heisel, J. / Jani, L. / Schumacher, G.: Kniegelenksnahe Beinachsenfehlstellungen. Leitlinien der Orthopädie. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Köln: Deutscher Ärzteverlag, 2002.

Hinweise für Patienten

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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