Orthopädische Maßschuhe

Orthopädische Maßschuhe können verordnet werden, wenn durch andere Maßnahmen eine angemessene Gehfunktion bei langfristiger Einschränkung der Form, Funktion und/oder Belastbarkeit der Füße nicht erzielt werden kann.

©Dr. med. Hartmut Stinus

Wirkprinzip

Orthopädische Maßschuhe werden in der Regel gezielt durch einen Arzt verordnet und dann per Rezept von einem Orthopädieschuhmacher entsprechend der angegebenen ärztlichen Diagnosen oder anhand des eigenen Befundes bei Betrachtung und orthopädietechnischer Untersuchung des Patienten angefertigt. Hierbei bestehen vielfältige Korrekturmöglichkeiten am nach Maß angefertigten Schuh, um auf die langfristigen Erkrankungen, Behinderungen und Einschränkungen des Patienten individuell einzugehen.

Es kann dabei unter anderem auf folgende Möglichkeiten zurückgegriffen werden:

  • Plantare Bettung mit Abrollhilfe
  • Druckverteilende Bettung
  • Absatzverbreiterung
  • Pufferabsatz
  • Sohlen(teil)steife
  • Stabilisierende (ggf. hochgezogene) Fersenkappe
  • Achsenkorrekturausgleich
  • Verkürzungsausgleich
  • Abrollabsatz oder Abrollsohle mit funktionsgemäßem Abrollscheitel
  • Angepasster Spitzenhub
  • Peronaeuskappe
  • Arthrodesenkappe
  • Zehen- oder Fußersatzstücke aus plastischem Material (ggf. als Innenschuh) bei Teilamputationen
  • Anpassung der Schafthöhe des Schuhs

Es liegt in der Kompetenz des Orthopädieschuhmachers, diese technischen Möglichkeiten individuell für den Patienten optimal einzusetzen und dem Schuh dann noch eine ansprechende Optik zu geben. Hierdurch besteht auch die Möglichkeit, seitendifferente Veränderungen an den Füßen des Patienten für jeden Fuß individuell zu kompensieren. Ziel ist es, die Gehfähigkeit des Patienten bestmöglich zu erhalten oder wiederherzustellen.

Durchführung

Damit orthopädische Maßschuhe verordnet werden können und anschließend die Kostenübernahme für die Schuhe durch den Orthopädieschuhmacher erfolgreich bei der Krankenkasse beantragt werden kann, muss zunächst eine eingehende Untersuchung durch einen qualifizierten Arzt, in der Regel durch einen Orthopäden, erfolgen. Dieser stellt dann die Notwendigkeit der Maßschuhversorgung fest und bestätigt und dokumentiert sie nachvollziehbar per Untersuchungsbefund anhand einer Ganganalyse und meistens auch anhand einer Röntgendiagnostik. Daraufhin stellt der Arzt dem Patienten ein Rezept für einen Orthopädieschuhmacher aus, das die Diagnosen, die Notwendigkeit und die Art der Versorgung beschreibt. Optimalerweise ergänzt der fachkundige Arzt auf dem Rezept bereits die wesentlichen technischen Korrekturverfahren, die er an den orthopädischen Schuhen für notwendig hält (zum Beispiel Verkürzungsausgleich links, Pufferabsätze beidseits und plantare Bettung mit Abrollhilfe beidseits). Der Orthopädieschuhmacher ergänzt in der Regel die Befundung durch eine Fotodokumentation der Patientenfüße und seine eigenen Befundfeststellungen und reicht einen Kostenvoranschlag für seine geplante Schuhversorgung bei der Krankenkasse ein.

Einsatzgebiete

Eine Indikation zur orthopädischen Maßschuhversorgung besteht, wenn durch Maßnahmen wie Physiotherapie, fußgerechtes Konfektionsschuhwerk („Bequemschuhe“), Einlagenversorgung, Schuhzurichtung am Konfektionsschuh oder orthopädietechnischer Versorgung (zum Beispiel Peronaeusfeder) mit Konfektionsschuhwerk eine angemessene Gehfunktion bei langfristiger Einschränkung der Form, Funktion und/oder Belastbarkeit der Füße nicht erzielt werden kann. Keine Indikation für eine Maßschuhversorgung ist allerdings gegeben, wenn orthopädietechnische Hilfsmittel wegen ungenügender Länge oder Weite nicht in die gewohnheitsmäßig getragenen Konfektionsschuhe passen.

Orthopädische Maßschuhe können als Halbschuh, Sportschuh, knöchelhoher Schuh, überknöchelhoher Schuh, Schaftstiefel sowie Hausschuh und Badeschuh angefertigt werden.

Anfertigung und Kosten

Die Anfertigung ist entsprechend aufwändig und dauert inklusive Beantragung und Prüfung der Kostenerstattung in der Regel etwa vier bis sechs Monate und kostet häufig weit über 1.000 Euro. Der gesetzlich versicherte Patient trägt zurzeit (Stand 12/2016) einen Eigenanteil von 10 Euro Rezeptgebühr plus einen Wirtschaftlichkeitszuschlag je nach Ausführung von circa 75 Euro für ein Paar Straßenschuhe und circa 40 Euro für ein Paar Hausschuhe nach Maß.

Je nach gesetzlicher Krankenkasse variiert die Anzahl der Maßschuhpaare, für die die Kosten übernommen werden teilweise deutlich; durchschnittlich werden etwa zwei Paar Straßenschuhe und ein Paar Hausschuhe alle zwei Jahre genehmigt, Sport- und Badeschuhe meistens nur, wenn an Therapiesport teilgenommen wird. Die privaten Krankenversicherungen und die Berufsgenossenschaften sind in der Kostenübernahme häufig großzügiger.

Erfolgsaussichten

Durch die Versorgung mit orthopädischen Maßschuhen kann bei entsprechender Indikation sehr häufig die Gehfähigkeit und Mobilität des Patienten noch erhalten oder wiederhergestellt werden und dadurch eine Rollstuhlpflichtigkeit oder operative Eingriffe vermieden oder hinausgezögert werden; dieses gilt insbesondere auch für Patienten mit Teilextremitätenverlust ((Teil-)Verlust des Beins / Fußes, angeboren, durch Unfälle oder nach operativen Eingriffen).

FAQ - Häufig gestellte Fragen zu orthopädischen Maßschuhen

Was sind orthopädische Maßschuhe?

Orthopädische Maßschuhe sind speziell angefertigte Schuhe, die individuell an die Bedürfnisse und Fußform des Trägers angepasst werden. Sie werden von qualifizierten Orthopädieschuhmachern hergestellt, um verschiedene Fußprobleme zu korrigieren, Schmerzen zu lindern und den Gang zu verbessern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schuhen berücksichtigen orthopädische Maßschuhe die spezifische Anatomie und Biomechanik des Fußes des Patienten.

Wer benötigt orthopädische Maßschuhe?

Orthopädische Maßschuhe können für verschiedene Personen und Zustände notwendig sein:

  1. Menschen mit Fußdeformitäten wie Plattfüßen, Hohlfüßen oder Klumpfüßen
  2. Patienten mit Diabetes, die an diabetischer Neuropathie leiden
  3. Personen mit Arthritis oder anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen
  4. Menschen mit Beinlängenunterschieden
  5. Patienten nach Fußoperationen oder mit Fußverletzungen
  6. Personen mit chronischen Fußschmerzen oder Gangstörungen
  7. Menschen mit speziellen beruflichen Anforderungen an ihre Fußbekleidung

Wie werden orthopädische Maßschuhe hergestellt?

Der Prozess der Herstellung orthopädischer Maßschuhe umfasst mehrere Schritte:

  1. Untersuchung und Diagnose: Ein Orthopäde oder Podologe untersucht den Fuß und stellt eine Diagnose.
  2. Maßnahme: Der Orthopädieschuhmacher nimmt genaue Maße des Fußes. Dies kann durch manuelle Messungen, Gipsabdrücke oder 3D-Scans erfolgen.
  3. Entwurf: Basierend auf den Messungen und der Diagnose wird ein individueller Schuhentwurf erstellt.
  4. Herstellung: Der Schuh wird von Hand oder mit Hilfe moderner Technologien wie CAD/CAM gefertigt.
  5. Anpassung: Der fertige Schuh wird anprobiert und bei Bedarf fein justiert.
  6. Nachsorge: Regelmäßige Kontrollen stellen sicher, dass der Schuh weiterhin optimal passt und seine Funktion erfüllt.

Welche Vorteile bieten orthopädische Maßschuhe?

Orthopädische Maßschuhe bieten zahlreiche Vorteile:

  1. Schmerzlinderung: Sie können Fußschmerzen, Rückenschmerzen und andere muskuloskelettale Beschwerden reduzieren.
  2. Verbesserte Mobilität: Durch die optimale Unterstützung und Ausrichtung des Fußes kann die Gehfähigkeit verbessert werden.
  3. Druckentlastung: Sie verteilen das Körpergewicht gleichmäßig und entlasten Druckpunkte.
  4. Prävention: Bei Diabetikern können sie das Risiko von Fußulzera und Amputationen verringern.
  5. Korrektur von Fehlstellungen: Sie können helfen, Fußdeformitäten zu korrigieren oder ihre Progression zu verlangsamen.
  6. Anpassungsfähigkeit: Sie können an spezifische Aktivitäten oder Berufe angepasst werden.
  7. Langlebigkeit: Hochwertige Materialien und Verarbeitung sorgen für eine lange Haltbarkeit.

Wie lange hält ein Paar orthopädische Maßschuhe?

Die Lebensdauer orthopädischer Maßschuhe hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Nutzungshäufigkeit, der Pflege und der individuellen Belastung. Im Durchschnitt kann ein Paar orthopädische Maßschuhe bei normaler Nutzung etwa 1-2 Jahre halten. Bei intensiver Nutzung oder besonderen Belastungen kann die Lebensdauer kürzer sein. Es ist wichtig, die Schuhe regelmäßig vom Orthopädieschuhmacher überprüfen zu lassen, um sicherzustellen, dass sie ihre Funktion weiterhin optimal erfüllen.

Werden die Kosten für orthopädische Maßschuhe von der Krankenkasse übernommen?

In Deutschland werden die Kosten für orthopädische Maßschuhe in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Dafür ist eine ärztliche Verordnung erforderlich. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für ein Paar Schuhe pro Jahr, wobei ein Eigenanteil des Patienten fällig werden kann. Die genauen Regelungen können je nach Krankenkasse und individuellem Fall variieren. Es ist ratsam, vor der Anfertigung der Schuhe mit der Krankenkasse zu klären, in welchem Umfang die Kosten übernommen werden.

Wie pflege ich meine orthopädischen Maßschuhe?

Die richtige Pflege kann die Lebensdauer und Funktionalität Ihrer orthopädischen Maßschuhe erheblich verlängern:

  1. Regelmäßige Reinigung: Reinigen Sie die Schuhe regelmäßig mit einem feuchten Tuch und mildem Reinigungsmittel.
  2. Trocknen: Lassen Sie die Schuhe nach dem Tragen an der Luft trocknen. Vermeiden Sie direkte Hitze wie Heizungen oder Sonnenlicht.
  3. Imprägnierung: Behandeln Sie Lederschuhe regelmäßig mit geeigneten Pflegemitteln, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen.
  4. Wechseln: Wenn möglich, wechseln Sie täglich zwischen zwei Paar Schuhen, um sie ausreichend auslüften zu lassen.
  5. Schuhspanner: Verwenden Sie Schuhspanner, um die Form der Schuhe zu erhalten.
  6. Regelmäßige Kontrollen: Lassen Sie die Schuhe regelmäßig vom Orthopädieschuhmacher überprüfen und bei Bedarf reparieren.

Kann ich mit orthopädischen Maßschuhen Sport treiben?

Ja, es ist möglich, mit orthopädischen Maßschuhen Sport zu treiben. Tatsächlich können speziell angefertigte orthopädische Sportschuhe für viele Menschen mit Fußproblemen von großem Nutzen sein. Sie können helfen, Verletzungen zu vermeiden und die sportliche Leistung zu verbessern. Es ist wichtig, mit Ihrem Orthopäden und dem Orthopädieschuhmacher zu besprechen, welche Art von sportlicher Aktivität Sie ausüben möchten. So können die Schuhe speziell für Ihre sportlichen Bedürfnisse angepasst werden, sei es für Laufen, Wandern, Tennis oder andere Sportarten.

Wie lange dauert die Anfertigung von orthopädischen Maßschuhen?

Die Herstellung orthopädischer Maßschuhe ist ein komplexer Prozess, der Zeit in Anspruch nimmt. In der Regel dauert es etwa 4-6 Wochen von der ersten Messung bis zur Fertigstellung der Schuhe. Dieser Zeitrahmen kann jedoch je nach Komplexität des Falls, der Arbeitsbelastung des Orthopädieschuhmacherbetriebs und eventuell notwendigen Anpassungen variieren. In dringenden Fällen kann der Prozess manchmal beschleunigt werden, aber es ist wichtig, dass genügend Zeit für eine sorgfältige und präzise Anfertigung zur Verfügung steht, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Können orthopädische Maßschuhe modisch sein?

Ja, orthopädische Maßschuhe können durchaus modisch sein. In den letzten Jahren hat sich das Design orthopädischer Schuhe erheblich weiterentwickelt. Viele Orthopädieschuhmacher arbeiten daran, funktionale Schuhe zu schaffen, die gleichzeitig ästhetisch ansprechend sind. Es gibt eine Vielzahl von Stilen, Farben und Materialien zur Auswahl, sodass die Schuhe den persönlichen Geschmack des Trägers widerspiegeln können. Obwohl die medizinische Funktion immer an erster Stelle steht, muss dies nicht auf Kosten des Aussehens gehen. Besprechen Sie Ihre Wünsche bezüglich des Designs mit Ihrem Orthopädieschuhmacher, um eine Lösung zu finden, die sowohl Ihren medizinischen als auch Ihren ästhetischen Ansprüchen gerecht wird.

Hinweise für Patienten

Dieser Lexikoneintrag enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
Weitere Informationen…

Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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Ärzte mit der Behandlungsmethode Orthopädische Maßschuhe in der Umgebung von Ashburn

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