Kleines ABC der Golfverletzungen

30.08.2018

Kaum jemand denkt beim Golf an Verletzungen. Wie bei jeder anderen Sportart gibt es jedoch auch typische Golfverletzungen: den Golferellenbogen beispielsweise, oder das Impingement-Syndrom.
© J.A./Fotolia

Golf – das sind lange Spaziergänge an der frischen Luft, bei denen man ab und an einen Ball übers Grün schießt und nett plaudert. Passieren kann dabei eigentlich nichts, denkt der Nicht-Golfer. Dies stimmt so allerdings nicht, wie Statistiken zeigen. Zwar ist das Verletzungsrisiko relativ gering, nichtsdestotrotz verletzen sich Golfer wie alle anderen Sportler auch. Etwa, weil sie die Golfschwung-Technik nicht richtig beherrschen; oder aber, weil ihr allgemeiner Fitness-Zustand nicht ausreichend ist.

Die Verletzungsstatistik bei den überlastungsbedingten Verletzungen der Haltungs- und Bewegungsorgane wird von den professionellen Golfern angeführt. Amateurgolfer verletzen sich eher aufgrund technischer Defizite – am häufigsten, wenn sie jenseits der 50 sind und über ein gutes, einstelliges Handicap verfügen. Diese „Super Senior Golfer“ sind mehrmals pro Woche auf dem Platz. Aufgrund ihres hohen Trainingsaufwandes ermüden ihre Muskeln – und daraus resultieren ihre Verletzungen. Glaubt man der Statistik, so muss der Freizeitgolfer im Jahr durchschnittlich 5,2 Wochen verletzungsbedingt pausieren. Einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Golfern gibt es dabei nicht.

Der Golfschwung: Komplexe Bewegung verschiedener Muskeln

Um die Ursachen für Verletzungen und Überlastungsschäden beim Golf genauer zu erforschen, versuchen Sportmediziner und Sportwissenschaftler seit vielen Jahren, die komplexe Biomechanik des Golfschwungs genauer zu analysieren. Ein wichtiger Schritt war die Entwicklung der Videobewegungsanalyse. Damit können Parameter wie beispielsweise die Bodenreaktionskraft und die Aktivierung einzelner Muskelgruppen bestimmt werden. Die Wissenschaftler konnten so einerseits den optimalen Golfschwung errechnen; andererseits gewannen sie wichtige Erkenntnisse bezüglich des Verletzungsrisikos einzelner Körperpartien während der verschiedenen Schwungphasen.

In wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass der Golfschwung eine komplexe Koordinierung verschiedener Muskeln erfordert. Die einzelnen Muskelgruppen werden dabei nicht bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angespannt. Der Muskel des rechten Führungsarmes (Serratus anterior), der breit gefächert am Brustkorb ansetzt, ermüdet schnell, da er in allen Phasen des Schwunges konstant aktiviert ist. Da er die Schwungbewegung ausführt, unterliegt dieser Muskel einem hohen Verletzungsrisiko.

Eine weitere Schlüsselrolle nehmen die Muskeln ein, die das Schulterblatt stabilisieren (diese heißen Musculus Levator Scapulae und Rhomboiden). Sie ermöglichen die Rotation beider Schulterblätter während des Rück- und Durchschwungs. Beim untrainierten Golfer oder beim anspruchsvollen Golfer mit hohem Trainingsaufwand kann es nach Ermüdung dieser Muskelgruppen zu so genannten pathologischen – also falschen - Bewegungsabläufen und somit Verletzungen kommen.

Falsches Ansprechen kann schmerzhaft sein

Bereits eine falsche Körperhaltung beim Ansprechen des Balles vor einem Schwung (Set-up) kann Verletzungen provozieren. Viele Golfer neigen sich zu stark nach vorn, statt die Hüftgelenke zu beugen. Dabei kommt es zu einer abnormen Muskelspannung der stabilisierenden Muskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule. Längerfristig kann daraus eine Lockerung der Wirbelkörper resultieren.

Ein zu breiter Stand in der Ansprechposition vermindert die Rotationsfähigkeit des Körperstammes. Der Golfer versucht dies zu kompensieren, indem er sich im Bereich der Wirbelsäule stärker „verdreht“. Es muss kaum betont werden, dass die Wirbelsäule darunter leidet. Viele Golfer mit chronischen Wirbelsäulenproblemen versuchen, ihre Schwungtechnik zu modifizieren, ändern jedoch nichts an der eigentlichen Ursache – der falschen Ansprechhaltung.

Geschwindigkeit erfordert viel Kraft

Mehr als die Hälfte der Verletzungen und Überlastungsschäden passieren während der Beschleunigungsphase des Durchschwunges bis zu dem Moment, in dem der Ball getroffen wird. Ein hoher Kraftaufwand der Rumpf- und Wirbelsäulenmuskulatur sowie der so genannten Innenrotatoren der rechten Schulter ist die Voraussetzung dafür, dass der Schlägerkopf mit einer hohen Geschwindigkeit auf den Ball treffen kann.

Ältere und untrainierte Golfer, deren Körperstamm nicht oder nicht mehr sehr beweglich ist, versuchen diese mangelnde Rotationskapazität auszugleichen, indem sie mit noch höherem Kraftaufwand schlagen. Die Gefahr von Verletzungen und Überlastungsschäden wird dadurch erheblich erhöht.

Der linke Ellenbogen und Unterarm sind in dieser Schwungphase starker Zugbelastung ausgesetzt. Ähnliche Belastungen entstehen an Muskeln und Sehnenansätzen des rechten Ellenbogens – vor allem, wenn der Schläger wiederholt hart auf dem Boden aufschlägt. Dies sind die typischen Auslöser des sogenannten Golferellenbogens (siehe auch Tennis- und Golferellenbogen). Die Verletzungsgefahr nimmt zu, wenn der Spieler seinen Ellenbogen überstreckt, seine Handgelenke steif und sein Schlägergriff zu fest sind. Dann können die Bänder und Sehnen des Ellenbogens einreißen oder sogar der Handwurzelknochen brechen.

Überlastungsgefahr für Hand- und Schultergelenke

Die Handgelenke sind extremen Belastungen ausgesetzt, da aus ihnen die letzte Beschleunigung vor dem Treffmoment kommt. Die häufigste Verletzung des professionellen Golfspielers sind daher Überlastungsschäden oder Brüche in diesem Bereich. Diese überlastungsbedingten Schäden der Handgelenke sind zeitweise schwer zu diagnostizieren, da selbst in einer Kernspin-Untersuchung Veränderungen an Knochen oder Bändern nicht festzustellen sind.

Die Schultergelenke sind vor allem in der Anfangs- und Endphase des Golfschwungs gefährdet. Die Rotatorenmanschette – das ist eine gemeinsame Sehnenplatte mehrerer Muskeln, die den Oberarmkopf in der Schulterpfanne hält – wird beim Ausholen des Armes stark eingeengt. Diese wiederholte Einengung kann dazu führen, dass sich die Sehnen oder Schleimbeutel unterhalb des Schulterdaches entzünden, man spricht dann von einem Impingement-Syndrom oder Schulterimpingement. Beim älteren Golfer können dieses Sehnen aufgrund einer falschen Schwungtechnik und Verschleißerscheinungen sogar reißen (Riss der Rotatorenmanschette).

Doch auch der jüngere Golfer ist vor überlastungsbedingten Schäden der Schultern nicht gefeit. Durch die wiederholte extreme Außendrehung beim Rückschwung kann die Gelenkkapsel regelgerecht ausleiern. Das führt zu einer ungleichmäßigen Gelenkführung, welche wiederum verantwortlich dafür sein kann, dass sich die Sehnen und der Schleimbeutel der Schulter entzünden. Es kann sogar passieren, dass die Bizepssehne reißt. Da die Schulter ein sehr komplexes Gelenk ist, wird der Orthopäde die schmerzhafte Sportlerschulter einer äußerst gründlichen klinischen Untersuchung unterziehen. Er kann auch Ultraschalluntersuchung und Kernspintomographie zur weiteren Diagnostik heranziehen.

Im Vergleich mit anderen Sportarten ist das Verletzungsrisiko beim Golf relativ gering. Ein gewisses Maß an körperlicher Fitness sollte ein Golfer mitbringen. Neben einem adäquaten Aufwärm- und Stretchingprogramm vor jedem Training oder Spiel ist das die beste Verletzungsprophylaxe.

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