Nutzen der Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz geprüft

11.11.2016

Köln – Die Behandlung plantarer Fersenschmerzen mit Hilfe der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) zeigt im Vergleich zu Scheininterventionen einen deutlichen Nutzen. Gegenüber aktiven Vergleichstherapien wie Ultraschall oder Operation schneidet die ESWT aber nur zum Teil besser ab, teils sogar schlechter. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

G-BA veranlasste erneute Nutzenprüfung

Die ESWT kommt in der Orthopädie und Unfallchirurgie in verschiedensten Bereichen zum Einsatz, unter anderem zur Behandlung des sogenannten Tennisarms, der Kalkschulter oder auch bei Fersenschmerzen. Obwohl verschiedene wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der ESWT bei plantaren Fersenschmerzen mittlerweile belegen, ist sie nach wie vor eine sogenannte IGeL-Leistung, die nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden darf. Die Wirksamkeit der ESWT wurde zuletzt im Jahr 1998 durch den damaligen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (heute G-BA) geprüft, der damals keine ausreichenden Belege für den Nutzen der Therapie fand. Auf einen Antrag des GKV-Spitzenverbandes hin hatte der G-BA Mitte letzten Jahres eine erneute Nutzenprüfung zur ESWT bei Fersenschmerz in Auftrag gegeben. Das IQWiG hat dafür insgesamt 28 verschiedene Studien ausgewertet, welche den Nutzen der ESWT mit einer Scheinbehandlung, mit verschiedenen aktiven Therapien oder mit einer anderen ESWT-Variante verglichen haben. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Nutzenbewertung hat das Institut nun veröffentlicht.

ESWT „besser als nichts“

In insgesamt 15 Studien wurde die ESWT mit Scheinbehandlungen verglichen. Hier zeigten sich laut IQWiG bei den Endpunkten Schmerz und körperlicher Funktionsstatus Belege für ihren Nutzen. Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gebe es dagegen keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen. Bei zwei von sechs aktiven Vergleichstherapien seien Hinweise für einen höheren Nutzen der ESWT gegeben, zum einen gegenüber Ultraschall und zum anderen gegenüber Iontophorese plus Einnahme schmerzstillender Mittel.

Kein klarer Vorteil gegenüber Operation

Im Vergleich mit zwei weiteren aktiven Vergleichstherapien, nämlich Operation und Ultraschall plus Dehnübungen, schnitt die ESWT weder besser noch schlechter ab. Im Vergleich mit Dehnübungen allein oder mit Glukokortikoid-Injektionen schnitt die ESWT schlechter ab, wobei ein Publikationsbias nicht ausgeschlossen werden könne: In beiden Fällen gebe es unveröffentlichte Studien, so das IQWiG. Aus den sechs Studien schließlich, in denen verschiedene ESWT-Varianten miteinander verglichen wurden, ließen sich laut IQWiG keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen einer dieser Varianten ableiten.

Interessierte können bis 8. Dezember Stellung nehmen

Interessierte Personen oder Institutionen können bis zum 8. Dezember zu dem Vorbericht eine Stellungnahme abgeben. Sofern diese Fragen offenlasse, würden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen, teilte das IQWiG mit.