So kriegen Sie Rheuma in den Griff

19.07.2018

Wäsche aufhängen, Dosen öffnen, die Jacke zuknöpfen – für Menschen, die an Rheuma leiden, können diese einfachen Tätigkeiten mit großen Schwierigkeiten verbunden sein. Die Ergotherapeutin Susanne Bitzer gibt Tipps, welche Hilfsmittel Rheuma-Patienten im Alltag helfen können.
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Aristoteles nannte die menschliche Hand „das Werkzeug der Werkzeuge“. Selbst kleinste Einschränkungen und Störungen in der Funktion können erhebliche Einbußen ihrer Beweglichkeit nach sich ziehen.

Die Stabilität der Finger- und des Handgelenkes wird durch den Kapsel-Band-Apparat gewährleistet. Liegt eine rheumatoide Arthritis vor, so wird dieser durch den chronisch entzündlichen Prozess gedehnt, und das Gelenk wird instabil. Auch bei Polyarthrosen der Finger sind Schmerzen und besonders Bewegungseinschränkungen die Folgen. Kraftverlust, Fehlstellungen der Finger und schließlich der Verlust der Selbstständigkeit können daraus resultieren. Scheinbar einfache Handlungen wie Brote schmieren oder Knöpfe schließen können dann zu einem Problem werden.

Alltag leichter gemacht dank kleinen Helfern

Für Patienten ist es wichtig, von fremder Hilfe unabhängig zu bleiben, die Selbstständigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Dazu ist es häufig nötig, auf Alltagshilfen oder technische Hilfsmittel zurückzugreifen. Einfach zu handhabende Werkzeuge oder Geräte, wie zum Beispiel Greif- und Anziehhilfen, können Funktionsausfällen vorbeugen, sie korrigieren oder kompensieren.

Betroffene können lernen, wie sie diese Alltagshilfen sinnvoll einsetzen und wie sie ihre alltäglichen Bewegungsabläufe ändern können und sollten, um gelenkschädigende mechanische Kräfte – beispielsweise Scherkräfte oder die Hebelkraft beim Heben schwerer Gegenstände – zu vermeiden. So können sie Deformitäten und einem weiteren Kraftverlust entgegenwirken.

Abb. 1: Durch Rheuma bedingte Fehlstellung des Daumens (links) korrigiert mithilfe einer Schreibhilfe (rechts). (Quelle: Susanne Bitzer, Berlin)

Oft zeigt sich, dass die Beratung im Hilfsmittelgeschäft allein nicht ausreichend ist. Es obliegt dem Ergotherapeuten, ein individuelles Trainingsprogramm für jeden einzelnen zusammenzustellen und die Betroffenen im Gebrauch von Alltagshilfen und im Gelenkschutz zu unterweisen. Ergotherapeuten stehen in Kliniken und Praxen sowie bei der Deutschen Rheuma-Liga zur Verfügung. Entscheidend ist, dass die Betroffenen selbst aktiv zu einem günstigeren Verlauf des Krankheitsgeschehens beitragen können.

Alltagshilfen können auch mit geringem finanziellen Aufwand und ein wenig handwerklichem Geschick selbst hergestellt werden: Ein Frühstücksbrettchen, in dessen Rand zur Erhöhung Nägel eingeschlagen wurden, erleichtert beispielsweise das Brotschmieren ungemein. Zweckentfremdete Werkzeuge sparen auch Kraft: Ein Nussknacker oder eine Wasserpumpenzange sind nützliche Helfer, um Wasserflaschen leicht zu öffnen. So werden die kleinen Fingergelenke geschont. Auch elektrische Haushaltsgeräte erleichtern die Arbeit, ebenso ein ergonomisches Messer. Darüber hinaus gibt es Handgelenkbandagen, die die Gelenke stabilisieren und Kraft geben, indem sie ihren Träger disziplinieren, das Handgelenk in der Mittelstellung zu halten.

Viel hilft nicht immer viel

Im Allgemeinen sind Hilfsmittel mit einer geringen Zuzahlung laut Hilfsmittelgesetz erstattungsfähig, wenn sie eine sogenannte Hilfsmittelnummer haben und von den Krankenkassen nicht als Gebrauchsgegenstand deklariert wurden. In Einzelfällen wird die Bedürftigkeit von den Kassen geprüft. Wichtig ist immer wieder die individuelle Beratung und bedarfsgerechte Versorgung, denn auch hier gilt: Viel hilft nicht immer viel!

Zu den erstattungsfähigen Hilfsmitteln gehören zum Beispiel: Greif- und Anziehhilfen, Strumpfanzieher, Kompressionsstrumpfanzieher, Badewannen- und Duschhilfen (Brett, Lifter oder Hocker etc.), Toilettenaufsätze oder -stühle.

Tipps aus der Gelenkschule

  • „Setze Alltagshilfen ein“ – und zwar, bevor Funktionseinschränkungen den Alltag erschweren.
  • „Beachte Hebelwirkung“ – Ein Hebel als Verlängerung (beispielsweise Schlüsseldrehhilfen oder Vakuumentferner) kann die Arbeit sehr erleichtern. Arbeiten mit ausgestrecktem Arm und Arbeiten über Kopf sind jedoch sehr belastend für die gesamte obere Extremität.
  • „Was innen nicht hält, muss man von außen stützen“ – Bandagen helfen, die Gelenke zu stabilisieren, in der Mittelstellung zu halten und die Kraft optimal einzusetzen.
  • „Dicke Griffe, starker Halt“ – Rutschfeste Griffverdickungen gewähren sicheren Halt und schonen die empfindlichen und luxationsgefährdeten Grundgelenke (zum Beispiel Fahrradgriffe, Gartenschlauch).

Gelenkschulen werden in Gruppenschulungen bei der Rheuma-Liga oder auch in Einzelsitzungen in Ergotherapie-Praxen angeboten.

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