
„Gärtnern bedeutet ja nicht nur Unkraut zupfen“, erklärt Dr. Jäger. „Es ist eine Kombination aus aktivem Training und Naturerfahrung, die chronische Schmerzen lindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern kann.“ Besonders wichtig sei dabei die richtige Körperhaltung, um Überlastungen zu vermeiden. „Ich zeige Patienten, wie sie ihre Haltung anpassen können, um auch längere Zeit in einer Position zu verharren, ohne Beschwerden zu bekommen.“
Die Idee hinter dem Konzept
Dr. Jäger entwickelte das Konzept des orthopädischen Gärtnerns aus eigener Erfahrung: „Ich habe selbst gemerkt, wie positiv sich bestimmte Bewegungen im Garten auf den Bewegungsapparat auswirken können.“ Inspiriert wurde er dabei auch von Moritz Schreber, dem Namensgeber der Schrebergärten. Schreber erkannte bereits im 19. Jahrhundert, wie wichtig der Aufenthalt im Freien für die Gesundheit ist – insbesondere für den Vitamin-D-Stoffwechsel, der nicht nur für die Knochen, sondern auch für die Muskulatur essenziell ist.
Das Konzept wurde bereits erfolgreich in einer Klinik umgesetzt, in der Dr. Jäger arbeitete. Dort leitete er eine Gruppe von Patienten mit Knie- und Rückenbeschwerden bei der Gartenarbeit an. „Wir haben zunächst gymnastische Übungen gemacht, um die Belastbarkeit zu steigern, und dann im Garten gearbeitet“, berichtet er. Die Ergebnisse waren beeindruckend: Die Patienten hatten weniger Schmerzen, fühlten sich stabiler und konnten alltägliche Bewegungen wieder sicherer ausführen. „Hinzu kam das gute Lebensgefühl, das die Teilnehmer durch die Arbeit in der Natur hatten.“
Häufige Fehler beim Gärtnern
Doch auch beim Gärtnern gibt es Stolperfallen. „Der größte Fehler ist, sich zu sehr auf eine Tätigkeit zu fokussieren“, warnt Dr. Jäger. „Wer zum Beispiel stundenlang Hecken schneidet, ohne Pausen einzulegen oder die Haltung zu wechseln, riskiert Verspannungen.“ Er empfiehlt, Tätigkeiten abzuwechseln, auf die eigenen Grenzen zu achten und regelmäßig Pausen einzulegen.
Ein Warm-up vor der Gartenarbeit kann helfen, Verletzungen vorzubeugen. „Man kann Gartengeräte wie Harke oder Rechen nutzen, um sich mit beiden Händen nach oben zu strecken oder die Rumpfmuskulatur zu aktivieren“, rät Dr. Jäger. Auch stabiles Schuhwerk sei wichtig: „Viele tragen im Garten alte, abgelaufene Schuhe – das ist genau das Falsche.“
Gartenarbeit statt Fitnessstudio
Gartenarbeit kann das Fitnessstudio durchaus ersetzen. „Sie stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und trainiert die Kondition“, erklärt Dr. Jäger. Zudem bietet sie Vorteile, die ein Fitnessstudio nicht hat: „Sonnenlicht fördert die Bildung von Vitamin D und wirkt sich positiv auf den Serotoninhaushalt aus, was einen antidepressiven Effekt hat. Außerdem reduziert die Ruhe der Natur Stress.“
Was tun bei Schmerzen nach der Gartenarbeit?
Wenn sich nach der Gartenarbeit Schmerzen bemerkbar machen, hat Dr. Jäger einfache Tipps: „Bei Kniebeschwerden helfen kühlende Maßnahmen oder das sogenannte Kniependeln, bei dem man die Beine locker hängen lässt und vorsichtig pendelt. Rückenschmerzen lassen sich oft durch das Hochlegen der Beine oder Wärmeanwendungen lindern.“ Sollten die Beschwerden länger anhalten, empfiehlt er, einen Orthopäden aufzusuchen.
Gartenarbeit ist nicht nur gut für die Pflanzen, sondern auch für Körper und Seele. Mit der richtigen Technik und Vorbereitung wird sie zur effektiven Therapie, die Schmerzen lindert, die Beweglichkeit verbessert und das Wohlbefinden steigert. Dr. Arne-Björn Jäger zeigt, wie wir die Natur für unsere Gesundheit nutzen können – und dabei noch ein blühendes Paradies schaffen.