Glätteunfälle als Warnsignal: Knochengesundheit rechtzeitig prüfen

Ein Sturz auf glattem Untergrund kann mehr sein als nur Pech. Besonders im Winter führen Glätteunfälle häufig zu Knochenbrüchen – vor allem bei älteren Menschen. Passiert ein Bruch bereits nach einem Sturz aus dem Stand, deutet das häufig auf eine verminderte Knochenstabilität und damit auf eine mögliche Osteoporose hin. Solche Frakturen sind medizinisch betrachtet oft kein Zufall, sondern ein deutliches Warnsignal.
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Wird die zugrunde liegende Osteoporose nicht erkannt und behandelt, steigt das Risiko für weitere Brüche deutlich – besonders in den ersten ein bis zwei Jahren nach dem ersten Ereignis.

Was ist Osteoporose?

Bei Osteoporose sind Knochenmasse und -qualität verringert. Die Knochen werden porös und bruchanfällig. Ein vermeintlich „banaler“ Bruch kann das erste Anzeichen für diese Erkrankung sein. Deshalb ist es wichtig, nach einem Knochenbruch nicht nur den Bruch selbst zu versorgen, sondern der Ursache auf den Grund zu gehen.

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Frauen nach den Wechseljahren und ältere Männer. Auch hormonelle Erkrankungen sowie eine längerfristige Einnahme von Kortison können die Knochengesundheit beeinträchtigen. Mit zunehmendem Alter kommen weitere Risikofaktoren hinzu, etwa Muskelabbau, Gleichgewichtsprobleme und Seheinschränkungen. All dies erhöht das Sturz- und damit das Frakturrisiko.

Warum die internistische Anschlussversorgung so wichtig ist

Nach einer Fraktur wird der Knochen meist chirurgisch gut versorgt. Genauso wichtig ist jedoch die internistische Anschlussversorgung. In der Praxis bleibt diese Abklärung häufig aus, obwohl sie entscheidend ist, um eine Osteoporose frühzeitig zu erkennen und weitere Brüche zu verhindern. Eine umfassende Abklärung umfasst die Erhebung der Krankengeschichte, eine gründliche körperliche Untersuchung, Funktionstests zur Beurteilung von Gangbild, Gleichgewicht und Muskelkraft, eine Knochendichtemessung (DXA), Laboruntersuchungen beispielsweise zu Vitamin D und Kalzium sowie die Bewertung individueller Risikofaktoren und Vorerkrankungen. Erst aus diesem Gesamtbild lässt sich das persönliche Frakturrisiko verlässlich einschätzen.

Behandlung: Mehr Stabilität für den Knochen

Eine frühzeitige medikamentöse Behandlung der Osteoporose senkt nachweislich das Risiko für weitere Frakturen. Je nach Befund kommen Tabletten, Spritzen oder Infusionen in Frage, die den Knochenaufbau fördern oder den Knochenabbau bremsen. Ergänzend ist eine knochengesunde Lebensweise unverzichtbar. Dazu gehört eine ausreichende Kalziumzufuhr über die Ernährung, eine optimale Versorgung mit Vitamin D – über Sonnenlicht und bei Bedarf mit Präparaten nach ärztlicher Empfehlung – sowie regelmäßige körperliche Aktivität. Besonders wirksam ist eine Kombination aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining, etwa zügiges Gehen, Treppensteigen, gezielte Kraftübungen und Balance-Training. So lassen sich Stürze vermeiden und die Knochen langfristig stärken.

Sturzprävention im Winter: Alltag sicher gestalten

Im Winter lohnt sich besondere Vorsicht. Rutschfeste Schuhe mit gutem Profil geben Halt, bei stark vereisten Wegen können zusätzliche Spikes sinnvoll sein. Kurze, kontrollierte Schritte, freie Hände und die Nutzung von Geländern erhöhen die Sicherheit. Wer eine Gehhilfe benötigt, profitiert von einem Stock mit Eiskralle oder einem Rollator mit geeigneten Reifen. Gut beleuchtete Wege und gestreute Hauseingänge verringern die Rutschgefahr. Ein aktueller Sehtest hilft, Hindernisse frühzeitig zu erkennen. Auch die Wohnung sollte sicher gestaltet sein: lose Teppiche fixieren, Stolperfallen entfernen und Haltegriffe anbringen. Lassen Sie Medikamente, die Schwindel auslösen können, ärztlich überprüfen.

Was Sie jetzt tun können

Nach jedem Knochenbruch oder nach wiederholten Stürzen sollten Sie zeitnah einen Termin in der Hausarztpraxis oder bei einer Internistin bzw. einem Internisten vereinbaren, um die Knochengesundheit abklären zu lassen. Eine Knochendichtemessung und passende Laboruntersuchungen schaffen Klarheit. Beginnen Sie mit einem auf Sie abgestimmten Bewegungsprogramm und sichern Sie Ihre Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung. Planen Sie regelmäßige Verlaufskontrollen, insbesondere in den ersten ein bis zwei Jahren nach einer Fraktur, wenn das Risiko für weitere Brüche am höchsten ist.

Ein Bruch im Winter ist nicht nur ein Unfall – er kann ein Warnsignal sein. Wer die Knochengesundheit früh prüfen und behandeln lässt, verhindert weitere Frakturen und bleibt länger mobil und unabhängig.

Quelle: Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU e.V.)

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