Faszination Marathon

Stadtväter scheinen es heute als Qualitätskriterium für ihre Kommune anzusehen, einmal im Jahr einen Marathon auszurichten. Warum hat dieser Lauf, der bis vor nicht allzu langer Zeit einer als verschroben geltenden Gruppe gesellschaftlicher Außenseiter vorbehalten schien, einen solchen Siegeszug angetreten? Was bringt Menschen dazu, sich freiwillig dieser Strapaze zu unterziehen?
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Marathon polarisiert. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die nicht darüber reden, sondern einfach irgendwann beschlossen haben, 42,2 Kilometer laufen zu wollen und dafür zu trainieren. Denen gegenüber stehen die Nicht-Marathonis, die eine Vielzahl von Argumenten auftischen, um nachzuweisen, dass sich diese Freizeitbeschäftigung für sie nachgerade verbietet.

Womöglich haben sie aus irgendwelchen Gründen Recht; womöglich suchen sie auch bloß nach einer Rechtfertigung dafür, dass sie dieser körperlichen Herausforderung bislang ausgewichen sind.

Der Respekt vor dem Außergewöhnlichen

In allen Wertungen, die abgegeben werden, und zwar unabhängig davon, ob sie pro oder contra Marathon lauten, steckt immer das Gleiche: eine gehörige Portion Respekt. Vor der Leistung, dem Anlass, der Aufgabe als solcher.

Offensichtlich gibt der Marathon den Menschen etwas, das sonst schwer zu bekommen ist. Etwa die Möglichkeit, Außergewöhnliches zu erreichen? Die Identifikation mit der aus eigener Kraft erbrachten Leistung, das Bad in der Menge, die gesellschaftliche Anerkennung? Immer scheint der Marathon mit einer Steigerung des Selbstwertgefühls einherzugehen, ebenso wie mit dem Muskelkater in der darauf folgenden Woche.

„Aber das kann doch nicht gesund sein?!“, lautet eine dem Sportmediziner oft gestellte Frage. Die Antwort ist simpel. Nein, der Marathonlauf an sich ist nicht gesund. Es sei uns jedoch eine Gegenfrage gestattet: Muss er das denn? Reicht es nicht, dass Marathonlaufen vielen Menschen offensichtlich großen Spaß bereitet? Mit anderen Sportarten verhält es sich ähnlich. Spielen Menschen Fußball, weil sie wissen, dass schon 500 durch Bewegung verbrauchte Kalorien pro Woche zu nachweislich positiven Wirkungen für Herz und Kreislauf führen? Sicherlich nicht.

Würden weniger Menschen Fußball spielen, wenn man sie mit der unangenehmen Botschaft konfrontierte, dass sie ein extrem hohes Risiko für Gelenkschäden bis hin zur schweren Arthrose insbesondere von Hüft-, Knie- und Sprunggelenken auf sich nehmen? Wohl kaum. Die Motivation des Fußballers liegt in der Faszination dieses Spiels; darin, sich auszutoben, den Ball zu beherrschen, zu grätschen und zu flanken, die gegnerische Mannschaft zu besiegen – nicht in gesundheitlichen Effekten.

Laufen ist gesund

Warum muss also der Marathonlauf gesund sein? Vermutlich aufgrund der Tatsache, dass Laufen an sich als gesund bekannt ist. Es gehört heute schon fast (oder besser: leider nur fast) zur Allgemeinbildung, dass Bewegung und insbesondere Laufen die wirkungsvollste Maßnahme gegen die wichtigsten und häufigsten Zivilisationserkrankungen ist.

„Dann müsste der Marathon doch auch gesund sein?“ Nein, ist er nicht. Er ist zu lang und damit unbekömmlich für Sehnen und Muskeln und auch das Immunsystem. Doch zum Glück läuft der Marathonläufer nicht jeden Tag einen Marathon. An den meisten Tagen im Jahr begnügt er sich mit sehr menschlichen Distanzen von zehn, zwölf, vielleicht 15 Kilometern. Und diese Läufe sind ganz zweifellos gesund. Sehr sogar. Um ein Vielfaches gesünder, als nicht zu laufen.

Geht immer und überall

Darum sind viele Menschen, denen das Sozialprestige des Marathonläufers gleichgültig ist, damit zufrieden, sich durch das Laufen fit und in Form zu halten. Es ist erstaunlich, wie viele Gleichgesinnte sich heutzutage auf den beliebtesten Laufstrecken großer Städte tummeln: entlang der Alster in Hamburg, im Berliner Tiergarten, durch den Kölner Stadtwald, im Münchner Englischen Garten etc.

Hier bewährt sich das Einfache und Wirksame. Laufen kann man immer: morgens wie abends, in der Mittagspause und zur Not auch zu nachtschlafener Zeit. Laufen kann man überall: daheim und auf Reisen, am Meer, in den Bergen und durchaus auch in der Stadt. Die Ausrüstung ist vergleichsweise simpel und kostengünstig, viele Trainerstunden sind nicht nötig, wenn man einigermaßen vernünftig und mit dosiertem Ehrgeiz an die Sache herangeht.

Wir sollten nicht vergessen, dass der Mensch auch ohne technologische Tests und Hilfsmittel funktioniert. Er muss lediglich seinen Verstand einsetzen. Wer sich schlecht fühlt, gar Fieber hat, sollte nicht laufen. Der Anfänger sollte sich wie ein Anfänger verhalten, also langsam laufen und nicht allzu weit. Wir wissen, dass der Durchschnittsdeutsche heute pro Tag zwischen 400 und 700 Meter täglich zu Fuß zurücklegt.

Für seine Gesundheit ist das viel zu wenig! Schon ein lockerer Lauf von ein bis zwei Kilometern führt bereits zu einer Verdopplung bis Vervierfachung der täglichen durchschnittlichen Gehstrecke. Für den Anfänger ein beachtenswertes Resultat. Es müssen nicht gleich zehn Kilometer sein. Und auch schnelles Tempo, welches das Herz rasen lässt und den Blutdruck in die Höhe treibt – und einem dabei den Spaß raubt – ist nicht nötig.

Laufen bietet viel: viel Raum zur Steigerung. Von dem einen, winzigen Anfänger-Kilometer bis hin zur Marathondistanz. Wenn man nicht gleich alles auf einmal will, bekommt man am Ende mehr. Laufen ist darüber hinaus einfach und macht riesigen Spaß. Darum ist es eine Volksbewegung. Darum laufen viele Menschen. Darum sollten auch wir laufen.

Ärzte mit der Spezialisierung Sportmedizin in der Umgebung von Ashburn

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