
Wichtige Merkmale
- Starkes Längsgewölbe / hoher Spann; die Fußsohle zwischen Ferse und Ballen liegt häufig nicht auf.
- Gewichtsverlagerung auf Ferse und Ballen; der Fußspann kann sehr hoch sein.
Ursachen
Ein Hohlfuß (Pes cavus/excavatus) entsteht meist entweder angeboren durch ein genetisch bedingtes Muskelungleichgewicht oder erworben durch Nerven- und Muskelerkrankungen, die das muskuläre Gleichgewicht am Fuß stören. In manchen Fällen findet sich keine eindeutige Ursache (idiopathisch).
Häufige Ursachen
- Angeboren: genetisch veranlagtes Muskelungleichgewicht, das die Fußsohle hohl krümmt.
- Neurologisch/neuromuskulär (erworben): Erkrankungen von Nerven oder Muskeln mit Muskelschwund bzw. gestörter Innervation der Fußmuskeln.
- Lähmungen einzelner Bein-/Fußmuskeln als Auslöser der Fehlstellung.
- Postoperativ/sekundär: z. B. nach in der Kindheit erfolgter, nicht erfolgreicher Klumpfuß-Operation kann sich später ein Hohlfuß entwickeln.
- Idiopathisch: Hohlfuß ohne nachweisbare Grunderkrankung.
Häufige Beschwerden
Viele Betroffene klagen über Fußschmerzen, Gangstörungen sowie schmerzhafte Druckstellen; häufig treten auch Hühneraugen und Hornhautschwielen auf. Druckstellen finden sich besonders an der höchsten Stelle des Spanns, an der Ballenregion und an den Zehen, was die Gehfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen kann.
Sichtbare und funktionelle Folgen
Weil meist nur Ferse und Ballen den Boden tragen, verlagert sich die Last ungünstig und der Ballen wird übermäßig belastet. Nicht selten kippt die Ferse nach innen, was die Statik weiter stört. Das Abrollen ist dadurch verändert und das Gehen kann insgesamt erschwert sein.
Diagnose
Ein Hohlfuß wird primär klinisch diagnostiziert: durch Erhebung der Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung, insbesondere die Inspektion des barfuß stehenden Patienten.
Klinische Untersuchung
Bei der Sichtbefundung fallen ein deutlich erhöhter Rist und ein übermäßig hohes Längsgewölbe auf; häufig kippt die Ferse zur Innenseite (Varus). Diese typischen Merkmale erlauben in der Regel bereits die Diagnose.
Bildgebung und Messverfahren
Röntgenaufnahmen (bevorzugt unter Belastung) dienen zur Beurteilung der Knochenachsen; charakteristisch ist dabei u. a. der veränderte Winkel zwischen Talus (Sprungbein) und den Mittelfußknochen, der die Vorfußüberlastung erklärt.
Bei ausgeprägten Deformitäten oder zur Operationsplanung können CT oder MRT sinnvoll sein. Außerdem kann eine Fußdruckmessung (Pedobarographie) das pathologische Druckverteilungsmuster objektivieren.
Therapie
Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Fußfunktion zu verbessern und Folgeprobleme wie Deformitäten oder Gleichgewichtsstörungen zu vermeiden. Welche Therapieform gewählt wird, hängt vom Schweregrad und der Flexibilität des Hohlfußes ab; häufig wird zunächst konservativ behandelt, bevor operative Optionen erwogen werden. In der Regel beginnt man mit nicht-operativen Maßnahmen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen sowie bei leichten bis mäßigen Ausprägungen.
Bei einem flexiblen Hohlfuß lassen sich Beschwerden oft mit maßgefertigten orthopädischen Einlagen und gezieltem Muskeltraining/Physiotherapie gut kontrollieren. Einlagen stützen das Längsgewölbe, verbessern die Lastverteilung und können den überlasteten Vorfuß entlasten. Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Fußmuskulatur sowie geeignetes, stützendes Schuhwerk sind zentrale Bausteine der konservativen Behandlung.
Zusätzlich können je nach Befund orthopädische Stufeneinlagen oder Nachtschienen eingesetzt werden; auch Krankengymnastik zeigt bei Hohlfuß-Patientinnen und -Patienten gute Erfolge. Bei leichteren Formen reicht eine Kombination aus Einlagen und Physiotherapie häufig aus. Evidenz spricht dafür, dass maßgefertigte Einlagen Schmerzen und Funktion im Alltag verbessern; wohingegen konfektionierte Standard-Einlagen und Botox-Infiltrationen keinen nachweisbaren Nutzen zeigen. Auch alltagsnahe Übungsprogramme können helfen, die Fehlbelastung – besonders am Außenfuß – zu reduzieren.
Operative Optionen
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, die Deformität rigide ist oder die Beschwerden stark sind, können operationen in Betracht kommen. Nach Abschluss des Wachstums – und wenn sich der Hohlfuß nicht zurückbildet – kann etwa eine Osteotomie (gezielte Korrektur der Knochenachsen) sinnvoll sein; sie verfolgt das Ziel, die Fehlstellung zu korrigieren und die Lastverteilung zu normalisieren. Spezialisierte Zentren bieten ein Spektrum von der konservativen Therapie bis hin zu modernen Hohlfuß-Operationen, deren Auswahl individuell nach Befund getroffen wird.
Praxisnahe Einordnung
Kurz gesagt: Bei den meisten Betroffenen steht zunächst die konservative Behandlung mit maßgefertigten Einlagen, Physiotherapie/Übungen und geeignetem Schuhwerk im Vordergrund. Operative Korrekturen werden erwogen, wenn diese Maßnahmen nicht genügen oder die Fehlstellung strukturell fixiert ist, zum Beispiel mit Achskorrekturen wie der Osteotomie.
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Hohlfuß (Pes cavus/excavatus)
Was ist ein Hohlfuß genau?
Ein Hohlfuß beschreibt eine Daueranhebung des Fußlängsgewölbes. Häufig liegt zusätzlich ein Varus des Rückfußes (Ferse kippt nach innen) sowie Krallenzehen vor. Das führt zu harter Belastung der Mittelfußköpfchen und der Ferse.
Woran erkenne ich einen Hohlfuß?
- Sichtbar hohes Fußgewölbe, oft „Hohlfuß-Abdruck“ mit schmaler Auflagefläche
- Schmerzen unter den Mittelfußköpfchen oder an der Ferse, Schwielen/Hühneraugen
- Neigung zum Umknicken (Supinationsverstauchungen)
- Zehenkrallen, enge Zehenbox schmerzt
- Bei langem Stehen/Gehen verstärken sich die Beschwerden
Was sind typische Ursachen?
- Neuromuskulär: z. B. Charcot-Marie-Tooth, spastische Lähmungen (besonders bei Kindern/Jugendlichen abklären)
- Strukturell/idiopathisch: familiäre Veranlagung, Bindegewebsbesonderheiten
- Posttraumatisch: nach Verletzungen/Fehlheilungen
- Muskuläre Dysbalance: z. B. überaktiver Wadenmuskel, schwache Peronealmuskeln
Ist ein Hohlfuß immer behandlungsbedürftig?
Nicht zwingend. Behandlungsbedarf besteht bei Schmerzen, wiederholtem Umknicken, rascher Zunahme der Deformität oder funktionellen Einschränkungen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
- Klinische Untersuchung (Gangbild, Gewölbehöhe, Zehenstellung, Fersenachse)
- Funktionstests (z. B. Coleman-Block-Test, Waden-/Soleus-Dehnung)
- Bildgebung bei Bedarf (Röntgen im Stand)
- Bei Kindern oder rascher Zunahme: neurologische Abklärung
Welche möglichen Folgen gibt es?
- Metatarsalgie, Plantarfasziitis, Achillessehnenbeschwerden
- Rezidivierende Supinationsverstauchungen des Sprunggelenks
- Krallen-/Hammerzehen, Neuromen, Stressfrakturen
- Druckstellen/Schwielen, Schuhprobleme
Welche konservativen Behandlungen helfen?
1. Schuheinlagen/Orthesen:
- Weiche Dämpfung für Ferse/Vorfuß
- Entlastung der Mittelfußköpfchen (z. B. Metatarsalpolster)
- Bei Cavovarus: laterale Keilung/Stützung zur Verbesserung der Rückfußstellung
- Aussparung/Absenkung für den 1. Strahl bei Plantarflexion
2. Schuhe: gut gedämpft, feste Fersenkappe, weite Zehenbox, stabile Sohle, Schnürung
3. Physiotherapie: Dehnung Wadenmuskulatur/Plantarfaszie, Kräftigung Peronealmuskeln und intrinsische Fußmuskeln, Propriozeption/Balance
4. Akutmaßnahmen: Belastungsanpassung, Kühlung, kurzzeitig NSAR, Knöchelorthesen/Taping bei Instabilität
Welche Übungen sind sinnvoll? (3–5x/Woche)
- Waden-/Soleus-Dehnung: 3×30–45 s je Seite
- Plantarfaszie-Dehnung (Fuß über Ball/Flasche rollen): 2–3 min
- Peroneenkräftigung mit Miniband (Eversion): 3×12–15 Wdh
- Intrinsische Fußmuskeln: „Handtuchkrallen“, Murmeln aufheben: 2–3 Sätze
- Balance: Einbeinstand auf instabilem Untergrund: 3×30–60 s
Welche Sportarten sind geeignet?
- Günstig: Radfahren, Schwimmen, Ruder-/Ellipsentrainer, Wandern mit festem Schuhwerk
- Möglich mit Anpassung: Laufen auf weichem Untergrund, gute Dämpfung, kürzere Schritte
- Vorsicht: Sportarten mit vielen Sprüngen/Richtungswechseln oder Trails ohne Stabilisierung – erhöhtes Umknickrisiko
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Bei einer ausgeprägten Fehlstellung mit anhaltenden Schmerzen und Instabilität trotz konservativer Therapie sowie bei fortschreitender Deformität.
Welche Verfahren gibt es?
Verfahren (kombinierbar, je nach Befund):
- Weichteil: Plantarfaszien-Teilrelease, Gastrocnemius-/Achillessehnenverlängerung
- Sehnenbalancierung: z. B. Peroneus-longus- auf -brevis-Transfer, Tibialis-posterior-Transfer
- Knochen: dorsale Keilentnahme-Osteotomien im Mittfuß, valgisierende Calcaneusosteotomie, 1.-Strahl-Dorsalflexionsosteotomie; Arthrodesen bei rigider Fehlstellung
Reha: häufig 6–8 Wochen Teil-/Entlastung, sportliche Vollbelastung oft erst nach 4–12 Monaten
Wie ist die Prognose?
Mit gut angepassten Einlagen, Schuhen und Training sind Schmerzen und Umknickereignisse meist deutlich reduzierbar. Neuromuskuläre Ursachen können ein progressives Muster haben und brauchen engmaschige Betreuung.
Kinder vs. Erwachsene – gibt es Unterschiede?
- Bei Kindern/Jugendlichen mit neu aufgetretenem oder zunehmendem Hohlfuß: neurologische Abklärung ist wichtig.
- Flexible Fehlstellungen sprechen oft gut auf Einlagen/Physio an.
- Starr ausgeprägte Formen benötigen frühzeitige orthopädische Beurteilung.
Welche Schuhe und Einlagen sollte ich wählen?
- Schuhe: dämpfend, torsionsstabil, feste Fersenschale, weite Zehenbox, herausnehmbare Einlegesohle
- Einlagen: individuell, mit Vorfußentlastung, Rückfußführung und ggf. lateraler Stütze; bei starkem Hohlfuß oft Maßanfertigung sinnvoll
Sind Barfuß- oder Minimal-Schuhe geeignet?
Nur mit Vorsicht: geringe Dämpfung kann Beschwerden verstärken. Wenn gewünscht, sehr langsam über Wochen aufbauen, auf Schmerz/Umknickneigung achten und ggf. dagegen entscheiden.
Wann sollte ich zum Arzt? (Warnzeichen)
- Zunehmende Deformität, häufiges Umknicken
- Neu auftretende Schwäche, Taubheit, Kribbeln
- Anhaltende/stechende Schmerzen trotz Schonung
- Offene Stellen/Druckulzera, nächtliche Ruheschmerzen
- Kinder/Jugendliche mit schnell fortschreitendem Hohlfuß