
Für den Wintersport sind die Deutschen bereit, viel Geld auszugeben: jährlich etwa 16,4 Milliarden Euro. Bezogen auf alle Sportarten mit 83,4 Milliarden Euro ist das ein Anteil von etwa 20 %. Von der deutschsprachigen Bevölkerung über 14 Jahre betreiben über eine Million Menschen regelmäßig alpinen Skisport und etwa 600.000 fahren Snowboard. Leider kommt es auf den Pisten täglich zu Unfällen mit z. T. schweren Verletzungen.
Unfallstatistik und aktuelle Trends
Im Januar 2026 wurden von der Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) der ARAG in Kooperation mit der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) die Zahlen und Trends der Saison 2024/2025 veröffentlicht. Laut Hochrechnungen wurden mehr als 51.000 Skisportler ärztlich versorgt, ein weiterer Anstieg im Vergleich zur Vorsaison und Fortsetzung eines mehrjährigen Trends. 62,4 % aller Verletzten mussten stationär behandelt werden. Damit hat sich die Notwendigkeit einer stationären Versorgung von 1,73 pro 1.000 Sportler in der Saison 2023/2024 auf aktuell 2,03 erhöht. Das entspricht mehr als 8.400 Krankenhausaufenthalten und macht etwa 20 % aller Sportunfälle aus. Nur die Sportart Fußball ist mit 35 % verletzungsträchtiger. Die Versicherungsleistungen sind aber beim Wintersport mit rund 7.700 Euro je Skiunfall am höchsten.
Verletzungsmuster bei Frauen und Männern
Jede zweite Skisportverletzung (50,4 %) musste operativ versorgt werden. 63,1 % der Verletzten war arbeitsunfähig. Bei ihnen stieg die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit von 30 Tagen in der Vorsaison auf aktuell 39 Tage an. Das Verletzungsmuster unterscheidet sich bei Frauen und Männern. Statistisch erfasst wurden Sportlerinnen und Sportler ab 15 Jahren. Laut ASU und SIS sind bei Frauen in 37,3 % aller Unfälle die Kniegelenke betroffen, 11,6 % Schultern, 11,3 % Hüften/Oberschenkel, 8,4 % Unterschenkel, 7,1 % Rumpf/Wirbelsäule und mit 6,1 % der Kopf. Männer verletzen sich mit 20,7 % fast nur halb so oft an den Kniegelenken wie Frauen, aber mit 23,0 % doppelt so häufig an den Schultern. Die Unterschiede bei Frauen und Männern sind bezüglich der Kniegelenke vor allem auf die muskuläre Stabilisierung zurückzuführen. Da Männer im allgemeinen risikobereiter sind und schneller fahren, verletzen sie sich deutlich häufiger an den Schultern, an der Wirbelsäule und am Kopf.
Ursachen und typische Unfallhergänge
Die Vermeidung von Verletzungen ist von zentraler Bedeutung. Gut 79 % der Unfälle sind selbstverschuldet, knapp 21 % ereignen sich durch Kollisionen. Nicht selten werden Sportler im Stehen von anderen umgefahren. Ursachen sind volle Pisten, ungenügendes Können und zu hohe Geschwindigkeiten bei schlechter Sicht. Die Hälfte aller Skifahrer verunfallt in den ersten beiden Tagen. Besonders nachmittags, wenn Kraft und Ausdauer nachlassen, steigt das Unfallrisiko. Selbstüberschätzung ist ein wesentlicher Faktor für Stürze. Auch ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig – Alkohol sollte dabei aber tabu sein.
Prävention: Vorbereitung und Training
Verletzungsprävention beginnt aber bereits viel früher, nicht erst am Ferienort. Sechs bis acht Wochen vor dem geplanten Urlaub sollten Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke auf die speziellen Belastungen vorbereitet werden. Der Begriff „Skigymnastik“ steht für ein systematisches Training zum Aufbau von Kraft, Kraftausdauer, Gelenkigkeit und Koordination. Weiterhin sollte die kardiopulmonale Ausdauerleistungsfähigkeit verbessert werden.
Ausrüstung und technische Vorbereitung
Wer eine eigene Ausrüstung besitzt, muss den technischen Zustand der Ski oder des Snowboards und der Bindungen gewährleisten. Bindungen sollten von Fachpersonal auf das eigene Körpergewicht, das Fahrkönnen und das Alter eingestellt werden. Auch Ski- bzw. Snowboardschuhe sollten rechtzeitig überprüft werden. Zur eigenen Ausrüstung gehören ein gutsitzender Helm nach EU-Norm EN 1077 bzw. CE-Zertifizierung und ein Rückenprotektor.
Gesetzliche Vorgaben und Sicherheitsregeln
Während es in Deutschland, Frankreich und der Schweiz keine Helmpflicht gibt, gilt sie in vielen österreichischen Bundesländern, in Slowenien, Kroatien, Polen und seit 2025 generell in Italien. Italien hat zudem eine Promille-Grenze und eine Pflicht zur Haftpflichtversicherung eingeführt.
Praktische Tipps für mehr Sicherheit
Helme und Rückenprotektoren sollten nach einem heftigen Aufprall überprüft und gegebenenfalls ersetzt werden. Besonders für Snowboarder sind zusätzlich Handgelenkschützer zu empfehlen. Vor der ersten Abfahrt ist Aufwärmen wichtig, ebenso wie das Kennen der 10 FIS-Pistenregeln. Wer eine Pause benötigt, sollte sich am Rand der Piste aufhalten, da die meisten Unfälle in der Pistenmitte passieren.
Versicherungen: Wichtiger Schutz im Ernstfall
Private Haftpflicht-, Unfall- und Auslandskrankenversicherungen sind unbedingt zu empfehlen. Eine Unfallversicherung sollte die Kosten für Suche, Rettung und Bergung einschließen. Wer teures Sportgerät besitzt, kann es speziell gegen Bruch, Diebstahl und andere Schäden versichern.
10 Tipps für mehr Sicherheit und weniger Skiunfälle im Überblick:
- Ausrüstung regelmäßig überprüfen: Lassen Sie Ski, Bindungen und Helme vor Saisonbeginn von Profis kontrollieren.
- Helm tragen: Ein Skihelm schützt effektiv vor Kopfverletzungen – verzichten Sie nie darauf.
- Aufwärmen nicht vergessen: Bereiten Sie Muskeln und Gelenke mit gezielten Übungen auf die Belastung vor.
- Eigenes Können realistisch einschätzen: Wählen Sie nur Pisten, die Ihrem Fahrkönnen entsprechen.
- Die FIS-Pistenregeln beachten: Halten Sie Abstand, überschätzen Sie nicht Ihre Geschwindigkeit, und achten Sie auf andere Wintersportler.
- Alkohol meiden: Verzichten Sie während des Skitags auf Alkohol, um Ihre Reaktionsfähigkeit nicht zu beeinträchtigen.
- Pausen einlegen: Gönnen Sie sich regelmäßige Erholungsphasen, um Konzentration und Kraft zu bewahren.
- Wetter- und Lawinenlage prüfen: Informieren Sie sich vorab über die Bedingungen und passen Sie Ihre Pläne entsprechend an.
- Geeignete Schutzkleidung tragen: Rückenprotektoren und passende Skibekleidung minimieren das Verletzungsrisiko erheblich.
- Versicherungsschutz überprüfen: Sorgen Sie für einen ausreichenden Unfall- und Auslandsschutz, damit Sie im Ernstfall gut abgesichert sind.
Die Deutsche Kniegesellschaft bietet auf Ihrer Website ein kostenloses Präventionstraining für SkifahrerInnen an. Dieses Muskel- & Koordinationstraining empfiehlt sich in den Wochen vor dem Skiurlaub. Das 20 Minuten Training macht Spass und bereitet auf die schönsten Wochen im Jahr vor.
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