Säuglingssonographie

Die Sonographie der Säuglingshüfte ist eine gefahrlose, nicht strahlenbelastende Ultraschalluntersuchung, die bei Säuglingen zur Diagnose der sogenannten angeborenen Hüftluxation durchgeführt wird. Dabei handelt es sich um eine Verrenkung des Hüftgelenks, bei der der Hüftkopf nicht richtig in der Gelenkpfanne sitzt.

Einsatzgebiete

Die angeborene Hüftgelenksverrenkung bei Babys ist weltweit die häufigste angeborene Erkrankung am Stütz- und Bewegungsorgan. Allein in Mitteleuropa sind zwischen einem und acht Prozent der Neugeborenen betroffen. Unbehandelt führt sie zu hinkendem Gang, Beinverkürzungen, bleibenden Schäden am Hüftgelenk und lebenslanger Behinderung.

Problematik

Leider können mit einer manuellen Untersuchung selbst vollständig verrenkte Gelenke in mehr als 50 Prozent der Fälle nicht diagnostiziert werden [1]. Sich an der Grenze zur Verrenkung befindliche Gelenke, die unerkannt in eine Luxation abgleiten, können durch die manuelle Untersuchung überhaupt nicht zeitgerecht erkannt werden. Nur mithilfe einer Ultraschalluntersuchung kann zuverlässig festgestellt werden, ob eine Verrenkung oder das Risiko dafür besteht. Bleibt die Hüftgelenksverrenkung beim Säugling unerkannt oder wird zu spät behandelt, führt dies zu einer lebenslangen Schädigung des Gelenks. In der Regel sind dann viele Operationen notwendig und letztendlich meist ein künstliches Hüftgelenk (Abb. 1). Nur die Frühestdiagnose mit einer Hüftsonographie und, falls notwendig, sofortiger Behandlung spätestens bis zum Beginn der sechsten Lebenswoche, kann das Problem lösen und bleibende Schäden verhindern.

Abb. 1: Beidseitige „angeborene“ (unbehandelte) Hüftluxation. Die leere Hüftpfanne ist markiert. (Quelle: Prof. Reinhard Graf)

Diagnose

Leider haben in 54 Prozent der Fälle selbst völlig ausgerenkte Gelenke keine klinischen, also für den Arzt erfassbaren Zeichen (Ortolani-Zeichen, Instabilitäten) oder gehören der Risikogruppe an [1]. Diese ist groß: in Steißlage geborene Babys, Mädchen, Kinder erstgebärender Mütter, von Müttern mit Fruchtwassermangel oder mit familiärer Belastung, etc.

Da das Säuglingshüftgelenk noch weitgehend aus Knorpel besteht, sind viele für die Diagnose wichtige anatomische Strukturen nicht im Röntgenbild zu erkennen, sehr wohl aber im Ultraschallbild (Abb. 2).

Abb. 2: Hüftsonogramm: Der ovale Hüftkopf ist markiert, der Pfeil zeigt das knorpelige Pfannendach. (Quelle: Prof. Reinhard Graf)

Durchführung

Die Hüftsonographie kann gleich nach der Geburt, sollte aber spätestens bis zum Beginn der sechsten Lebenswoche bei allen Säuglingen durchgeführt werden. Falls erforderlich, kann die Sonographie für Verlaufskontrollen bis etwa zum zehnten oder zwöften Lebensmonat angewendet werden.

Die Untersuchung wird standardisiert und für das Baby völlig schmerzlos durchgeführt (Abb. 3). Dabei wird das Hüftgelenk entsprechend seines Reifungsgrades und dem Alter des Kindes einem Typ zugeordnet (sogenannte Graf-Typisierung): Reifes, gesundes Gelenk (Typ Ia, Ib); Unreifes, dem Alter aber entsprechendes, gesundes Gelenk (Typ IIa); Verknöcherungsverzögerungen verschiedenen Grades (Typ IIb, IIc), die einer sofortigen Therapie bedürfen und Gelenke, bei denen der Hüftkopf bereits mehr oder weniger aus der Pfanne gerutscht ist (Typ D, III, IV = dezentriertes Gelenk).

Abb. 3: Die Untersuchung erfolgt mit Lagerungsschale und Schallkopfführung, im Hintergrund ein Ultraschallbild (Sonogramm) des untersuchten Gelenks. (Quelle: Prof. Reinhard Graf)

Kontrolle und Therapie

Gelenke des Typs Ia oder Ib sind Variationen („blonde oder schwarze Haare“) eines gesunden, reifen Gelenks und bedürfen keinerlei weiterer Maßnahmen. Bei unreifen, aber dem Alter entsprechenden Gelenken (Typ IIa) empfiehlt sich eine spätere Kontrolle ohne Therapie, sie reifen in den meisten Fällen völlig problemlos aus.

Verknöcherungsverzögerungen (Typ IIb, IIc) bedürfen einer Behandlung mittels Spreizhose, Schiene oder spezieller Bandage. Prinzipiell ist darauf zu achten, dass die Beinchen nur bis etwa 50 Grad abgspreizt und angebeugt (100 bis 110 Grad) werden – die sogenannte „Froschstellung“ sollte eingehalten werden (siehe auch Trageweise).

Dezentrierte Gelenke (Typ D, III, IV) bedürfen einer speziellen Behandlung mit Spezialbandagen, in manchen Fällen ist aber auch ein spezieller Gipsverband notwendig.

Richtige Trageweise eines Säuglings: Die „Froschstellung“ entlastet das noch nicht belastungsfähige knorpelige Pfannendach und beschleunigt die Ausreifung (Abb. 4). Trageweisen mit gestreckten und zusammengebundenen Beinchen wie im Mittelalter,die aus verschiedenen Gründen in manchen Ländern leider heute noch üblich sind (Abb. 5), fördern die Entwicklung einer Hüftluxation und sollten dringendst unterbleiben.

Abb. 4: Links: ideale Trageweise in „Froschstellung“, rechts: akzeptabel (Quelle: Digitalpress/Fotolia, Halfpoint/Fotolia)
Abb. 5: Diese Wickel- und Tragetechniken mit gestreckten Beinchen sollten heute strikt vermieden werden. (Quelle: Prof. Reinhard Graf)

Literatur und weiterführende Links

1. Tönnis, D.: Die angeborene Hüftdysplasie und Hüftluxation im Kindes- und Erwachsenenalter. Berlin: Springer, 1984.

2. Graf, R.: Essentials of infant hip sonography according to Graf. Edition Sonocenter Stolzalpe, 2017. www.graf-hipsonography.com (Abruf am 06.04.2018).

Hinweise für Patienten

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