Kreuzbandriss – Einbahnstraße in die Arthrose?

24.05.2018

Viele Sportler kennen das Leid: ein plötzlicher Stopp, ein kurzer Richtungswechsel – und schon zuckt ein wahnsinniger Schmerz durch das Knie. Das vordere Kreuzband ist überdehnt, ausgeleiert oder gar gerissen. Doch wie sollte eine solche Verletzung behandelt werden und welchen Einfluss hat sie auf die spätere Abnutzung des Kniegelenkes?
© Dziurek/Fotolia

Hamburg – Über aktuelle Entwicklungen in der Kniechirurgie und die Behandlungsmöglichkeiten von Kreuzbandverletzungen informiert Dr. Christian Egloff, Teamleiter Kniechirurgie der Orthopädischen Universitätsklinik Basel auf dem ersten Deutschen Olympischen Sportärztekongress, der ab heute in Hamburg stattfindet.

„Wenn das vordere Kreuzband reißt und keine adäquate Behandlung erfolgt, kann dies zu einem instabilen Kniegelenk führen“, erklärt Egloff. „Aus Langzeitbeobachtungen wissen wir, dass ein instabiles Gelenk zum Verschleiß von Knorpel und Meniskus führt und sich frühzeitig eine Arthrose des Kniegelenks entwickeln kann.“

Instabiles Gelenk beschleunigt Verschleiß

Neuere Studien zeigten nun, dass in den ersten Jahren meist noch nichts zu merken ist, nach 10 Jahren könne man aber Veränderungen bereits auf dem Röntgenbild sehen, nach 15 Jahren würden dann viele Patienten eine Kniearthrose entwickeln.

Arthrose ist die Abnutzung des glatten elastischen Gelenkknorpels. Das geht so lange, bis kein Knorpel mehr da ist. „Am Schluss läuft man sozusagen auf den Felgen“, so der Mediziner. Eine weit fortgeschrittene Arthrose geht mit starken Schmerzen und deutlich eingeschränkter Beweglichkeit einher. Die Lebensqualität nehme rapide ab, bis die Patienten gar nicht mehr vor die Haustür gehen. „Oft bleibt dann nur noch das künstliche Kniegelenk.“

Kontaktsportler besonders gefährdet

In verschiedenen biomechanischen Studien konnte Dr. Egloff sehen, dass die Instabilität des Knies einer der größten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Arthrose ist. In seiner Praxis hat er vornehmlich mit Freizeitsportlern zu tun. Der häufigste Verletzungsmechanismus ist die Kombination aus Verdreh- und Einknicktrauma. Typische Sportarten für solche Verletzungen sind Kontaktsportarten wie Fußball, Hand- und Volleyball, aber auch das Skifahren.

Operativ oder konservativ behandeln?

„Die Entscheidung, ob ein Kreuzband operiert werden sollte oder nicht, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und muss mit dem Patienten ausführlich besprochen werden“, sagt Egloff. „Begleitverletzungen wie ein eingeklemmter Meniskus oder zusätzliche Bandverletzungen zwingen gelegentlich zum raschen operativen Vorgehen.“ Bei sportlich sehr aktiven Patienten, insbesondere bei denen, die Kontaktsportarten betreiben, sei eine Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes meist zu empfehlen.

„Aber auch, wenn man das Kreuzband in einer OP ersetzt, kann man die Arthrose nicht immer verhindern“, gibt der Sportmediziner zu Bedenken. „Durch die Stabilisierung des Kniegelenks können wir sie aber entscheidend hinauszögern und die Beweglichkeit des Sportlers erhalten.“

Der Deutsche Olympische Sportärztekongress wird von der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention in diesem Jahr erstmals veranstaltet und findet vom 24. bis 26. Mai 2018 an der Universität Hamburg statt.

Quelle: Deutscher Olympischer Sportärztekongress

Literatur und weiterführende Links

Deutscher Olympischer Sportärztekongress

Orthinform-Lexikon: Verletzungen vorderes Kreuzband

Orthinform-Lexikon: Verletzungen hinteres Kreuzband

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