Patientensicherheit: Reden ist der beste Weg

Der diesjährige Tag der Patientensicherheit will für die Bedeutung der Kommunikation im Gesundheitswesen sensibilisieren.
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Berlin – „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ Während dieses altbekannte Sprichwort in einigen Situationen durchaus zutreffen mag, ist gerade im Gesundheitswesen meist das Gegenteil der Fall: Hier ist eine gute Kommunikation entscheidend, um Patienten erfolgreich zu behandeln, Fehler zu vermeiden und damit in manchen Fällen sogar Menschenleben zu retten. Darauf hat der diesjährige Internationale Tag der Patientensicherheit aufmerksam gemacht, der gestern bereits zum dritten Mal bundesweit sowie in sechs weiteren Ländern stattfand. Veranstalter und Initiator ist das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), das mit dem Motto „Wenn Schweigen gefährlich ist“ die Kommunikation im Gesundheitswesen in den Mittelpunkt des diesjährigen Aktionstages gestellt hat und damit für mehr Mut zu einer offenen Kommunikation bei Patienten und Akteuren im Gesundheitswesen werben möchte. Denn viele Behandlungsfehler seien auf Kommunikationsdefizite zurückzuführen und damit vermeidbar, so die Organisatoren.

Hürden in der Kommunikation abbauen

Doch die Hürden für eine gelungene Arzt-Patienten-Kommunikation sind groß, sagt die Vorsitzende des APS, Hedwig François-Kettner: „Oft haben behandelnde Ärzte nur ein paar Minuten Zeit, um mit ihren Patienten über wichtige Behandlungsschritte oder andere relevante Themen zu reden. Zudem bleibt Patienten häufig nur ein kleines Zeitfenster, um ihre Fragen und Probleme zu äußern.“ Da Ärzte über mehr Fachwissen als ihre Patienten verfügen, sei es zudem schwierig, eine Kommunikation auf Augenhöhe zu führen und bei vermuteten Sicherheitsproblemen Zweifel anzusprechen. Das sei allerdings enorm wichtig, so die Organisatoren: „Mit einer Nachfrage oder einer Reaktion bei Unklarheiten können Patienten Fehler und Zwischenfälle vermeiden helfen, schließlich sind sie die einzigen Personen, die am gesamten Behandlungsprozess direkt beteiligt sind.“ Auch zwischen den Mitarbeitern in Gesundheitseinrichtungen würden Sicherheitsbedenken oft nicht offen angesprochen, sei es aufgrund von Stress, Zeitmangel oder aus Unsicherheit, Zweifel gegenüber dem Vorgesetzten zu äußern. Deshalb seien gerade auch die Führungskräfte in Kliniken und Praxen aufgerufen, eine offene Kommunikationskultur über Hierarchien hinweg zu fördern, so die APS-Vorsitzende François-Kettner. Für eine gute Kommunikation zu sensibilisieren, das fange schon im Kleinen an, sind die Organisatoren überzeugt: „Bereits ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch kann die Behandlung fördern. Eine umfassende Beratung in der Apotheke kann dazu beitragen, dass die Medikamente richtig und regelmäßig eingenommen werden.“ Zudem könne ein offener Austausch auf einer Station im Krankenhaus dazu führen, die Patientensicherheit bei der Übergabe von einer Schicht zur nächsten zu erhöhen.

Zahlreiche Aktivitäten in Deutschland und weltweit

Mehr als 100 Gesundheitseinrichtungen haben sich bundesweit an dem Aktionstag beteiligt und im Rahmen von Podiumsdiskussionen, Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie Tagen der offenen Tür demonstriert, wie eine sichere Kommunikation funktionieren und die Gesprächskultur in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Apotheken verbessert werden kann. Auch international erhält der Aktionstag zunehmend Aufmerksamkeit und wird mittlerweile in sechs weiteren Ländern ebenfalls am 17. September begangen: in Österreich, der Schweiz, Kroatien, Spanien, Brasilien und Argentinien.

Neue Broschüre mit Informationen für Patienten

Passend zum Aktionstag hat das APS eine neue Broschüre für Patienten herausgegeben, die gemeinsam mit 18 Patientenorganisationen entwickelt wurde. Der Ratgeber mit dem Titel „Reden ist der beste Weg“ enthält Tipps, wie Betroffene nach einem vermuteten oder tatsächlichen Behandlungsfehler reagieren und mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin darüber sprechen können, welche Rechte sie als Patient haben und an wen sie sich nach einem Zwischenfall wenden können. Die Broschüre kann auf der Website des APS als PDF heruntergeladen werden.