Klumpfuß

Der Klumpfuß ist eine angeborene Fußfehlstellung. Die Behandlung erfolgt nach der Ponsetimethode, die nach Gipsbehandlung die Durchtrennung der Achillessehne und anschließend eine Schienenbehandlung beinhaltet. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Schienenbehandlung ab.

Häufigkeit

Der Klumpfuß tritt bei 1,2 – 2,4 Kindern pro 1000 Geburten auf. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. In etwa der Hälfte der Fälle tritt die Fußfehlstellung beidseitig auf. Es ist die häufigste Extremitätenmissbildung des Menschen. Eine familiäre Häufung wird beobachtet.

Ursachen

Die Fehlstellung kann zum einen angeboren sein, hierbei spricht man vom primären oder idiopathischen Klumpfuß. Dieser ist die häufigste Form des Klumpfußes.

Der Klumpfuß kann außerdem im Rahmen von verschiedenen Fehlbildungssyndromen bei der Geburt auftreten. Dies bezeichnet man als Fehlbildungsklumpfuß.

Zudem kann sich im Laufe des Lebens ein sogenannter sekundärer Klumpfuß entwickeln. Ursachen dafür können zum Beispiel neuromuskuläre Störungen oder angeborene Fehlbildungen sein. Auch als Folge unfallbedingter Verletzungen oder aufgrund von Komplikationen bei einem Eingriff kann sich ein sekundärer Klumpfuß bilden.

Diagnose

Nach der Geburt kann der Arzt die Diagnose durch die manuelle Untersuchung des Fußes stellen. Beim Klumpfuß liegt immer auch eine Rückfußkomponente mit Spitzfuß (Fußspitze zeigt nach unten, der Fuß kann nicht in einen rechten Winkel zum Unterschenkel gebracht werden) und einem nach innen zeigendem Fersenbein vor. Dadurch kann der Klumpfuß vom Sichelfuß unterschieden werden. In seltenen Grenzfällen kann ein Röntgenbild helfen, die Diagnose sicher zu stellen. Die Achillessehne ist verkürzt und kann unter der Haut getastet werden. Passiv kann der Fuß nicht in die Normalstellung zurückgebracht werden. Beim einseitigen Klumpfuß ist häufig die Wade verschmächtigt und der betroffene Fuß kürzer und breiter.

Der Klumpfuß kann in verschiedene Schweregrade eingeteilt werden.

Therapie

Die Behandlung des angeborenen Klumpfußes erfolgt seit Beginn des Jahrtausends in Deutschland nach der Ponsetimethode. Die Methode wird bereits seit 1963 angewendet und beinhaltet in der Behandlung vier Therapiephasen:

  1. Redressionsbehandlung
  2. Operation
  3. Retentionsbehandlung
  4. Korrektur von Rezidiven und späten Fehlstellungen.

Die Redressionsbehandlung beinhaltet eine Gipstherapie für sechs bis acht Wochen. Die Behandlung sollte innerhalb der ersten Lebenswoche begonnen werden (Ausnahmen sind Frühgeborene). Hierbei wird die Vorfußdeformität korrigiert und das Füsschen nach anfänglichem Anheben des ersten Fußstrahls etappenweise nach außen gedreht (subtalare Derotation). Die Gipse werden wöchentlich gewechselt und schließen den Oberschenkel mit ein, wobei das Kniegelenk um 90 Grad gebeugt wird. In den allermeisten Fällen folgt anschließend eine operative Durchtrennung der Achillessehne zur Korrektur des Spitzfußes. Dies wird in aller Regel in örtlicher Betäubung und leichter Sedierung durchgeführt. Eine Vollnarkose ist hier nicht notwendig. Im Anschluss daran ist eine nochmalige dreiwöchige Gipstherapie notwendig.

Dann folgt die Retentionstherapie durch das Tragen einer Schiene, welche die ersten drei Monate Tag und Nacht getragen wird, im Anschluss daran zu den Schlafenszeiten bis zum vierten oder fünften Lebensjahr. Der Erfolg hängt maßgeblich vom Tragen der Schiene ab, um ein Wiederauftreten des Klumpfußes (Rezidiv) während des Wachstums zu verhindern. Die von Ponseti dringend empfohlene Schiene weist die Fassung beider Füße in speziellen Schuhen auf, die miteinander verbunden sind. Der Klumpfuß wird 70 Grad nach außen rotiert, der nicht betroffene Fuß weist 40 Grad nach außen. Sind beide Füße betroffen, so wird die Schiene beidseits auf 70 Grad Außendrehung der Füße eingestellt (Dennis-Brown-Schiene). Das Gehen mit der Schiene ist nicht möglich, weshalb sie bei gehfähigen Kindern nur zu den Ruhezeiten angewendet wird. Oberschenkelschienen zeigen eine deutlich höhere Versagensquote und sind deshalb nicht zu empfehlen.

Der Vorteil der Ponsetimethode gegenüber den in der Vergangenheit durchgeführten großen invasiven operativen Maßnahmen besteht in einem weicheren, beweglicheren Fuß mit besserem funktionelleren Ergebnis, da starke Vernarbungen nicht stattfinden.

Physiotherapie ist im Originalkonzept von Ponseti nicht vorgesehen, wird aber häufig unterstützend durchgeführt. Insbesondere wenn diese von den eingelernten Eltern täglich weitergeführt wird, ist sie zur Unterstützung des Therapieerfolges zu empfehlen.

In wenigen Fällen kommt auch heute noch die invasivere Methode des dorsomedialen Releases (operatives Lösen der hinteren und am Fußinnenrand ziehenden Strukturen) oder des peritalaren Releases (operatives Lösen der Strukturen rund um das Sprungbein) zum Einsatz, wenn die Ponsetimethode nicht zum Erfolg führt.

Im Verlauf der ersten fünf Lebensjahre ist das Wiederauftreten der Klumpfußdeformität ein Problem. Tritt ein Rezidiv auf, so folgt eine erneute Ponseti-Gipsbehandlung mit ein- bis zweiwöchentlichen Gipswechseln. Bei dann noch verbleibendem Spitzfuß kann eine erneute Durchtrennung der Achillessehne durchgeführt werden oder eine Verlängerung der Achillessehne mit Lösen des oberen und unteren Sprunggelenkes. Verbleibt ein nach innen weisender Vorfuß, so wird eine Sehne von der Innenseite des Fußes auf den Fußrücken verlagert (Tibialis anterior Transfer). Nach den erwähnten Maßnahmen ist die weitere Gipstherapie und anschließende Orthesenbehandlung notwendig.

Klumpfüße sind vor allem in der Wachstumsphase orthopädisch kontrollbedürftig, um das Wiederauftreten der Fußfehlstellung frühzeitig zu entdecken und geeignete Maßnahmen einleiten zu können. Das Ziel ist es, auf Dauer einen funktionsfähigen und schmerzfreien Fuß und somit ein normales Gangbild zu erhalten.

Abb. 1: Beidseitiger Klumpfuß bei einem Neugeborenen (Quelle: Orthopädische Universitätsklinik Ulm)
Abb. 2: Ponseti-Gipse im Verlauf der Behandlung mit zunehmender Redression von links nach rechts (Quelle: Orthopädische Universitätsklinik Ulm)
Abb. 3: Fußabduktionsschiene nach Achillessehnendurchtrennung zur Verhinderung eines Rezidivs (Quelle: Orthopädische Universitätsklinik Ulm)

Hinweise für Patienten

Dieser Lexikoneintrag enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Off-Label-Use
Hinweis: Die Anwendung des oder der oben genannten Arzneimittel ist für die aufgeführten Indikationen eventuell nicht offiziell zugelassen. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten Off-Label-Use des Präparates, der von gesetzlichen oder privaten Krankenkassen oder Beihilfen in der Regel nicht erstattet wird.
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Umstrittene Wirksamkeit
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