
Definition
Der Hüftschnupfen auch bekannt unter Coxitis fugax ist eine abakterielle, keimfreie Entzündung des Hüftgelenks im Kindesalter und heilt in der Regel folgenlos aus.
Anamnese und Infektionsweg
Häufig litt das Kind zuvor an einem Virusinfekt im Nasen-Rachen-Raum oder im Magen-Darm-Trakt. Typischerweise tritt die Erkrankung zwei bis drei Wochen nach einem Infekt des Nasen-Rachen-Raumes auf. Betroffen sind vor allem Kinder im Kleinkindalter, da in diesem Alter Infekte wie Schnupfen und Husten bei engem Kontakt zu anderen Kindern häufig auftreten. Viren verbreiten sich generell durch ‚Tröpfchenübertragung‘ im Nasen- Rachen-Raum beziehungsweise durch Schmierinfektionen über Hände und Mund. Über den Blutweg gelangen diese Viren in das Hüftgelenk, da bis zum 3. Lebensjahr die fugenkreuzenden Gefäße noch geöffnet sind. Es können jedoch auch ältere Kinder im Vorschul- und Grundschulalter betroffen sein. Die Erkrankung kommt nicht familiär gehäuft vor und es besteht keine Ansteckungsgefahr.
Klinik
Gewöhnlich tritt der Hüftschnupfen einseitig auf. Dies trifft für 95 % der Fälle zu. Das Kind klagt plötzlich über Schmerzen in der Leiste und die aktive Beweglichkeit des betroffenen Hüftgelenks ist deutlich eingeschränkt. Dies kann in einem hinkenden Gangbild resultieren, das Kind möchte getragen werden. Der Schmerz strahlt in den gleichseitigen Oberschenkel und das gleichseitige Kniegelenk aus. Das Kind ist fieberfrei und wirkt ansonsten nicht krank.
Diagnostik
Arthrosonographie
Auf jeden Fall sollte eine Arthrosonographie (Ultraschalluntersuchung) durchgeführt werden, um einen Gelenkerguss, eine Flüssigkeitsansammlung zwischen Kapsel und Femurknochen nachzuweisen. Diese Untersuchung ist für das Kind nicht belastend, da nicht schmerzhaft und ohne jegliche Strahlenbelastung. Als positiven Nebeneffekt wird das kühlende Ultraschallgel als angenehm empfunden.
Labor
Mittels einer Laboruntersuchung (Blutbild, C-reaktives Protein und Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit) kann eine Entzündung diagnostiziert werden.
Röntgen
Röntgenuntersuchung sind nicht zwingend erforderlich und sollten auf das Notwendigste beschränkt bleiben. Mittels Röntgenuntersuchung werden im Verlauf andere kindliche Hüfterkrankungen, z.B. Hüftdysplasie, Coxa valga et antetorta, Morbus Legg-Calve-Perthes oder beim älteren Kind auch eine Epiphysenfugenlösung (Epiphyseolysis capitis femoris acuta bzw Epiphyseolysis capitis lenta) ausgeschlossen.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Diese Untersuchung bringt im akuten Zustand keine zusätzliche Information, die nicht auch durch Zuhören, klinische Untersuchung, Labordiagnostik und Arthrosonographie erbracht werden kann.
Außerdem steht diese Untersuchung nicht jederzeit zur Verfügung. Der Arzt, die Ärztin und die Eltern erhalten nicht sofort eine Diagnose, wie dies bei der Arthrosonographie der Fall ist. Kleinkinder oder Kinder im Vorschulalter haben oft Angst in einem MRT und müssten medikamentös sediert, ‚ruhiggestellt‘, werden. MRT Untersuchungen sind hilfreich im Verlauf, sofern es bei persistierenden also bleibenden Beschwerden über 14 Tage
Differentialdiagnose / andere Erkrankungen am Hüftgelenk
Bleibt die Symptomatik über 14 Tage bestehen, müssen weitere Untersuchungen erfolgen und wie bereits unter Röntgen beschrieben Differentialdiagnosen auf kinderorthopädischem Gebiet ausgeschlossen werden. Diese kindlichen Hüfterkrankungen sind wachstumsbedingt. Folgen von Traumen, z.B. Knochenbrüche können vorliegen. Bei Morgensteifigkeit oder andere entzündlichen Gelenkmanifestationen oder Organbeteiligungen sollten kinderrheumatologische Erkankungen ausgeschlossen werden. Reaktive Arthritiden nach anderen Infektionen, z.B. durch einen Zeckenbiß verursacht, Salmonellosen, etc. und Tumoren sollten pädiatrisch ausgeschlossen werden.
Therapie
Je nach Laborergebnis und abhängig von der schmerzhaften Situation kann eine Gelenkpunktion des Hüftgelenks hilfreich sein. Zum einen ist diese für das Kind entlastend, da sich die Schmerzen reduzieren. Zum anderen kann ein bakterieller Infekt ausgeschlossen werden, die Gelenkflüssigkeit kann auf pathogene Keime, Bakterien, etc. untersucht werden.
Der banale Hüftschnupfen heilt in der Regel innerhalb von 10-14 Tagen folgenlos aus.
Eine Ruhigstellung mittels Teilbelastung an UA-Gehstützen kann schmerzlindernd helfen, ist jedoch meist erst im Vorschulalter / Grundschulalter möglich. Hilfreich sind Schmerzmittel wie Paracetamol oder auch Antiphlogistika wie Nurofen Saft gewichtsadaptiert, nach Maßgabe des behandelnden Arztes bzw. der behandelnden Ärztin in der Regel über 7 Tage und Sportkarenz.
Nach dreiwöchiger Schonung oder 5 Tage nach Absetzen der siebentägigen antiphlogistischen Therapie sollte eine Arthrosonographie im Verlauf durchgeführt werden. Bei weiterhin nachweisbarem Gelenkerguß sollte ein MRT durchgeführt werden.
So spontan wie der Hüftschnupfen aufgetreten ist, so spontan klingt er auch wieder ab.
FAQ - Häufig gestellte Fragen: Hüftschnupfen (Coxitis fugax)
Was ist Hüftschnupfen?
Hüftschnupfen, in der Fachsprache auch als transiente Synovitis der Hüfte bekannt, ist eine akute, unspezifische Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovium) des Hüftgelenks. Es handelt sich um eine vorübergehende Erkrankung, die sich durch plötzlich auftretende Hüftschmerzen und Hinken auszeichnet. Hüftschnupfen tritt am häufigsten bei Kindern auf und ist tatsächlich die häufigste Ursache für Hüftschmerzen bei Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren.
Was sind die Ursachen von Hüftschnupfen?
Die genaue Ursache von Hüftschnupfen ist nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die mit dem Auftreten in Verbindung gebracht werden:
- Virale Infektionen: Häufig geht dem Hüftschnupfen eine virale Infektion voraus, wie z.B. eine Erkältung, eine Infektion der oberen Atemwege oder Durchfall.
- Immunreaktion: Einige Theorien gehen davon aus, dass Hüftschnupfen eine Immunreaktion auf diese Infektionen sein könnte.
- Geringfügige Verletzungen: In manchen Fällen können kleine Verletzungen im Hüftbereich die Erkrankung auslösen.
- Allergische Reaktionen: Es besteht die Möglichkeit, dass allergische Reaktionen eine Rolle bei der Entwicklung von Hüftschnupfen spielen.
Es ist wichtig zu beachten, dass der genaue Mechanismus, wie diese Faktoren zur Hüftentzündung führen, noch nicht vollständig verstanden ist.
Welche Symptome treten bei Hüftschnupfen auf?
Die Symptome des Hüftschnupfens treten in der Regel plötzlich auf und können Folgendes umfassen:
- Plötzlich einsetzende Hüftschmerzen, oft einseitig
- Hinken oder Schwierigkeiten beim Gehen
- Weigerung, Gewicht auf das betroffene Bein zu verlagern
- Schmerzen, die in die Leiste, den Oberschenkel oder das Knie ausstrahlen können
- Eingeschränkte Beweglichkeit im Hüftgelenk
- Leichtes Fieber (bis zu 38°C) in einigen Fällen
- Bei jüngeren Kindern: vermehrtes Weinen oder Weigerung zu laufen
Es ist zu beachten, dass die Schwere der Symptome von Kind zu Kind variieren kann und nicht alle Kinder alle diese Symptome zeigen.
Wie wird Hüftschnupfen diagnostiziert?
Die Diagnose des Hüftschnupfens erfolgt hauptsächlich klinisch, basierend auf den Symptomen und der körperlichen Untersuchung. Ärzte gehen in der Regel wie folgt vor:
- Anamnese: Sie fragen nach kürzlich aufgetretenen Erkrankungen, insbesondere Virusinfektionen, und dem Beginn der Symptome.
- Körperliche Untersuchung: Diese umfasst die Beurteilung des Gangs des Kindes, des Bewegungsumfangs der Hüfte und möglicher Anzeichen von Schmerzen oder Beschwerden.
- Bildgebende Verfahren: Ärzte können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen durchführen. Ultraschall kann Flüssigkeit im Hüftgelenk nachweisen, was charakteristisch für Hüftschnupfen ist.
- Blutuntersuchungen: Diese können durchgeführt werden, um schwerwiegendere Erkrankungen wie eine septische Arthritis auszuschließen.
Es ist wichtig, Hüftschnupfen von anderen Erkrankungen zu unterscheiden, die ähnliche Symptome verursachen können, insbesondere von der septischen Arthritis, die eine sofortige medizinische Behandlung erfordert.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Hüftschnupfen?
Die Behandlung von Hüftschnupfen ist in der Regel konservativ und konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Reduzierung der Entzündung. Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten umfassen:
- Ruhe und Aktivitätsanpassung: Die primäre Behandlungsstrategie beinhaltet Ruhe und die Einschränkung von Aktivitäten, die die Symptome verschlimmern. Dies hilft, die Entzündung zu reduzieren und ermöglicht dem Hüftgelenk, sich zu erholen.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs): Medikamente wie Ibuprofen oder Naproxen werden häufig zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen im Zusammenhang mit Hüftschnupfen eingesetzt. Diese Medikamente können die Symptome lindern und die Beweglichkeit verbessern.
- Schmerzlinderung: Zusätzlich zu NSAIDs kann Paracetamol zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Beobachtung und Nachsorge: Regelmäßige Nachuntersuchungen beim Arzt sind wichtig, um den Fortschritt des Kindes zu überwachen und sicherzustellen, dass sich die Symptome bessern.
- Physiotherapie: In einigen Fällen kann Physiotherapie empfohlen werden, um die volle Beweglichkeit und Kraft im Hüftgelenk wiederherzustellen, sobald die akuten Symptome abgeklungen sind.
Es ist wichtig zu beachten, dass Antibiotika in der Regel nicht zur Behandlung von Hüftschnupfen eingesetzt werden, da es sich nicht um eine bakterielle Infektion handelt.
Wie ist die Prognose bei Hüftschnupfen?
Die Prognose für Hüftschnupfen ist im Allgemeinen ausgezeichnet. Die meisten Kinder erholen sich vollständig ohne langfristige Komplikationen. Wichtige Punkte zur Prognose sind:
- Dauer: Die Symptome bessern sich typischerweise innerhalb von ein bis zwei Wochen bei angemessener Behandlung. In einigen Fällen kann es jedoch bis zu 4-5 Wochen dauern, bis eine vollständige Genesung eintritt.
- Erholung: Die überwiegende Mehrheit der Kinder erlebt eine vollständige Genesung ohne langfristige Auswirkungen auf die Hüftfunktion oder Beweglichkeit.
- Wiederauftreten: Obwohl ein erneutes Auftreten möglich ist, ist es nicht häufig. Wenn die Symptome häufig wiederkehren, kann eine weitere Untersuchung erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Langzeitaussichten: Hüftschnupfen führt in der Regel nicht zu chronischen oder langfristigen Hüftproblemen.
Welche Komplikationen können auftreten?
Hüftschnupfen ist im Allgemeinen eine gutartige Erkrankung mit einer ausgezeichneten Prognose. Komplikationen sind selten, aber es ist wichtig, sich der folgenden Punkte bewusst zu sein:
- Anhaltende Symptome: Wenn die Symptome über den erwarteten Genesungszeitraum hinaus anhalten oder sich verschlimmern, kann eine weitere Untersuchung erforderlich sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Fehldiagnose: Die Hauptsorge besteht darin, sicherzustellen, dass Hüftschnupfen nicht mit schwerwiegenderen Erkrankungen wie einer septischen Arthritis verwechselt wird, die eine sofortige medizinische Intervention erfordert.
- Wiederauftreten: Obwohl es nicht im engeren Sinne eine Komplikation ist, können einige Kinder wiederkehrende Episoden von Hüftschnupfen erleben, die eine fortlaufende Behandlung und Überwachung erfordern können.
