Chronische Schleimbeutelentzündung

Eine Entzündung der Schleimbeutel stellt eine häufige Berufskrankheit dar. Wie die Erkrankung entsteht und behandelt werden kann und unter welchen Bedingungen sie als Berufskrankheit anerkannt wird, erläutert der folgende Artikel.
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Schleimbeutel sind Hohlräume mit oder ohne Verbindung zu einem Gelenk, welche im Inneren mit einer Schleimhaut ausgekleidet sind. Schleimbeutel kann man als eine Art Druckpolster verstehen, sie bilden sich überall dort, wo eine besondere Belastung, meist von außen, entsteht. Ferner erlauben Sie die bessere Verschiebbarkeit der einzelnen Gewebsschichten untereinander.

Normalerweise kann man Schleimbeutel weder sehen noch fühlen, da sie nicht oder kaum flüssigkeitsgefüllt sind. Dies ändert sich aber, wenn sich der Schleimbeutel durch eine chronische Druckbelastung entzündet.

Symptomatik

Bei einer chronischen Druckbelastung vergrößert sich der Schleimbeutel. Er reagiert mit einer Entzündung der Schleimhaut mit vermehrter Durchblutung, Anschwellung, Schmerzhaftigkeit und daraus resultierend einer gestörten Funktion. Der Hohlraum fühlt sich vermehrt mit Flüssigkeit, anfangs noch dünnflüssig, später auch eingedickt, gelegentlich auch mit Blutbeimengungen und sogar Festkörpern wie zum Beispiel kleinen reisförmigen Körnern.

Neben der vermehrten Flüssigkeitsfüllung kommt es zu einer entzündlichen Verdickung der Schleimhautwand, der Schleimbeutel wird tastbar, manchmal auch sichtbar, es zeigen sich die oben genannten klassischen Entzündungszeichen.

Betroffene Berufsgruppen

Typischerweise tritt eine solche Entzündung an Körperstellen auf, an denen ein Knochen quasi direkt unter der Haut liegt, also vor allem an den Kniegelenken und Ellenbogen. Dementsprechend sind typischerweise Berufsgruppen betroffen, die hier einer vermehrten mechanischen Belastung unterliegen. Dazu gehören Bergleute, Bodenleger, Fliesenleger, Pflasterer und Reinigungspersonal.

Schleimbeutelentzündungen an den Schultern und Achillessehnen oder an anderen Stellen sind in der Regel nicht geeignet, als entsprechende Berufskrankheit anerkannt zu werden, da hier die entsprechend notwendige berufsbedingte Belastung meist fehlt.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt zunächst konservativ mithilfe von Entlastung, Ruhigstellung und Salbenverbänden sowie lokaler physikalischer Therapie wie zum Beispiel einer Ultraschall-/Elektrotherapie.

Bei einer akuten schmerzhaften Entzündung hilft auch die Punktion mit Entfernung der Flüssigkeit, wobei zur Entzündungshemmung und Schmerzreduktion auch ein Lokalanästhetikum und/oder Kortikosteroide injiziert werden können.

Reichen diese Maßnahmen im akuten Fall nicht aus oder stellt sich die Erkrankung immer wieder ein, steht eine operative Entfernung des entzündeten Schleimbeutels an. Bei individueller Veranlagung und/oder andauernder Druckbelastung kann es zu einem Wiederauftreten der Entzündung kommen. Als Komplikation kann es zu einer sekundären bakteriellen Infektion mit Eiterbildung kommen, normalerweise ist die Flüssigkeit in einem Schleimbeutel keimfrei.

Begutachtung

Hat man als Betroffener den Verdacht, dass die eigenen Beschwerden berufsbedingt auftreten und will diese deshalb als Berufskrankheit anerkennen lassen, so muss man sich dafür an die zuständige Berufsgenossenschaft wenden. Auch ein Arzt, der Arbeitgeber oder die Krankenkasse können hierüber Meldung erstatten. Anschließend wird ein ärztlicher Gutachter bestellt, der den Verdacht prüft (siehe auch Berufskrankheiten).

Für die Anerkennung einer chronischen Schleimbeutelentzündung als Berufskrankheit (BK 2105 „Chronische Erkrankung der Schleimbeutel durch ständigen Druck“) müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Chronische Entzündung, das heißt mindestens ein Verlauf von sechs Monaten und/oder Wiederauftreten der Symptomatik
  • Belastungskonformität, das heißt die Art der Belastung muss geeignet sein, die Entzündung an dieser Stelle hervorzurufen und zu unterhalten. Ohne entsprechende berufstypische Belastung kann selbst eine vorliegende chronische Schleimbeutelentzündung nicht als Berufskrankheit anerkannt werden.
  • Ausschluss konkurrierender Ursachen I: Stammt die Schleimbeutelentzündung aus einem Unfall mit offener oder stumpfer Verletzung des Schleimbeutels, so kann dies nicht als Berufskrankheit anerkannt werden, sofern es sich bei der Verletzung nicht selber auch um einen Arbeitsunfall handelte.
  • Ausschluss konkurrierender Ursachen II: Bei bakterieller Infektion des Schleimbeutels gelangen die Keime in der Regel entweder direkt oder über die Gefäße in den Schleimbeutel. Punktiert man einen Schleimbeutel oder spätestens bei einer Operation, sollte die entnommene Flüssigkeit auch im Labor auf Keime untersucht werden. Dies ist einerseits wichtig für die Behandlung, da gegebenenfalls auch ein Antibiotikum eingesetzt werden muss, andererseits ist dies auch wichtig für die Frage der Anerkennung als Berufskrankheit. Im Einzelfall kann sich die Beantwortung dieser Frage auch schwierig gestalten, da eine sekundäre Infektion bei chronischer Schleimbeutelentzündung ebenfalls möglich ist.
  • Ausschluss konkurrierender Ursachen III: In seltenen Fällen können manche Stoffwechselerkrankungen ebenfalls eine chronische Schleimbeutelentzündung hervorrufen.
  • Ausschluss konkurrierender Ursachen IV: Außerdem können auch körpereigene Besonderheiten zu einer chronischen Schleimbeutelentzündung führen, zum Beispiel bei Knochenwucherungen.
  • Ausschluss konkurrierender Ursachen V: Schließlich muss auch ausgeschlossen werden, dass die Schleimbeutelentzündung durch andere Belastungen außerhalb des Berufes entstanden ist, zum Beispiel durch Freizeitsport oder ähnliches.

Anerkennung

Einer Statistik aus dem Jahr 2010 zufolge wurden in Deutschland etwa 400 Fälle einer chronischen Schleimbeutelentzündung angezeigt und circa 20 Prozent davon als Berufskrankheit anerkannt. Zur Anerkennung ist bei dieser Berufskrankheit nicht notwendig, dass die Berufstätigkeit aufgegeben wurde.

Die Anerkennung ist auch bei dieser Berufskrankheit stark einzelfallabhängig, da die individuelle Neigung zur Schleimbeutelentzündung sehr unterschiedlich sein kann: Manche Menschen entwickeln trotz langer und starker Belastung keine Symptomatik, andere neigen auch schon bei geringeren Belastungen sehr schnell zu einer entsprechenden Entzündung.

Vorbeugung

Hier steht an erster Stelle die Vermeidung oder zumindest Verringerung der Belastung, zum Beispiel durch Änderung der Arbeitsposition oder durch das Tragen von Knieschonern.

Literatur und weiterführende Links

Schiltenwolf, M. / Hollo, D. (Hrsg.): Begutachtung der Haltungs- und Bewegungsorgane, 6. Auflage, Stuttgart: Thieme, 2013.

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