Biofeedback

Unter Biofeedback versteht man die Behandlung von körperlichen, psychosomatischen und psychischen Krankheiten durch die systematische Rückmeldung von Körperfunktionen. Dabei geht es insbesondere um die Verdeutlichung der Zusammenhänge von geistigen (psychischen) und körperlichen (physiologischen) Prozessen.

Das Verfahren wird in erster Linie in der orthopädischen Schmerztherapie und Verhaltensmedizin sowie in der Psychosomatik, aber auch in der Urologie und der Frauenheilkunde eingesetzt. Es ist im ambulanten und stationären Bereich nutzbar und kann auch vom Patienten selbst zur Eigenbehandlung nach entsprechender Anleitung eingesetzt werden.

Einsatzgebiete

Zu den typischen Einsatzgebieten des Biofeedbacks gehört die Verdeutlichung der Zusammenhänge von psychischen und physiologischen Prozessen. Es wird daher insbesondere auch zur Behandlung von Stress, Stressfolgen und zur Stressbewältigung eingesetzt. Chronische Schmerzen des Rückens, aber auch Kopfschmerzen können mit dem Verfahren behandelt werden, ebenso wie beispielsweise Bluthochdruck (Hypertonie) und Durchblutungsstörungen. Der Einsatz ist außerdem bekannt bei unklaren körperlichen Beschwerden, wie zum Beispiel Tinnitus, Reizmagen und -darm, Schlafstörungen und Sexualstörungen. Spezielle Anwendungsformen lassen den Einsatz bei Harn- und Stuhlinkontinenz sowie Harnverhalt zu. Das sogenannte Neuro-Feedback wird auch bei Kindern mit ADHS und bei infantiler Zerebralparese eingesetzt.

Wirkprinzip

Der Begriff Biofeedback setzt sich aus dem Altgriechischen und Englischen zusammen, Bios steht für „Leben“, Feedback für „Rückmeldung“.

Biofeedback ist eine Therapiemethode zur Behandlung von körperlichen und psychischen Erkrankungen. Dabei lernt der Patient, unbewusst ablaufende Prozesse im eigenen Körper gezielt wahrzunehmen und im Weiteren dann zu beeinflussen, wie beispielsweise die Herzrate, Schweißdrüsenaktivität, Blutdruck oder sogar Hirnströme. In der Regel erfolgt die Messung der Körperfunktionen im Krankenhaus oder in Rehabilitationskliniken. Es ist ein apparatives Verfahren, wobei auch tragbare Biofeedback-Geräte, die der Patient mit nach Hause nehmen kann, existieren. Das Verfahren zielt auf die Mitarbeit und Körperwahrnehmung des Patienten ab. Es wird daher auch zur Verhaltensmedizin gezählt und wird in der Regel durch speziell ausgebildete Psychologinnen und Psychologen durchgeführt.

Durchführung

Bei der Biofeedback-Behandlung bzw. beim Biofeedback-Training werden dem Patienten seine eigenen Körpersignale durch auf den Körper aufgebrachte Elektroden oder Sensoren und Computereinsatz zurückgemeldet, sodass der Patient lernen kann, diese Körperfunktionen zu beeinflussen. Ängste, Belastungen, Schmerzen und Stress sind nur einige Beispiele für Zustandsbilder, die körperliche Prozesse beeinflussen können. Zu den bekannten körperlichen Folgen von Stress gehören unter anderem Muskelverspannungen, Veränderungen der Durchblutung und Herzbeschwerden. Diese laufen in der Regel so ab, dass der Betroffene diese körperlichen Veränderungen nicht bewusst wahrnimmt.

Mit technischen Hilfsmitteln lassen sich diese Veränderungen jedoch erfassen, sodass ihre Intensität entweder über Töne, Farben oder visuell über den Computerbildschirm zurückgemeldet werden kann. Ziel der Biofeedback-Behandlung ist eine gezielte Wahrnehmung und Beeinflussung krankhaft veränderter körperlicher Prozesse, die bei der Aufrechterhaltung von körperlichen und seelischen Erkrankungen von Bedeutung sein können.

Körperprozesse aktiv beeinflussen

Am Beispiel des Blutdrucks soll dies verdeutlicht werden. In der Regel wird ein Mensch nicht in der Lage sein, die Höhe des Blutdrucks bewusst wahrzunehmen und einzuschätzen. Für Patienten mit erhöhtem Blutdruck ist es wichtig, diesen möglichst zu senken oder Blutdruckspitzen zu vermeiden. Mit Hilfe der Biofeedback-Technologie kann der Blutdruck gemessen und dessen Höhe kontinuierlich auf einem Bildschirm dargestellt werden, sodass der Patient erkennen kann, ob sich der Blutdruck gerade im Ansteigen oder Abfallen befindet. Er kann dann gezielt lernen, zum Beispiel durch Entspannungstechniken seinen Blutdruck zu senken. Das Verfahren ermöglicht es, eine direkte Rückmeldung zu geben, ob und welche physiologische Strategie am erfolgreichsten ist, um den Blutdruck zu senken. Das Beispiel zeigt, dass auch eigenständig ablaufende Körpervorgänge durch Lernprozesse beeinflusst werden können. Beispiele für durch Biofeedback beeinflussbare Körpervorgänge sind beispielsweise die Herzrate, die Schweißdrüsenaktivität, der Blutdruck, der Arteriendurchmesser, die vom autonomen Nervensystem stimulierte Muskulatur bis hin zu Hirnströmen.

Eingesetzte Technik

In Bezug auf die apparative Ausstattung existieren tragbare Biofeedbeck-Geräte, wie auch stationäre Installationen. Zur Messung im Bereich der Muskulatur wird in der Regel eine Oberflächen-EMG-Elektrode (Elektromyographie) eingesetzt. Die Messung ist dabei vollständig schmerzfrei, die gemessenen Ströme fließen nur in eine Richtung. Über Computerprogramme ist es dann möglich, gleichzeitig verschiedene Körpersignale zu erfassen und diese über den Computerbildschirm darzustellen. Hierdurch wird es möglich, das Zusammenwirken verschiedener physiologischer Prozesse zu demonstrieren und zu erkennen, insbesondere wenn auffällige physiologische Reaktionsmuster vorliegen.

Erfasste Körpersignale

Zu den am häufigsten abgeleiteten körperlichen Signalen, gerade in der Orthopädie und der Schmerztherapie, gehören:

  • Muskelverspannungen, die beispielsweise bei Spannungskopfschmerz auftreten
  • Hautleitfähigkeit als allgemeines Maß für Entspannung
  • Messung der Hauttemperatur, zum Beispiel zur Behandlung des Morbus Raynaud
  • Beeinflussung des Arteriendurchmessers der Schläfenarterie, zum Beispiel zur Migränebehandlung
  • Ermittlung der Herzfrequenz und Atmungstiefe, zum Beispiel beim Hyperventilations-Syndrom, bei Asthma bronchiale, Panikerkrankungen und Schmerzzuständen
  • Messung des Blutdruckes, zur Behandlung der essentiellen Hypertonie
  • Ermittlung des Fingerpulses als Maß für die periphere Durchblutung
  • EEG-Aufzeichnungen zur Förderung der zentral nervös gesteuerten Entspannung, zum Beispiel bei der Epilepsie-Behandlung
  • Ermittlung der Spannung der Beckenbodenmuskulatur zum Inkontinenztraining
  • Erfühlen der Herzrate, zum Beispiel bei Tachykardien oder Panikstörungen
  • Analsphinktermessung, zum Beispiel bei Obstipation, entzündlichen Darmerkrankungen und Stuhlinkontinenz

Ablauf und Dauer der Therapie

Wie hat man sich nun den Ablauf und die Dauer einer Biofeedback-Therapie vorzustellen?

Zu Beginn der Behandlung wird ein ausführliches Erstgespräch durchgeführt, bei dem zu klären ist, ob und in welcher Weise Biofeedback-Training bei dem konkret vorliegenden Krankheitsbild eingesetzt werden kann. In der Regel wird bei dieser ersten Sitzung auch ein sogenannter Stress-Test durchgeführt. Dabei werden verschiedene Körpersignale ermittelt, zum Beispiel Muskelspannung, Puls, Atmung und Hautleitwert, während der Patient über mehrere Minuten hinweg die Anweisung bekommt, zu entspannen und dann verschiedenen Stressoren ausgesetzt wird. Im Rahmen einer ersten Messung wird dann ermittelt, wie der Patient körperlich auf Stress reagiert und wie es um seine Erholungsfähigkeit bestellt ist. In diesem Rahmen kann bereits entschieden werden, welche konkreten Körpersignale für Biofeedback-Behandlung und -training gemessen und zurückgemeldet werden können. Praktisch wird das Verfahren so eingesetzt, dass der Patient vor einem Bildschirm Platz nimmt und von dem zuständigen Therapeuten, in der Regel einer Psychologin oder einem Psychologen, mit entsprechenden Sensoren verkabelt wird.

Das kann beispielsweise eine Oberflächen-EMG-Elektrode zur Messung der Muskelspannung oder des Hautleitwertes sein, aber auch ein Pulssensor am Finger, ein Atemgurt um den Bauch oder ein Temperatursensor am Finger. Die ermittelte Körperfunktion wird dann graphisch am Computer demonstriert, dies kann in Form von Verlaufskurven, aber auch durch einen Horizont, einen an Größe zu- oder abnehmenden Ball oder eine auf- oder abgehende Sonne, dargestellt werden. Die biologischen Ist-Werte werden nicht invasiv gemessen, sondern in einen analog-digital-Wandler konvertiert, gemittelt und verstärkt und schließlich graphisch oder akustisch aufbereitet.

Der Patient bekommt dann konkrete Anweisungen, in welche Richtung er das Signal verändern soll. Es handelt sich hierbei um unbewusste Vorgänge, bei denen Zustandswechsel im vegetativen Nervensystem trainiert werden.

Biofeedback wird in der Regel als ergänzender Therapiebaustein in einem Gesamtbehandlungskonzept, zum Beispiel der multimodalen Schmerztherapie, eingesetzt. Nach der Eingangsuntersuchung werden in der Regel bis zu zehn weitere Sitzungen durchgeführt, wobei die Dauer und Frequenz davon abhängt, wie schnell es dem Patienten gelingt, die krankhaft veränderten Körperprozesse selbst positiv zu beeinflussen und das Erlernte auch in den Alltag zu übertragen.

Risiken birgt das Verfahren nicht, zumal die Messung in der Regel auch nicht mit invasiven Messgeräten durchgeführt wird. Es eignet sich daher auch gut für Kinder und Schwangere.

Neben dem therapeutischen Einsatz findet Biofeedback auch Anwendung im Bereich des Mentaltrainings im Spitzensport und im Bereich des Coachings.

Erfolgsaussichten

Die Methode wird in der Regel nicht einzeln, sondern im Kontext eines multimodalen Therapieverfahrens eingesetzt, zum Beispiel der speziellen Schmerztherapie. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde die Wirksamkeit des Verfahrens durch zahlreiche Studien belegt. Zu den Krankheitsbildern, bei denen sich das Verfahren innerhalb von Studien als wirksam erwiesen hat, gehört Kopfschmerz bei Erwachsenen, Angst und Angststörungen, muskelbezogener myofaszialer Schmerz, nicht-kardialer Brustschmerz, haltungsbezogene Schmerzprobleme, Verstopfung, depressive Störung, Diabetes mellitus zur glykämischen Kontrolle, Epilepsie, erektile Dysfunktion, Fäkalinkontinenz, Bluthochdruck, Reizdarmsyndrom, Präeklampsie, Morbus Raynaud und Schmerz durch Kiefergelenkserkrankungen.

Im Bereich der orthopädischen Schmerztherapie wird das Verfahren am meisten eingesetzt bei haltungsbezogenen Schmerzproblemen, zum Beispiel in der Schulter-Nacken-Region.

Literatur und weiterführende Links

EEG Info: www.eeginfo-neurofeedback.de

Deutsche Gesellschaft für Biofeedback: www.dgbfb.de

Rief, W. / Birbaumer, N. (Hrsg.): Biofeedback. Grundlagen, Indikation, Kommunikation, Vorgehen. 3., vollst. überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Schattauer, 2011.

Bruns, T. / Praun, N.: Biofeedback. Ein Handbuch für die therapeutische Praxis. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2002.

Hinweise für Patienten

Dieser Lexikoneintrag enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
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