Wenn der Nerv schmerzt: Schnell erkennen und gezielt behandeln

21.03.2018

Ist ein Nerv geschädigt, kann dies zu sogenannten neuropathischen Schmerzen führen. Diese treten häufig auch bei orthopädischen Erkrankungen auf, so zum Beispiel bei Rückenbeschwerden.
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Beim neuropathischen Schmerz ist der Nerv nicht bloß das „Kabel“ für die Weiterleitung eines elektrischen Impulses, welcher im Gehirn als Schmerz wahrgenommen wird, sondern ist selbst das gestörte Organ, welches den Schmerz verursacht. Zur Erfassung und Messung dieser Schmerzart existiert ein wissenschaftlich geprüfter, einfacher Test, welcher rasch durchgeführt und ausgewertet werden kann. Neuropathische Schmerzen als solche zu erkennen, ist die Basis für eine spezifische Behandlung, welche sich in der Regel maßgeblich von einer herkömmlichen Schmerztherapie unterscheidet.

Der periphere neuropathische Schmerz wird ausgelöst durch eine Verletzung oder Erkrankung der peripheren Nervenbahnen. Der Schmerzcharakter unterscheidet sich deutlich vom normalen Schmerz zum Beispiel aufgrund von Verletzungen. Typisch sind Kribbeln, Brennen und andere Missempfindungen.

Neuropathische Schmerzen sind in der orthopädischen Praxis häufig anzutreffen, so zum Beispiel bei Engpass-Syndromen mit Einquetschen eines Nervs zum Beispiel am Handgelenk (Karpaltunnelsyndrom), am Ellenbogen (Sulcus-ulnaris-Syndrom), am Innenknöchel (Tarsaltunnelsyndrom), zwischen den Mittelfußköpfchen (Morton-Neurom), aber auch beim Nackenschmerz und bei Rückenschmerzen mit länger bestehender Wurzelkompression durch einen Bandscheibenschaden und/oder eine knöcherne Einengung.

Schmerzscreening mit dem painDetect-Fragebogen

Zur Erfassung von solchen neuropathischen Schmerzsyndromen hat der Deutsche Forschungsverbund Neuropathische Schmerzen (DFNS) im Jahr 2004 in Zusammenarbeit mit der Industrie den painDetect-Fragebogen entwickelt. Der Fragebogen ist seit 2006 für Ärzte und Patienten sowohl als Druckversion als auch online verfügbar und wird außerdem auch anonymisiert online erfasst und ausgewertet.

Einer 2007 veröffentlichten Überprüfungsstudie zufolge werden etwa 80 Prozent der Betroffenen durch den Test als krank erkannt und 85 Prozent der nicht Erkrankten als gesund erkannt. Damit erreichte der painDetect-Fragebogen die besten Werte unter sechs verschiedenen Tests, welche diese Erkrankung erkennen sollen.

Aufbau des Fragebogens

Der Schmerzfragebogen existiert in zweiseitiger Papierform sowohl in deutscher als auch in einer Reihe anderer Sprachen wie zum Beispiel Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch und Arabisch. Daneben gibt es auch eine Online-Version.

Der Fragebogen beinhaltet vier Bereiche: eine Auswahl über den Schmerzverlauf im Tagesverlauf, eine visuelle Angabe zum Hauptschmerzbereich und mögliche ausstrahlende Schmerzen sowie eine numerische Schmerzskala von null bis zehn für die Bereiche aktueller Schmerz, Maximalschmerz und Durchschnittsschmerz. Ergänzt wird dies um sieben Fragen zur Schmerzqualität. Abgefragt wird dabei unter anderem, ob ein Brenn-, Kribbel- oder Prickelgefühl im schmerzhaften Bereich besteht, ob leichte Berührungen oder thermische Reize wie Kälte oder Wärme zu Schmerzen führen und ob Taubheitsgefühle auftreten.

Auswertung

Jede Antwort wird mit einem numerischen Wert von 0 – 5 versehen (0 = nie, 5 = sehr stark) und die einzelnen Werte addiert, insgesamt ergibt sich so ein Wert zwischen minimal null und maximal 38 Punkten: Ergebnisse zwischen null und zwölf Punkten gelten als negatives Screeningergebnis, das heißt, es liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit keine neuropathische Schmerzkomponente vor. für die Existenz einer neuropathischen Schmerzkomponente. Ergebnisse zwischen 19 und 38 Punkten gelten als positives Screeningergebnis, welches für ein Vorliegen von neuropathischen Schmerzen spricht. Werte zwischen 13 und 18 Punkten gelten als unklares Ergebnis (nicht eindeutig negativ, nicht eindeutig positiv).

Erfahrungsgemäß kann der Test nach einer kurzen Erläuterung ohne oder nur mit geringer Hilfestellung binnen fünf bis zehn Minuten durchgeführt und binnen zwei bis drei Minuten ausgewertet werden.

Praktische Bedeutung

Neuropathische Schmerzen rechtzeitig als solche zu erkennen ist für den Patienten von erheblicher Bedeutung, damit eine wirksame Therapie eingeleitet und eine Chronifizierung des Schmerzes verhindert werden kann. Denn die üblicherweise eingesetzten Schmerzmittel, wie unter anderem Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), sind bei neuropathischen Schmerzen quasi nicht oder nur eingeschränkt wirksam. Oft kommen hier deshalb Medikamente aus ganz anderen Substanzklassen zur Anwendung, um dem Patienten Linderung zu verschaffen.

Literatur und weiterführende Links

Informationen des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathische Schmerzen

Weitere Informationen zu painDetect

Griebe, A. / Benrath, J.: Mechanismen neuropathischer Schmerzen. In: Standl, T. u.a. (Hrsg.): Schmerztherapie. Stuttgart: Thieme, 2. Auflage, 2010.

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