NSAR - Unerwünschte Wirkungen und Kontraindikationen

Dieser Artikel beleuchtet die unerwünschten Wirkungen und Kontraindikationen nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR).

NSAR (englisches Synonym: NSAID) sind gut wirksame Medikamente zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber. An unerwünschten Wirkungen sind unter anderem zu benennen:

  • Herzkreislaufsystem: Thrombosen und Embolien, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und plötzlicher Herztod, Blutungsneigung
  • Magen-Darm-Trakt: Entzündungen bis hin zu Geschwüren, Blutungen und Wanddurchbrüchen in allen Abschnitten, funktionelle Beschwerden wie Blähungen, Appetitlosigkeit, Durchfälle und Verstopfung
  • Atemwege/Allergien: allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock, erhöhtes Risiko für die Auslösung einer Verengung der Luftwege (Bronchospasmus) vor allem bei Asthmatikern
  • Leber/Niere: Schädigungen und Funktionsstörungen gerade bei vorgeschädigten Organen
  • weitere seltene Nebenwirkungen, zum Teil präparatespezifisch

Das Risiko des Auftretens von unerwünschten Wirkungen variiert unter anderem in Abhängigkeit von der individuellen Disposition, in Abhängigkeit von der Dauer und Dosierung der Anwendung sowie auch in Abhängigkeit von der Art des spezifischen Wirkstoffs. Relative oder absolute Kontraindikationen ergeben sich aus dem jeweiligen spezifischen Patientenfall.

Unerwünschte Wirkungen und Kontraindikationen

Herz-Kreislaufsystem

In verschiedenen Studien wurde festgestellt, dass die Einnahme von NSAR zu einer erhöhten Rate an Thrombosen und Embolien bis hin zum Herzinfarkt, zur Lungenembolie und zum Schlaganfall führen können, die Sterblichkeit steigt an. Die Präparate können den Blutdruck steigern und eine Herzschwäche mit verursachen. Das Risiko scheint jedoch bei klassischen NSAR kleiner als bei den neueren Coxiben zu sein, wodurch erstgenannte bei leichteren Formen der Herzschwäche noch eingenommen werden dürfen, letztgenannte jedoch nicht mehr.

Generell gilt, dass Patientinnen und Patienten ab etwa 60 Jahren, bei bekanntem Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung oder nach Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenembolien diese Präparate nicht oder nur so kurz und so gering dosiert wie möglich einnehmen sollten. Das geringste Herzinfarktrisiko innerhalb der NSAR scheint das Präparat Naproxen zu haben.

Generell gilt: das Risiko steigt mit der Dosis und der Dauer der Einnahme, wobei die Gefahr bei zeitlich kurzer Einnahme in geringer Dosierung wesentlich kleiner ist als bei zeitlich langer oder dauerhafter Einnahme in höheren Dosierungen. Zudem kann auch das individuelle Risiko bei jedem Menschen im Vergleich zu anderen Menschen variieren. Bei gleichzeitig bestehender Fettstoffwechselstörung, Zuckerkrankheit und bei Rauchern ist das Komplikationsrisiko erhöht.

Insgesamt ist die Risikoerhöhung für Erkrankungen des Herzkreislaufsystems für diese Substanzen eher gering, sollte aber gerade bei Patientinnen und Patienten in höherem Lebensalter sowie bei entsprechenden Vorerkrankungen, Begleiterkrankungen und auch bei familiärer Neigung beachtet werden.

Lungenerkrankungen und Allergien

Allergien gegen NSAR sind nicht selten, wobei eine Allergie gegen einen Wirkstoff nicht automatisch bedeutet, dass man auch auf andere Wirkstoffe dieser Substanzklassen allergisch reagiert. Klinische Zeichen können hier Hautreaktionen, Niesanfälle und auch Gewebeschwellungen sein, unter Umständen auch ein Zusammenziehen der Luftwege (sogenannter Bronchospasmus), letztgenanntes ist aber auch durch die Hemmung der Prostaglandinsynthese , dem Wirkprinzip der Medikamente, durch die Präparate möglich. Besonders gefährdet sind hier Menschen, die an Asthma bronchiale leiden. Hiervon Betroffene sollten also die Einnahme meiden oder zumindestens minimieren. Das Risiko scheint bei den Coxiben geringer als bei den klassischen NSAR zu sein, bei welchen bei erwachsenen Asthmatikern jeder Fünfte betroffen sein kann. In ganz seltenen Fällen kann es zu unter Umständen lebensbedrohlichen Komplikationen im Sinne eines anaphylaktischen Schocks kommen.

Magen-Darm-Trakt

NSAR wirken begünstigend oder teilweise sogar auslösend für entzündliche Darmerkrankungen, Blutungen und Geschwüre. Bei einer Dauertherapie kann sich bei bis zu 20 Prozent der Behandelten ein Geschwür am Magen oder Zwölffingerdarm entwickeln, hier mit weiteren Risiken: Es können Blutungen und auch Löcher in der Wand des Magens oder Zwölffingerdarm entstehen. Generell steigt das Risiko einer entsprechenden Komplikation durch Einnahme von NSAR um ca. 40 bis 750 Prozent im Vergleich zu Kontrollgruppen ohne Einnahme von Medikamenten.

Während im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Coxibe risikobehafteter zu sein scheinen gegenüber den klassischen NSAR, ist es im Bereich des Magen-Darm-Traktes tendenziell umgekehrt. Die anfangs gehegte Hoffnung, dass Coxibe keine Probleme im Magen-Darm-Trakt verursachen, hat sich leider nicht bestätigt: Das Risiko ist um circa ein Drittel bis zu zwei Dritteln geringer, aber nicht verschwunden.

Häufig wird die Einnahme dieser Medikamente zum Schutz vor Komplikationen mit einer weiteren Medikamentenklasse kombiniert, den sogenannten Protonenpumpeninhibitoren (PPI), welche sonst zur Behandlung von Entzündungen und Geschwüren im Bereich des oberen Magen-Darm-Traktes (Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm) genutzt werden. Dies ist aber nur ein relativer Schutz, da auch häufig Blutungen und Entzündungen in tiefer gelegenen Anteilen des Magen-Darm-Traktes entstehen können, hierbei helfen die PPI nicht. Ferner gelten diese Substanzen auch als Risikofaktor für die Entstehung einer Osteoporose. Außerdem kann es durch Einnahme dieser Medikamente zu funktionellen Darmbeschwerden wie Appetitlosigkeit, Blähungen, Verstopfung und Durchfällen kommen.

Niere und Leber

Bei schweren Funktionsstörungen der Nieren und der Leber sollte die Dosierung und die Behandlungsdauer angepasst oder die Behandlung eingestellt werden, da es durch den mangelnden Abbau zu Überdosierung kommen kann. Bei langer und/oder hochdosierter Anwendung von NSAR kann es gerade bei Vorschäden zu weiteren Erkrankungen der Niere kommen. Besonders kritisch ist hier das freiverkäufliche Paracetamol zu bewerten: Die schmerzlindernde Wirkung ist geringer als diejenige der anderen Substanzen, wodurch sich schneller in Eigentherapie eine Überdosierung einstellen kann, in hohen Dosen ist Paracetamol giftig für die Leber.

Blutungen

NSAR können die Blutungsneigung erhöhen, da die Funktion der Blutplättchen (Thrombozyten) zur Blutungsabdichtung gehemmt wird – eine Wirkung, die jedoch wieder aufgehoben werden kann. Eine Sonderrolle nimmt hierbei der Wirkstoff Acetylsalicylsäure ein, welcher die Funktion der Blutplättchen für ihre gesamte Lebensdauer von circa acht bis zehn Tagen unumkehrbar blockiert. Erst drei bis fünf Tage nach der letzten Einnahme sind ca. die Hälfte der Blutplättchen erneut im Knochenmark gebildet worden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während einer Schwangerschaft und Stillzeit sollten diese Medikamente in der Regel nicht eingenommen werden. Für manche Präparate besteht eine eingeschränkte Zulassung unter bestimmten Umständen.

Weitere unerwünschte Wirkungen

Einzelne Präparate können zentralnervöse Störungen wie Müdigkeit, Schwindel, Sehstörungen, Übererregbarkeit, Krämpfe, Zittern, Depressionen und Ähnliches hervorrufen. Ferner kann es zu Hautinfektionen und anderen Hauterkrankungen, Veränderungen des Blutbildes und anderen Störungen kommen.

Hinweise für Patienten

Dieser Lexikoneintrag enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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