Eingeschlafene Hände in der Nacht – das steckt dahinter

Mit Werkzeugen arbeiten, ein Instrument spielen, einen Gegenstand heben, einen Brief schreiben – all das wäre nicht möglich ohne unsere Hände. Erst dieses komplexe Greiforgan macht uns zu dem, was wir sind: Mit der Hand ertasten und gestalten wir die Welt, sie ermöglicht uns Kraft und Präzision zugleich. Sind unsere Hände verletzt oder von Erkrankungen betroffen, führt dies in der Regel nicht nur zu Schmerzen, sondern schränkt auch die Funktionsfähigkeit der Hand stark ein. Anlässlich zum Tag der Hand, der am 1. März, der auf die Bedeutung unserer Hände aufmerksam machen soll, widmen wir uns dem Problem, was vielen Menschen besonders in der Nacht zu schaffen macht: Eingeschlafene Hände.
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Fast jeder kennt das Gefühl, nachts wach zu werden und seine Hand oder gar den ganzen Arm kaum mehr zu spüren: Es kribbelt, prickelt oder schmerzt. Allerdings sind solche Missempfindungen oftmals harmlos. Ursachen liegen in der Regel in einer unbemerkt ungünstigen Schlafposition. Die Gründe können jedoch auch ernsthafter sein und man sollte sich medizinischen Rat einholen, um mögliche Ursachen für Taubheitsgefühle in der Hand zu klären beziehungsweise auszuschließen.

Nervenreizungen und Nervenquetschungen

Die falsche Schlafposition kann in den Bandscheiben der Halswirbelsäule beispielsweise zu harmlosen nervalen Reizungen führen, ohne dass gleich ein Bandscheibenvorfall oder Ähnliches vorliegt. In den meisten Fällen ist die Durchblutung vorübergehend unterbrochen oder ein Nerv gequetscht. Das Kribbeln in den Fingern entsteht dabei durch die empfindlichen Nerven und Nervenenden in der Haut. Sie schicken über die Nervenbahnen Reizwahrnehmungen an das Gehirn. Lassen sich dort die eingehenden Signale nicht eindeutig zuordnen, entsteht ein unangenehmes Prickeln. Es ist also eine Überempfindlichkeitsreaktion überaktiver Leitungsbahnen, auch Parästhesie genannt.

Manche Menschen haben eine knöcherne Enge im Wirbelkanal. Auch diese könne zu Missempfindungen in den Händen und Armen führen, lassen sich aber in der Regel einfach und schnell durch einen Positionswechsel ändern. Nur in schwerwiegenden Fällen hilft man den Betroffenen durch eine operative Weitung der Engstelle.

Solange solche Missempfindungen sporadisch und in größeren Abständen auftreten, sind sie in der Regel eher harmlos und lagerungsbedingt. Ein ernstes Warnsignal stellen sie dar, wenn sie hingegen regelmäßig auftreten oder von Dauer sind.

Langanhaltendes Kribbeln sollte untersucht werden

Fühlt sich ein Arm taub und schwach an, ist gelähmt oder hält sich über mehrere Tage das Gefühl laufender Ameisen, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Ein Orthopäde kann dann anhand der konkreten Ausfallerscheinungen an der Hand bereits Rückschlüsse auf den betroffenen Wirbel ziehen.

Solche Probleme lassen sich zu rund 95 Prozent der Fälle konservativ behandeln und eine Operation ist nicht notwendig. Stattdessen kommen entlastende Verfahren zum Einsatz wie sie Orthopäden oder Physiotherapeuten anbieten. Durch Ausüben eines einen Längszugs auf die Wirbelsäule kann der Gallertkern aus seiner ungünstigen Position wieder zurück ins Zentrum fließen. Ergänzen kann diese Therapie ein Injektionsverfahren, bei dem anti-entzündliche Wirkstoffe unmittelbar an den veränderten Nerv gespritzt werden. Erst wenn solche Maßnahmen keine Linderung bringen, greift man zu operativen Verfahren.

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Bandscheibenvorfall

Die gesunde Bandscheibe hat die Funktion eines Stoßdämpfers zwischen zwei benachbarten Wirbeln. Um diese ausüben zu können, hat die Bandscheibe eine bestimmte Zusammensetzung, Elastizität, Stabilität und Größe. Kommt es zum Verschleiß (Degeneration) der Bandscheibe, entstehen zunächst kleine Haarrisse in den hinteren (dorsalen) Bereichen der Bandscheibe. Die Bandscheibe beginnt langsam auszutrocknen, nimmt an Höhe ab und der äußere Ring (Anulus) der Bandscheibe verliert an Stabilität und wölbt sich in Richtung Wirbelkanal (Bandscheiben-Protrusion).

Wenn ein akuter Bandscheibenvorfall vorliegt, kann nicht vorhergesagt werden, ob der Vorfall noch größer werden wird, in seiner Größe stagniert oder im Laufe der Zeit durch Austrocknungsphänomene kleiner wird und sich sogar komplett zurückbilden kann. Dieser Punkt ist wichtig für die Beratung des Patienten, ebenso wie die Erkenntnis, dass eine einmal geschädigte Bandscheibe zwar nicht dauerhaft für die nächsten Jahrzehnte schmerzhaft sein muss, sie aber nicht durch eine Abheilung in den gesunden Ausgangszustand zurückversetzt werden kann. Eine degenerierte Bandscheibe wird stets eine degenerierte Bandscheibe sein.

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Karpaltunnelsyndrom

Beim Karpaltunnelsyndrom (KTS) handelt es sich um ein Engpasssyndrom des Mittelnervs der Hand im Bereich des Handwurzelkanals (sogenannter Karpalkanal). Missempfindungen des Daumens, Zeige-, Mittel- und daumenseitigen Ringfingers sowie feinmotorische Einschränkungen können bestehen. Schwereabhängig sind nicht-operative und operative Behandlungen mit Ausheilung bei früher Behandlung möglich.

Die Behandlung ist vor allem von der Schwere des Karpaltunnelsyndroms abhängig. Bei gering ausgeprägter Symptomatik kann eine konservative Behandlung versucht werden. Durch eine Lagerungsschiene des Handgelenks lässt sich eine nächtliche Ruhigstellung erreichen. Dies verhindert die Beugung des Handgelenks und soll eine zusätzliche Druckerhöhung im Karpalkanal vermeiden. Durch Tabletten mit dem Wirkstoff Kortison oder besser durch eine Kortisoninjektion in den Karpalkanal kann ein Abschwellen der Gewebe im Karpaltunnel (vor allem des Sehnengleitgewebes) erreicht werden. Oft kann aber trotz dieser Maßnahmen keine Beschwerdefreiheit erreicht werden. In diesen Fällen ist eine Operation erforderlich.

Polyneuropathien

Die Polyneuropathie gehört zu den Störungsbildern des peripheren Nervensystems, die in der Bevölkerung relativ häufig auftreten. Zu den Hauptsymptomen der Erkrankung gehören Taubheitsgefühl, Kribbeln und ein Gefühl der Unsicherheit beim Gehen. Polyneuropathie kann sehr unterschiedliche, sowohl interne als auch externe Ursachen haben, die einer differenzialdiagnostischen Abklärung bedürfen.

Wichtig ist festzustellen, ob eine Ursache gefunden werden kann, die auch einer Therapie zugänglich wäre und sich somit die Erkrankung positiv beeinflussen oder zumindest in ihrem Fortschreiten verlangsamt werden. Daher ist eine neurologische Abklärung mit laborchemischen Untersuchungen sowie neurophysiologischen Untersuchungen unabdingbar.

Eine Reihe von Symptomen führen die Erkrankten zuerst zum Orthopäden, daher muss dieser auch die relevanten Symptome erkennen und eventuell bestehenden orthopädischen Erkrankungen zuordnen können sowie unter Umständen auch die Neurologie als weiteres Fach hinzuziehen.

Nährstoffmangel

Klagen beispielsweise Veganer über Empfindungsstörungen in den Händen und anderen Gliedmaßen, kann es sinnvoll sein ein Blutbild zu machen. In seltenen Fällen zeigt sich darin ein Vitaminmangel wie zum Beispiel der von Vitamin B12. Dieser Nährstoff wird normalerweise überwiegend aus tierischen Produkten aufgenommen. Verzichtet man bewusst darauf, kann sich daraus ein solches Defizit ergeben, das sich dann beispielsweise als Polyneuropathie auswirkt.

Stoffwechselstörung

Treten die Missempfindungen eher handschuh- oder strumpfförmig auf, liegt oft die Vermutung nahe, dass es sich um Stoffwechselstörungen handelt. Dies kann ebenso ein Anzeichen der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sein. Kleine Nervenenden werden geschädigt, die für Beschwerden sorgen.

Muskelverspannungen

Zu nächtlichen Beschwerden in Händen und Finger können auch chronischen Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich führen. Sie können durch Verschaltungen im Rückenmark ebenfalls zu Ameisenlaufen und sogar Schmerzempfindungen in den Händen sorgen. Hier zeigt sich, dass ein unbewegter Tag, bei dem man in starrer Haltung vor dem Monitor verbringt, Auswirkungen bis in die Nacht haben kann. Denn solch falsche oder einseitige Haltung sorgen ebenso wie Stress für den bekannten steifen Nacken.

Wichtig sind vor allem Entspannung und lokale Wärmeanwendungen. Hilfreich können zudem den Muskelstoffwechsel anregende Reizstromverfahren sein und daneben Injektionen oder eine medikamentöse Behandlung mit muskelentspannenden und schmerzlindernden Wirkstoffen. Die Beschwerden lassen sich alternativ durch manuelle Verfahren lindern, die auf ein Lockern und Dehnen von bindegewebigen Verhärtungen abzielen. Diese Behandlungen nennt man Myofascial Release.

Zu einer der fortschrittlichsten Methoden der Schmerztherapie zählt die Trigger-Stoßwellentherapie (Radiale Stoßwellentherapie). Hochfrequente, Luftdruck-Stoßwellen sorgen für eine gute Durchblutung und lösen Verspannungen in verhärteten und verkürzten Muskeln auf – gezielt und ohne Nebenwirkungen. Diese Methode kann auch ältere Bewegungseinschränkungen beheben und körpereigene Reparatur-Mechanismen aktivieren. Die Methode wird von vielen Orthopäden und Physiotherapeuten angeboten.

Dr. Folker Franzen, Bergisch Gladbach

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