
Infektionen des Bewegungsapparates entstehen spontan als fortgeleitete Infektionen (meist durch die Streuung von Bakterien im Körper) oder im Rahmen von Operationen. In der Orthopädie von Bedeutung sind im Wesentlichen die bakteriellen und weniger die Pilzinfektionen. Die Hauptquelle solcher Infektionen finden sich in den ableitenden Harnwegen und in den Bronchien. Durch die Durchblutungssituation mancher Gewebe (Bandscheiben) und des Knochens (breiter Gefäßquerschnitt mit langsamer Fließgeschwindigkeit) sind die Gewebe des Bewegungsapparates, außer der Muskulatur, besonders anfällig für Infektionen.
Einsatzgebiete
Gesamter Bewegungsapparat, offene Frakturen, Wirbelsäule, Gelenke
Leitsymptome einer Infektion
Als klinische Leitsymptome eines infizierten Gewebes finden sich die sogenannten „klassischen Entzündungszeichen“ wie Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz und Funktionseinschränkung. Klassisches Symptom ist der Dauer- und Ruheschmerz.
Wirkprinzip
Infektionen können endogen (über das Blut eingeschwemmt) oder exogen (zum Beispiel durch offene Brüche) entstehen. Durch den breiten Querschnitt des Knochens verlangsamt sich der Blutstrom, wodurch die Ablagerung von Bakterien begünstigt wird. Durch die bakterielle Besiedlung wiederum können sich lokale Thrombosen ausbilden, die den Entzündungsprozess fördern, sodass sich eine Infektion im Verlauf des Knochens als auch durch den Knochenmantel hindurch in die umgebenden Weichteile ausbreiten kann. Durch Knochenneubildung mit Einkapselung des infizierten Bereichs versucht sich der Körper selbst zu helfen. Hierbei kommt es zur Ausbildung sogenannter Sequester (abgestorbener Knochenteile), welche als infizierter Fremdkörper wirken und dazu führen, dass ein vorhandener Infekt weiterbesteht. Grundsätzlich ist eine Ausheilung solcher Infektionen möglich, wobei der Übergang der reinen Knocheninfekte (Osteomyelitis oder Osteitis) in eine chronisch-wiederkehrende Form häufig ist. Durch Veränderungen der Stoffwechselaktivität der Keime, insbesondere der Staphylokokken, die lange Zeit innerhalb körpereigener Zellen überleben können, ist ein Wiederauftreten der Infektion auch nach Jahren und Jahrzehnten noch möglich.
Auch Gelenke werden auf diesem Wege von Bakterien befallen. Hierbei kommt es zu einer Vermehrung der Bakterien in der Gelenkinnenhaut, unter Umständen mit Eiterbildung als sogenanntem Gelenkempyem. Schlecht durchblutete Gewebe wie Bänder, Knorpel und Menisken können im fortgeschrittenen Fall tief von Mikroabszessen (kleine Eiteransammlungen) durchzogen sein und den Fortbestand der Infektion bewirken. Bei chronischem Fortbestehen ist ein Übergreifen auf den Knochen möglich. Hat ein Patient ein Implantat, wie zum Beispiel eine Endoprothese, ist eine vielfach geringere Bakterienanzahl nötig, um einen Infekt auszulösen. Problematisch ist in diesen Fällen die Bildung eines sogenannten Biofilms auf den Implantaten durch die Bakterien. Dieser bewirkt eine Abkapselung der Bakterien, sodass die Zellen des Immunsystems als auch Antibiotika die Keime nicht erreichen können.
Durchführung
Gelenkinfekte erfordern ein rasches und konsequentes Handeln. Grundsätzlich ist die operative Therapie bei Infektionen in ihrer Radikalität der Tumorchirurgie ähnlich. Entsprechend steht bei Knocheninfektionen die Ausräumung des Sequesters an erster Stelle der operativen Therapie sowie die Wiederherstellung einer optimalen Durchblutungssituation. Bei Infektionen von Gelenken, in denen sich keine Implantate, also Fremdkörper befinden, ist die arthroskopische (minimalinvasive) Sanierung ein sicheres Verfahren. Bereits im Verdachtsmoment kann sie zum Einsatz kommen und so bei früher Behandlung zu einem guten funktionellen Ergebnis führen. Insbesondere bei Kindern kann eine septische Arthritis bei verzögerter Diagnose durch Zerstörung des Gelenkes zu schwerwiegenden Folgezuständen führen. In schweren Fällen kann es sinnvoll sein sogenannte Etappenlavagierungen durchzuführen. In diesen Fällen wird bei der Erst-OP bereits ein erneuter Termin für zwei bis drei Tage später festgelegt. Sollte sich nach drei bis vier arthroskopischen Spülungen kein ausreichender Therapieerfolg einstellen, sollte ein offenes Vorgehen gewählt werden, in welchem die komplette Gelenkinnenhaut entfernt und die schlecht ernährten (bradytrophen) Gewebe entfernt werden müssen. Zusätzlich zu den operativen Maßnahmen ist eine lokale und systemische Antibiotikatherapie durchzuführen. Diese wird je nach Schweregrad der Infektion mit einem einzelnen oder einer Antibiotikakombination durchgeführt und zunächst bei unbekanntem Keim breit angelegt, um eine antibiotische Wirkung zu erzielen. Ist der Keim mit seinen Resistenzen bekannt, wird die Therapie auf entsprechende, in diesem Fall wirksame Antibiotika umgestellt.
Erfolgsaussichten
Für die Erfolgsaussichten gilt bei allen Infektionen: je früher eine Infektion entdeckt und entsprechend gründlich therapiert wird, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Aufgrund der Überlebenstechniken der Keime ist der Übergang in eine chronisch-wiederkehrende Form bei der exogenen Form der Osteomyelitis häufig, ein Wiederauftreten ist auch noch nach Jahren und Jahrzehnten möglich. Auch bei Infekten von prothesenversorgten Gelenken ist der Zeitpunkt der Diagnosestellung entscheidend: je früher der Infekt operativ angegangen werden kann, desto besser sind die Erfolgsaussichten, das Implantat erhalten zu können. Bei reifem Biofilm (nach circa drei bis vier Wochen) muss die Prothese entfernt werden, da die Bakterien in ihrem Biofilm nicht mehr von der Prothese gelöst werden können und der Infekt somit bestehen bleiben würde.
Literatur und weiterführende Links
Hendrich, Christian / Frommelt, Lars / Eulert, Jochen: Septische Knochen- und Gelenkchirurgie. Berlin: Springer-Verlag, 2004.
Hofmann, Gunther O.: Infektionen der Knochen und Gelenke. München: Urban & Fischer, 2004.
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Thema septische Knochen-, Gelenk- und Weichteilchirurgie
Was ist septische Chirurgie?
Septische Chirurgie, insbesondere im Bereich von Knochen, Gelenken und Weichteilen, befasst sich mit der operativen Behandlung von Infektionen im Bewegungsapparat. Dies umfasst Eingriffe bei Infektionen in:
- Knochen (Osteomyelitis)
- Gelenken (septische Arthritis)
- Wirbelsäule (Spondylitis, Spondylodiszitis)
- Weichteilen
- Infektionen im Zusammenhang mit Gelenkprothesen
Das Ziel ist es, Infektionen zu beseitigen und die Funktion des Bewegungsapparates wiederherzustellen.
Was sind die häufigsten Ursachen für septische Zustände?
- Bakterielle Infektionen, insbesondere durch Staphylococcus aureus und Streptococcus-Arten
- Direkte Kontamination während chirurgischer Eingriffe, Injektionen oder Unfälle
- Hämatogene Ausbreitung von Infektionen aus anderen Körperteilen
- Seltener: Virus- und Pilzinfektionen, besonders bei immungeschwächten Personen
Risikofaktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, bestehende Gelenkerkrankungen und kürzlich durchgeführte Operationen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für septische Zustände.
Welche Symptome deuten auf einen septischen Zustand hin?
- Fieber und Schüttelfrost
- Starke Schmerzen und Schwellungen im betroffenen Bereich
- Rötung und Überwärmung der Haut über dem betroffenen Bereich
- Eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks oder Körperteils
- Allgemeines Krankheitsgefühl, Schwäche und Müdigkeit
Wie werden septische Zustände diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus:
- Klinischer Untersuchung: Anamnese und körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchungen: Bestimmung von Entzündungsmarkern wie CRP und PCT
- Bildgebende Verfahren: Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT
- Kultur und Biopsie: Gelenkpunktion oder Gewebeproben zur Erregeridentifikation
- Schnelltests: Molekulare PCR-Tests für eine schnelle Pathogenidentifikation
Welche Behandlungsmethoden gibt es?
- Antibiotikatherapie: Gezielte Behandlung basierend auf Erregeridentifikation
- Chirurgische Eingriffe: a) Debridement: Entfernung von infiziertem oder nekrotischem Gewebe, b) Drainage von Eiteransammlungen, c) In schweren Fällen: Rekonstruktive Chirurgie oder Gelenkersatz
- Supportive Maßnahmen: Volumenersatz und ggf. Vasopressoren bei septischem Schock
Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?
- Ausbreitung der Infektion auf andere Körperteile, möglicherweise bis zur Sepsis
- Chronische Schmerzen und dauerhafte Funktionseinschränkungen
- Erhebliche Gewebeschäden, die weitere chirurgische Eingriffe erfordern können
- Verzögerte Heilung und verlängerte Rehabilitationszeiten
- Rezidive der Infektion
Wie kann man septischen Zuständen vorbeugen?
- Führen einer gesunden Lebensweise zur Stärkung des Immunsystems
- Impfungen gegen bestimmte bakterielle Infektionen
- Gute Hygiene und sorgfältige Wundpflege
- Früherkennung und Behandlung von Infektionen
- In bestimmten Fällen: Prophylaktische Antibiotikagabe
- Raucherentwöhnung zur Verbesserung der Immunfunktion und Wundheilung
Wie lange dauert die Rehabilitation nach einer septischen Operation?
Die Rehabilitationsdauer kann stark variieren und hängt von Faktoren wie der Schwere der Infektion, dem betroffenen Bereich und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. In der Regel kann die vollständige Genesung mehrere Wochen bis Monate dauern. Eine intensive physiotherapeutische Betreuung ist oft notwendig, um die Funktion des betroffenen Bereichs wiederherzustellen.
Wer führt septische Chirurgie durch?
Septische Chirurgie wird von spezialisierten Chirurgen durchgeführt, oft in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Team. Dieses Team kann Fachärzte aus den Bereichen Orthopädie, Infektiologie, Mikrobiologie, Radiologie, Innere Medizin, Schmerztherapie und Physiotherapie umfassen. Die Komplexität septischer Zustände erfordert oft einen ganzheitlichen Behandlungsansatz.