Muskelfaserriss

Muskelfaserrisse gehören zu den häufigsten Muskelverletzungen und werden auch als Minorverletzungen bezeichnet. Die Diagnose gelingt meist durch eine einfache Untersuchung. In der Regel heilen sie unter konservativer Therapie im Zeitraum von 10 bis 14 Tagen ab.

Häufigkeit

Eine groß angelegte Studie der UEFA konnte zeigen, dass ein Drittel aller Verletzungen im Fußballsport Muskelverletzungen sind. Unter den strukturell-mechanischen Muskelverletzungen sind dabei Muskelfaserrisse die häufigsten Verletzungen. Zumeist ist der Oberschenkel betroffen, wobei hier wiederum am häufigsten die Oberschenkelrückseite, also die sogenannte Hamstringmuskulatur betroffen ist. Aber auch die Hüft-Leisten-Region und die Wadenmuskulatur kann betroffen sein. Eine Profifußballmannschaft muss mit 10 bis 15 Muskelverletzungen pro Saison rechnen. Somit sind Muskelverletzungen für die meisten Ausfalltage in dieser Sportart verantwortlich.

Abb. 1: Häufig ist die Oberschenkelrückseite von Muskelfaserrissen betroffen. (Quelle: SENTELLO/Fotolia)

Ursachen und Symptome

Eine strukturell-mechanische Muskelverletzung entsteht, wenn eine einwirkende Kraft die Elastizitätsgrenze des Muskels übersteigt. Zunächst kommt es zu einer Dehnung des Muskels. Bei weiterer Krafteinwirkung zerreißen zunächst einzelne, dann immer mehr Muskelfasern. Bei einer Unterbrechung der Faserstruktur von weniger als 5 mm spricht man von einem Muskelfaserriss. Wirkt die Kraft weiter ein, reißen immer mehr Muskelfasern, die Lücke wird größer. Ab 5 mm spricht man von einem Muskelbündelriss. Dies kann bis hin zu einem kompletten Muskelriss führen. Häufigste Lokalisation innerhalb eines Muskels stellt dabei der Übergang vom Muskel in seine Sehne, der sogenannte muskolo-tendinöse Übergang, dar. Beim Muskelfaserriss kann zwar ein Bluterguss (Hämatom) entstehen, er bleibt jedoch unsichtbar, da die Muskelhülle (Faszie) nicht mit zerreißt. Klassische Symptome sind der spitze Schmerz und der Druckschmerz, oft innerhalb eines verhärteten Muskelbereichs. Durch Muskeldehnung verstärkt sich der Schmerz.

Diagnose

Neben der Erfassung des Unfallereignisses stellt die körperliche Untersuchung den wichtigsten Baustein in der Diagnostik eines Muskelfaserrisses dar. Bricht der Sportler direkt nach einer akuten Verletzung den Sport ab, so muss von einer strukturell-mechanischen Verletzung ausgegangen werden. Das Betasten des schmerzhaften Muskels bzw. der gesamten schmerzhaften Region, die sogenannte Palpation, steht dabei im Vordergrund. Sind Verhärtungen oder gar Lücken tastbar? Es bedarf einer großen ärztlichen Erfahrung, um auch kleinere Muskelverletzungen sicher zu diagnostizieren. Im weiteren Verlauf kann mittels Ultraschalluntersuchung die Verletzung genau lokalisiert und ihre Größenausdehnung bestimmt werden. Insbesondere die Fahndung nach Hämatomen ist wichtig, um zwischen funktionellen Läsionen und strukturellen Verletzungen zu unterscheiden. Zur Diagnostik von Muskelverletzungen besonders gut geeignet ist die Kernspintomographie. Mit ihrer Hilfe kann mit großer Sicherheit zwischen Minor- (Muskelfaserrissen) und Majorverletzungen (Muskelbündel- und Muskelrissen) unterschieden werden. Allerdings birgt sie die Gefahr, das tatsächliche Verletzungsausmaß bei Minorverletzungen zu überschätzen. 

Therapie

Muskelfaserrisse heilen unter einer konservativen Therapie zumeist innerhalb von 10 – 14 Tagen ab. Entscheidend ist dabei die frühestmögliche Untersuchung, da sich sowohl die Therapie wie auch die Prognose von Minorverletzungen und Majorverletzungen zum Teil erheblich unterscheiden. Beim Verdacht auf eine strukturell-mechanische Muskelverletzung sollte möglichst rasch, zum Beispiel noch am Spielfeldrand, die betroffene Region mit einer mit Eiswasser gekühlten Idealbinde unter starkem Druck großflächig umgewickelt werden (auch „Hot-Ice“ genannt). Der Druckverband wird in den nächsten Minuten immer wieder mit Eiswasser gekühlt. Nach 20 Minuten wird der Hot-Ice-Verband abgenommen. Forschungen zufolge bedeutet jede versäumte Minute in den ersten zehn Minuten der Primärversorgung eines Muskelfaserrisses einen Tag Zeitverlust bis zur Widerherstellung der vollen Belastbarkeit.

In den ersten fünf Tagen nach einem Muskelfaserriss ist eine Sportpause sinnvoll. In dieser Zeit kommen physikalische und physiotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Durch lokale Injektionen können optimale Bedingungen zur raschen Muskelregeneration und Narbenbildung geschaffen und eine Druckregulation im betroffenen Muskelareal erreicht werden. Zum Einsatz kommen dabei verschiedenste Medikamente wie zum Beispiel Traumeel, Platelet rich Plasma, Actovegin oder Lokalanästhetika wie Mepivacain. Von Kortisoninjektionen in verletzte Muskelareale muss nicht nur aus Berücksichtigung der Antidopingvorschriften dringend abgeraten werden. Ab dem fünften Tag ist das Lauftraining wieder möglich, ja sogar förderlich. Nach zwei Wochen besteht in aller Regel wieder die uneingeschränkte Sportfähigkeit.

Literatur und weiterführende Links

Ott, H. / Hirschmüller, A. / Weisskopf, L.: Epidemiologie, Diagnostik und Klassifikation von Muskelverletzungen. OUP 2017, 2:69-74.

Müller-Wohlfahrt, H.-W. / Ueblacker, P. / Hänsel, L.: Muskelverletzungen im Sport. Thieme 2010.

Hinweise für Patienten

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
Hinweis: Bei den oben aufgeführten Diagnose- bzw. Behandlungsverfahren kann es sich eventuell um wissenschaftlich umstrittene und derzeit nicht von allen Experten wissenschaftlich anerkannte Methoden handeln. Die Kosten dieser Anwendungen werden von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet.
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