Berufsbedingte Meniskusschäden

26.03.2018

Berufsbedingte Meniskusschäden gehören zu den drei häufigsten Berufskrankheiten. Wie ein solcher Schaden entsteht und behandelt werden kann und unter welchen Bedingungen er als Berufskrankheit anerkannt wird, erläutert der folgende Artikel.
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Zwischen dem unteren Ende des Oberschenkels und dem Schienbeinkopf befinden sich auf der Innenseite und Außenseite jeweils ein Meniskus. Menisken sind halbmondförmige Knorpelscheiben, welche als Puffer und Druckverteiler fungieren sowie außerdem der Stabilisierung des Kniegelenkes dienen. Sowohl innen als auch außen unterscheidet man am Meniskus drei Anteile, und zwar ein Vorderhorn, ein Hinterhorn und ein Mittelstück dazwischen.

Da dieses Knorpelgewebe kaum mit eigenen Blutgefäßen versorgt wird, kann es frühzeitiger altern als zum Beispiel gut durchblutete Muskeln und Knochen. Durch die Alterung kommt es zu Verschlechterungen der Stabilität, Elastizität und des Gleitverhaltens.

Das Ausmaß und der Zeitpunkt der Veränderungen sind individuell sehr unterschiedlich, hier spielen unter anderem die Belastung durch das Körpergewicht und auch durch Scherkräfte sowie eventuelle Verletzungen und auch die individuelle genetische Veranlagung eine Rolle. Meniskusverletzungen kann man im MRT bildtechnisch nachweisen, jedoch müssen sich selbst dann bei einem Patienten nicht unbedingt auch Symptome zeigen.

Symptomatik

Bei einer Meniskusschädigung kommt es zu Einklemmungserscheinungen im Kniegelenk, wodurch es zu Schmerzen beim Beugen und zu einer schmerzhafter Streckhemmung an dem Gelenk kommt. Anfangs treten Beschwerden nur belastungsabhängig auf, später auch in Ruhe. Außerdem kann es zur Ansammlung von Flüssigkeit im Gelenk (Kniegelenksergüssen) kommen. Typisch ist ein Druckschmerz am inneren oder äußeren Kniegelenkspalt.

Es existieren ferner eine Reihe von Meniskustests, wobei diese oft wenig spezifisch sind, das heißt man findet häufiger negative Testergebnisse bei im MRT oder durch eine Arthroskopie nachgewiesenen Meniskusschäden und umgekehrt auch positive Testergebnisse ohne Nachweis eines Meniskusschadens.

Neben den reinen Meniskusschäden existieren gerade bei älteren Menschen oft auch zusätzliche Schäden wie zum Beispiel ein Gelenkverschleiß, hier mit ähnlicher oder gleicher Symptomatik.

Behandlung

Die konservative Behandlung zielt zunächst auf eine Verringerung der Belastung durch eine Gewichtsreduktion und gegebenenfalls auch durch eine Entlastung an Unterarmgehstützen, Gehstöcken oder einem Rollator. Sie zielt ferner auf eine Kompensation durch gezieltes Muskeltraining, um die auftretenden Kräfte über die Muskeln abzufangen und weniger auf den Meniskus und das Gelenk insgesamt einwirken zu lassen.

Neben diesen therapeutischen Maßnahmen aus dem Bereich der Physiotherapie können bei Meniskusschäden auch die Maßnahmen der physikalischen Therapie zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel Kälte bei akuter Symptomatik und Wärme bei chronischer Symptomatik, Elektrotherapie, Ultraschall und pulsierende Magnetfeldtherapie.

Schmerzhafte Gelenkergüsse können, sofern eine Arthroskopie nicht oder aktuell nicht möglich ist, punktiert und die angesammelte Flüssigkeit so entfernt werden. Besteht eine Entzündung der Gelenkbinnenhaut, so kann diese auch kurzfristig durch die Injektion eines Cortisonpräparates in Verbindung mit einem lokalen Betäubungsmittel behandelt werden.

Außerdem ist auch die Hyaluronsäure-Therapie eine Möglichkeit zur Behandlung chronischer Meniskusschäden. Daneben kommen manchmal auch Bandagen und Orthesen zum Einsatz. Zur Akutbehandlung des Schmerzes stehen entsprechende Medikamente zur Verfügung.

Sind diese konservativen Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichend oder nicht dauerhaft erfolgreich, so besteht in der Regel die Indikation zur arthroskopischen Behandlung. Dabei werden defekte Meniskusteile im Rahmen einer minimalinvasiven Operation entfernt. Hier sollte das Prinzip „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ gelten: Stark defekte Meniskusteile verursachen neben den Beschwerden und Schwellungen langfristig auch Knorpelschäden und sollten entfernt werden. Allerdings können aus einer zu umfangreichen Entfernung von Meniskusteilen ebenso langfristig Knorpelschäden resultieren. So zeigten sich bei den bis vor circa 40 bis 50 Jahren durchgeführten offenen Komplettentfernungen des Meniskus langfristig häufiger und stärkere Knorpelschäden im operierten Gebiet.

Begutachtung

Hat man als Betroffener den Verdacht, dass die eigenen Beschwerden berufsbedingt auftreten und will diese deshalb als Berufskrankheit anerkennen lassen, so muss man sich dafür an die zuständige Berufsgenossenschaft wenden. Auch ein Arzt, der Arbeitgeber oder die Krankenkasse können hierüber Meldung erstatten. Anschließend wird ein ärztlicher Gutachter bestellt, der den Verdacht prüft (siehe auch Berufskrankheiten).

Die Berufskrankheit BK 2102 „Meniskusschäden nach chronischer überdurchschnittlicher kniegelenksbelastender Tätigkeit“ umfasst ausschließlich primäre Meniskusschäden. Degenerative Meniskusschäden in Kombination mit einem Gelenkverschleiß scheiden hier definitionsgemäß aus.

Für manche Berufskrankheiten besteht als Grundvoraussetzung ferner der Umstand, dass die belastende berufliche Tätigkeit aufgegeben wurde, diese Definition gilt jedoch nicht für diese Berufskrankheit.

Bei beruflich bedingten Meniskusschäden handelt es sich nach einer Statistik aus dem Jahr 2010 um eine der drei häufigsten Berufskrankheiten, neben der Berufskrankheit aus chronischen Druckschäden (BK 2103) und den chronischen Bandscheibenschäden (BK 2108).

Voraussetzung für die Anerkennung als Berufskrankheit sind unter anderem:

  • Entsprechende berufliche Belastung
  • Entsprechender zeitlicher Verlauf
  • Entsprechende Belastungskonformität
  • Berücksichtigung konkurrierender Ursachenfaktoren

Berufliche Belastung: Hier gilt eine maximale langfristige Beugung des Knies als Schädigungsmuster, da es dann zur vermehrten Belastung und schlechteren Versorgung der hinteren Meniskusanteile kommen kann. Als weiteres Schädigungsmuster gelten wiederholt auftretende, selbst kleinere Verletzungen.

Typische betroffene Berufsgruppen sind Bergleute oder auch Berufssportler, vor allem bei Ballsportarten wie zum Beispiel Fußball. Eine definierte Dauer und Art der Berufstätigkeit, bei der mit einem Meniskusschaden zu rechnen ist, gibt es allerdings nicht. Hier bedarf es einer Einzelfallbegutachtung. Es muss in jedem Fall eine ausreichend lange und entsprechende berufliche Belastung vorhanden gewesen sein, damit der Nachweis einer Berufskrankheit erfolgen kann. Eine dauerhafte Schreibtischtätigkeit spricht hier in der Regel schon deutlich gegen das Vorliegen einer entsprechenden Berufskrankheit.

Zeitlicher Verlauf: Je enger die akute oder chronische Belastung des Kniegelenkes und das erste Auftreten einer entsprechenden klinischen Symptomatik zeitlich beieinanderliegen, desto eher spricht dies für eine Berufskrankheit. Eine große zeitliche Lücke spricht eher dagegen. Die neu aufgetretene Meniskussymptomatik beim älteren Menschen, welcher vor Jahrzehnten einige Jahre im Bergbau tätig war, ist also wahrscheinlich keine Berufskrankheit.

Belastungskonformität: Dieses Kriterium kommt eher selten zum Tragen. Hierbei geht es um die betroffene Stelle des Meniskus: Typisch sind Schäden am Hinterhorn des Innenmeniskus. Diese sprechen eher für eine Berufskrankheit. Schäden am Außenmeniskusvorderhorn bei langer Arbeitstätigkeit in maximaler Beugung sprechen eher dagegen.

Konkurrierende Ursachen: Hier wird geprüft, ob nicht andere Faktoren den Meniskusschaden bedingt oder mitverursacht haben. So belastet eine O-Bein-Achse vor allem den Innenmeniskus und eine X-Bein-Achse vor allem den Außenmeniskus. Meniskusschäden treten außerdem auch bei manchen Stoffwechselerkrankungen oder Systemerkrankungen wie zum Beispiel manchen rheumatischen Erkrankungen auf. Auch muskuläre Störungen bei neurologischen Erkrankungen können vermehrt zu Meniskusschäden führen.

Literatur und weiterführende Links

Schiltenwolf, M. / Hollo, D. (Hrsg.): Begutachtung der Haltungs- und Bewegungsorgane, 6. Auflage, Stuttgart: Thieme, 2013.

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