Besser informiert bei der Arztsuche im Netz

30.05.2018

Mehr Informationen über die angebotenen Leistungen, die Fachkenntnisse des Arztes und die Ausstattung der Praxis – das wünschen sich Patienten in Deutschland bei der Suche nach einem passenden Haus- oder Facharzt im Netz.
© ivanko80/Fotolia

Gütersloh – Trotz einer Vielzahl von Arztsuchportalen und Praxiswebsites fühlen sich viele Internetnutzer nicht ausreichend informiert. Etwa jeder Vierte befürchtet, aufgrund fehlender Informationen nicht den richtigen Arzt zu finden. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und des Gesundheitsportals Weisse Liste.

Darin gaben 66 Prozent der Befragten an, dass das Internet eine wichtige Informationsquelle bei der Arztsuche sei. Informationen aus dem Netz standen an dritter Stelle, direkt nach Verwandten und Freunden (75 Prozent) sowie dem Arzt, bei dem man bereits in Behandlung ist (73 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer nutzt Suchmaschinen, um einen Arzt in der Nähe zu finden (56 Prozent). Immerhin 40 Prozent besuchen gezielt die Website der Ärztin oder des Arztes, und knapp 30 Prozent suchen in Arztsuchportalen nach Informationen zu einem geeigneten Spezialisten. Dabei ist den Befragten besonders wichtig, dass sich Arztsuchportale neutral und werbefrei präsentieren (86 Prozent).

Interesse an Leistungen, Ausstattung und Hygienemaßnahmen

Doch welche Aspekte interessieren Patienten auf der Suche nach einem Experten für ihr gesundheitliches Anliegen am meisten? Zur Fachkenntnis und den Erfahrungen mit der Behandlung der eigenen Krankheit wünschen sich 94 Prozent der Befragten umfassende Informationen. Auch das Thema Hygiene in der Praxis (90 Prozent) und angebotene Leistungen wie Vorsorgeuntersuchungen (84 Prozent) interessiert sehr viele Patienten. Daneben spielen die Behandlungsergebnisse des Arztes bei bestimmten Erkrankungen (80 Prozent), die Zufriedenheit anderer Patienten (75 Prozent) und die Ausstattung der Praxis, zum Beispiel mit Röntgen- oder Ultraschallgeräten (74 Prozent) eine große Rolle bei der Entscheidung für einen Arzt.

Doch Wunsch und Wirklichkeit gehen hier oft noch auseinander: Zu den Hygienemaßnahmen fühlen sich nur etwa die Hälfte der Befragten gut informiert, zur Ausstattung der Praxis 57 Prozent, zur Zufriedenheit und den Erfahrungen anderer Patienten 60 Prozent. Etwas besser sieht es bei den angebotenen Leistungen und den Fachkenntnissen des Arztes aus, wo sich 65 bzw. 74 Prozent der Befragten ausreichend informiert fühlen.

Vorhandene Versorgungsdaten öffentlich machen?

Die Initiatoren der Umfrage fordern deshalb mehr Transparenz beim Umgang mit Versorgungsdaten aus dem ambulanten Bereich: „In Deutschland werden Daten über die Ausstattung, das Leistungsspektrum und die Erfahrungen der Ärzte von den Kassenärztlichen Vereinigungen erhoben. Die deutsche Gesundheitspolitik sieht jedoch bisher nicht vor, diese öffentlich zu machen“, schreiben Bertelsmann Stiftung und Weisse Liste in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

„Unsere Gesundheitspolitiker sind nun gefordert. Sie sollten den gesetzlichen Rahmen so verändern, dass Patienten in Deutschland alle benötigten Informationen haben, um den richtigen Arzt zu finden. Nach dem Vorbild anderer Länder sollten sie eine neutrale Datenannahmestelle errichten und die Kassenärztlichen Vereinigungen dazu verpflichten, ihre Daten bereitzustellen“, fordert Roland Rischer, Geschäftsführer der Weissen Liste.

Öffentliches Interesse und Patientenwohl sollten hier gleichrangig mit den Bedürfnissen der Ärzte nach Schutz ihrer Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse gewürdigt werden, so Bertelsmann Stiftung und Weisse Liste. Würden personenbezogene Patientendaten anonymisiert genutzt und ein entsprechender Missbrauchsschutz bei der Offenlegung von Routinedaten vorgesehen, könne auch dem Datenschutz Rechnung getragen werden.

Patienten informieren nach ausländischem Vorbild

Andere Länder wie England, die USA oder Dänemark sind bei ihrer „Open-Data-Politik“ schon deutlich weiter, wie das IGES-Institut in einer vergleichenden Studie festgestellt hat. In England zum Beispiel können sich Patienten im Portal „NHS Choices“ des staatlichen Gesundheitsdienstes National Health Service (NHS) darüber informieren, welche Leistungen ein Arzt wie oft und in welcher Qualität anbietet. Dazu werden Abrechnungsdaten von einer staatlichen Institution ausgewertet und Patienten regelmäßig zu ihren Erfahrungen mit dem Arzt oder der Praxis befragt.

Dies sei auch für Deutschland anzustreben, meint Rischer. So sollten Patientenerfahrungen, die Arztpraxen im Rahmen ihres Qualitätsmanagements zum Teil bereits erheben, veröffentlicht werden. „Dann hätten Arztsuchportale eine gute Basis, um dem ausgeprägten Wunsch der Patienten nach mehr Informationen über Qualität und Ausstattung von Ärzten nachzukommen“, so Rischer.

Orthinform: Fachspezifische Arztsuche und Patienteninformation

Einen Schritt hin zu mehr Transparenz in der ärztlichen Versorgungslandschaft im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie macht der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) mit seinem Arztsuch- und Patienteninformationsportal Orthinform. Hier finden Patienten detaillierte Informationen zu den Tätigkeitsschwerpunkten und Leistungen von Orthopäden und Unfallchirurgen aus ganz Deutschland.

„Im Unterschied zu anderen Portalen wird Orthinform vom BVOU und damit von Orthopäden und Unfallchirurgen selbst verwaltet und kann dabei auf das Wissen und die Kompetenzen der Verbandsmitglieder zurückgreifen“, erklärt Dr. Angela Moewes, Vorsitzende des BVOU-Landesverbandes Westfalen-Lippe und Leiterin des Orthinform-Projektteams. „Das Portal kommt dem wachsenden Informationsbedürfnis der Patienten nach, indem es eine an Qualitätsmerkmalen orientierte Arztsuche bietet. Die Suche kann einerseits regional erfolgen, andererseits besteht die Möglichkeit, ganz gezielt nach den fachlichen Schwerpunkten eines Arztes zu suchen.“

Nutzer können gezielt zum Beispiel nach einem Knie- oder Schulter-, einem Rheuma- oder Osteoporose-Spezialisten in ihrer Nähe suchen und erfahren, ob ein Arzt Akupunktur, Stoßwellentherapie oder Funktionsanalysen der Wirbelsäule durchführt. Neben der Arztsuche bietet das Portal ein Patientenlexikon zu Erkrankungen und Verletzungen des Muskel-Skelett-Systems sowie möglichen Behandlungsmethoden und einen Diagnose-Assistenten.

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